Der 28-jährige Can Kozatepe aus Markdorf (Bodenseekreis) hat den Überfall einer Tankstelle in Kressbronn (Bodenseekreis) verhindert, indem er den Angreifer überwältigte. Konzatepe wollte am Montagabend eigentlich nur kurz seinen Vater besuchen, sprang dann aber spontan an der Kasse ein: "Mein Vater musste dann kurz weg, deshalb habe ich die Kasse übernommen. Und dann ist der Schlamassel zustande gekommen", sagte er dem SWR.
"Schlamassel" ist untertrieben. Denn während der 28-Jährige hinten im Büro saß, kam es zu einer gefährlichen Situation. Er habe aus dem Augenwinkel auf dem Bild der Überwachungskamera gesehen, wie eine Person in die Tankstelle stürmte. "Ehe ich irgendetwas machen konnte, hat er mich schon an der Tür getroffen, weil er wahrscheinlich direkt ins Büro rennen wollte."
Maskierter Angreifer war beim Überfall mit Elektroschocker bewaffnet
Der vermummte Angreifer, ein 29 Jahre alter Mann, war offenbar überrumpelt. Und der routinierte Kickboxer Can Kozatepe reagierte, ohne viel nachzudenken. "Ich habe ihm halt ein paar gute Schwinger verpasst", berichtet er. Er habe ihn "kampfunfähig" gemacht und angeschrien, er solle aufhören.
Die Situation schien sich kurz beruhigt zu haben, wie sich Can Kozatepe erinnert. Aber dann sei der Mann wieder aggressiv geworden und habe versucht ihn mit einem Elektroschocker anzugreifen. Doch der Kickboxer schaffte es, ihn zu entwaffnen.
Schließlich habe er den Mann aus der Tankstelle zerren können, sagte Can Kozatepe. "Ich hab keine Ahnung wie." Er habe den Angreifer auf den Boden schleudern können und sich dann kurzerhand auf ihn gesetzt. Parallel habe er den Notruf gewählt. "Dann habe ich seinen Arm fixiert und auf die Polizei gewartet", berichtete der 28-Jährige.
Am Tag nach dem versuchten Überfall sitzt der Schock tief
Dass Can Kozatepe sich zutraute, den Angreifer zu überwältigen, hängt wohl auch mit seinem sportlichen Hintergrund zusammen. "Ich habe früher intensiv K1 trainiert. Das ist eine abgeleitete Art von Kickboxen, bei der man noch die Knie mitbenutzen darf", sagte er. Trotzdem ließ der versuchte Überfall den Kampfsportler nicht kalt: "Das hat mich schon mitgenommen", berichtete er.
Cans Vater Serdar Kozatepe ist stolz auf den Mut seines Sohnes. Aber nach dem Überfall sitzt der Schock bei ihm noch tief. Er wisse, dass die Sache auch ganz anders hätte ausgehen können, sagte er. "Ich konnte danach überhaupt nicht schlafen", berichtete er. Er sei aber froh, dass nichts Schlimmeres passiert sei, so der 51-Jährige.
Gegen den 29-jährigen mutmaßlichen Täter ermittelt die Kriminalpolizei. Am Dienstagnachmittag wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft sitzt er jetzt in Untersuchungshaft, unter anderem wegen versuchten besonders schweren Raubes und versuchter gefährlicher Körperverletzung. Er ist bereits vorbestraft.
Der angegriffene Can Kozatepe hat für sein Verhalten nach aktuellem Stand übrigens keine rechtlichen Konsequenzen zu befürchten, heißt es von der zuständigen Oberstaatsanwältin Christine Weiss. Da er unmittelbar auf den Angriff reagiert habe, würden die Schläge des Kickboxers und dadurch verursachten Verletzungen beim Angreifer voraussichtlich als Notwehr eingestuft. Wirklich belastbare Einschätzungen sind laut der Oberstaatsanwältin aber erst nach Abschluss der Ermittlungen möglich.