Wenig Nachwuchs, frühe Rückkehrer

Verluste und Erfolge: Das war 2025 bei den Waldrappen am Bodensee

2025 war wieder ein spannendes Jahr für die Waldrappe in Überlingen. Neben einigen Erfolgen war es jedoch wieder von Verlusten bei den Jungvögeln geprägt.

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Von Autor/in Martin Hattenberger

"Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen für die Waldrappe in Überlingen", so Anne-Gabriela Schmalstieg vom Waldrappteam. Am Ende sei vor allem der Verlust vieler Jungwaldrappe, die in diesem Jahr in der Felsnische bei Überlingen (Bodenseekreis) geschlüpft und flügge geworden sind, tragisch gewesen.

Erfolgreiche Brut - doch wenige junge Waldrappe

In diesem Jahr sind acht Küken in Überlingen geschlüpft. Das waren etwas weniger als in den vergangenen Jahren. Dennoch zeigte sich das Waldrappteam zufrieden mit dem Bruterfolg. Die Tiere wuchsen heran und wurden flügge. Doch im Herbst und bei der Migration ins Winterquartier kam es immer wieder zu Verlusten. Ende des Jahres sind laut Waldrappteam nur noch drei der Jungvögel am Leben.

Neben dem Verlust der Jungvögel hat vor allem der Tod von Waldrapp Zoppo das Team schwer getroffen. Denn Zoppo war einer der ältesten Waldrappe der Überlinger Kolonie. Er lernte 2017 den Weg in das Winterquartier in der Toskana und kehrte drei Jahre später als einer der ersten Waldrappe zurück nach Überlingen, um dort zu brüten. Im Herbst 2025 zeigte Zoppo noch einmal dem Jungvogel Zaz den Weg über die Alpen nach Italien. Dort wurden die beiden vermutlich von einem Wilderer abgeschossen.

Zwei Waldrappe bauen an ihrem Nest in einer künstlichen Holz-Brutwand in Überlingen.
Die Waldrappe Zoppo und Kazoo haben in Überlingen gemeinsam erfolgreich gebrütet.

Erste "Spanier" zurückgekehrt

Ein Erfolg in diesem Jahr: Mit Dr. Saurier und Espi sind die ersten beiden Jungwaldrappe an den Bodensee zurückgekehrt, die vor zwei Jahren als erste den Weg nach Andalusien gelernt hatten. Damals waren 35 Jungvögel per Handaufzucht groß geworden und lernten dann nach einem Flugtraining mit zwei Ultraleichtfluggeräten die neue Route. "Das war ein großartiger Meilenstein", sagt Anne-Gabriela Schmalstieg über die Rückkehr der beiden. "Dass sie das Brutgebiet wieder finden, das haben wir erwartet, aber das dann zu sehen, war von sehr großer Bedeutung für unser Projekt."

Waldrapp Dr. Saurier ist der erste Waldrapp, der aus Spanien an den Bodensee zurückgekehrt ist.
Waldrapp Dr. Saurier war der erste Waldrapp, der aus Spanien an den Bodensee zurückgekehrt ist.

Doch auch diese Freude währte nur kurz. Auch Espi und Dr. Saurier vereindeten auf dem Weg ins Winterquartier. Vermutlich wurden sie von einem Greifvogel attackiert.

Selbstständige Migration der Waldrappe nach Italien

Im Oktober dann wieder eine Erfolgsmeldung: Die Migration ins Wintergebiet in der Toskana hat 2025 zunächst reibungslos funktioniert. Die Tiere verließen ihr Gebiet bei Überlingen selbstständig und überquerten die Alpen. Neben den bereits erwähnten Abschüssen sei die Migration dieses Jahr ein Erfolg gewesen, so Anne-Gabriela Schmalstieg.

Nun hofft das Waldrappteam für 2026 auf weibliche Rückkehrer aus Andalusien. Die Tiere, die 2023 dort hingeflogen sind, werden nun geschlechtsreif und kehren dann in ihr Brutgebiet zurück. Da hofft Anne-Gabriela-Schmalstieg vor allem auf Weibchen, die dann einen Partner finden und Nachwuchs bekommen können.

Waldrapp-Handaufzucht im Raum Bodensee-Oberschwaben?

Für das Jahr 2026 laufen die Pläne bereits auf Hochtouren. So sollen wieder Waldrappküken zum Flugtraining in der Region Allgäu-Oberschwaben ausgebildet werden. "Wir planen in der Nähe der Überlinger Kolonie, das Camp wieder aufzubauen", sagte Johannes Fritz dem SWR. Derzeit sei das Team noch in der Abklärung, welcher Flugplatz geeignet wäre für das Flugtraining und Platz biete für die Aufzucht der Vögel. Es sehe momentan so aus, dass es im württembergischen Allgäu klappen könnte, so Fritz. Von dort aus werden die Tiere dann wieder fit gemacht für den Weg nach Andalusien.

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Martin Hattenberger
SWR-Redakteur Martin Hattenberger Autor Bild

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