„Inspirierend und wunderschön“
Nach knapp 30 Jahren als Sängerin und Leiterin der Finnischen Nationaloper in Helsinki freut sich Lilli Paasikivi auf die Arbeit mit dem professionellen Team der Bregenzer Festspiele. Für sie sind die Festspiele ein wunderbares Kulturfest, ein Fest des Geschichtenerzählens, der Musik, der Kreativität und der künstlerischen Qualität.
Als Nachfolgerin von Elisabeth Sobotka, die nach neun Jahren an die Berliner Staatsoper gewechselt ist, will sich die 59-Jährige dabei auf Werke des frühen 20. Jahrhunderts konzentrieren, die seltener zur Aufführung kommen.
Zum Einstand ihrer Intendanz gibt es im Festspielhaus die 1936 uraufgeführte Oper „Oedipe“ mit der Musik des im heutigen Rumänien geborenen Komponisten George Enescu.
Nach feierlicher Eröffnung am Vormittag Bregenzer Festspiele zeigen zum Start die Oper "Oedipe"
Langen Applaus hat es am Mittwochabend für die erste Premiere der 79. Bregenzer Festspiele gegeben. Sie waren am Vormittag feierlich eröffnet worden. Auf der Seebühne wird noch einmal "Der Freischütz" gezeigt.
„Monumentale Tragédie lyrique“: Die Oper „Oedipe“
Die Regie der Oper führt der international renommierte Regisseur Andreas Kriegenburg und die musikalische Leitung übernimmt der finnische Stardirigent Hannu Lintu, der zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen mit dabei ist. Mit Lintu am Pult will Lilli Paasikivi auch ein Zeichen setzen.
Ich will gerne meine künstlerischen DNA und die nordische Dimension dieses Jahr präsentieren. Hannu Lintu hat mit mir als Generalmusikdirektor in Helsinki lange zusammengearbeitet. Er ist wirklich sehr gut bei diesen starken, expressiven Werken des 20. Jahrhunderts.
Festspiele als Ausdruck ihrer künstlerischen DNA
Daneben gibt es bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen unter anderem Werke der finnischen Komponisten Jean Sibelius und Sebastian Fagerlund und der 2023 verstorbenen Komponistin Kaija Saariaho zu hören.
Die Hommage „Study for Life“ vom Tanzkünstler und Choreografen Tero Saarinen – beide verband eine künstlerische Freundschaft – basiert auf einer Idee Saariahos und ist die Grundlage für einen multidisziplinären Abend.
Respekt vorm Original
Bevor Lilli Paasikivi im kommenden Jahr ihre erste Seebühnen-Produktion, Verdis „La Traviata“, zeigen wird, ist 2025 nochmal Carl Maria von Webers „Freischütz“ in einer Inszenierung von Philipp Stölzl zu sehen.
Eine Inszenierung, die die Original-Oper völlig neu interpretiert, was für Diskussionen sorgte. Die neue Intendantin zeichnet hierfür nicht verantwortlich, merkt aber an, dass man immer die Originalwerke respektieren, aber auch eine zeitgenössische Interpretation finden muss.
Von der Sängerin zur Kulturmanagerin
Lilli Paasikivi wurde 1965 im finnischen Imatra geboren. Nach einer Gesangsausbildung an der Königlichen Musikhochschule Stockholm studierte sie später in London am Royal College of Music. International machte sie sich vor allem als Konzert- und Liedsängerin einen Namen und arbeitet unter anderem zusammen mit Orchestern wie den Berliner Philharmonikern.
1998 wird sie festes Ensemblemitglied der Finnischen Nationaloper, bis sie 2013 für zehn Jahre deren Leitung übernimmt. Die Saison 2025 ist ihr Auftakt als Intendantin der Bregenzer Festspiele.
In einem Interview schwärmt Lilli Paasikivi, dass jetzt Zeit für etwas Neues sei, sie sei glücklich, jetzt in Bregenz zu sein. Sie sieht dort viele wunderschöne Möglichkeiten mit den vier verschiedenen Bühnen, da man gleichzeitig verschiedene Formate bedienen könne.