Die anhaltenden Minusgrade sorgen derzeit dafür, dass erste Wasserflächen am Bodensee zufrieren. Am flachen Untersee, dem sogenannten Gnadensee zwischen Allensbach und der Insel Reichenau (beides Kreis Konstanz), gibt es bereits eine fast durchgehende Eisfläche. Spaziergänger und Schlittschuhläufer sind unterwegs, sowohl von Hegne aus, als auch vom Reichenauer Damm. Zuletzt war der Gnadensee 2021 komplett gefroren.
Eis-Schicht auf dem Bodensee: Warnung vor Betreten
Das zuständige Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen warnt jedoch. Zwar prüfe die Wasserschutzpolizei vor Ort die Dicke der Eisschicht. Am deutschen Bodensee gebe es aber keine offizielle Freigabe zum Betreten zugefrorener Seeflächen. Am Schweizer Untersee dagegen prüften Eismeister die Tragfähigkeit und erteilten eine Freigabe, so ein Sprecher auf SWR-Anfrage.
Auch der Federsee in Bad Buchau (Kreis Biberach) ist am Wochenende für viele zum Ausflugsziel geworden. Denn die anhaltend kalten Temperaturen haben ihn komplett zufrieren lassen. So waren zahlreiche Schlittschuhläufer und Spaziergänger auf eigene Gefahr auf dem Eis unterwegs.
Winterwetter am Bodensee: Frostige Nächte
Auch mit Beginn der neuen Woche war Tauwetter bei Temperaturen auch tagsüber unter 0 Grad nicht in Sicht. Wie Roland Roth von der Wetterwarte Süd dem SWR sagte, sind flachere Seen und Weiher eher tragfähig. In Baggerseen dagegen hänge in tieferen Schichten noch warmes Wasser. Der Federsee ist sehr flach.
Der Deutsche Wetterdienst rechnet für den Mittwoch mit anhaltendem Dauerfrost, ab Donnerstag ist mit einem Temperaturanstieg zu rechnen, so dass die Werte über dem Gefrierpunkt liegen können. Laut Internationaler Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hatte der Bodensee am Sonntagmorgen in Lindau nur noch 2,4 Grad, am Untersee waren es 4,2 Grad. Führt das zu einem teilweisen Zufrieren des Bodensees?
Bodensee friert wohl nie wieder ganz zu - Seegfrörne zuletzt vor 63 Jahren
Das letzte Mal fror der Bodensee im Februar 1963 komplett zu. Das Naturereignis zog damals Tausende Menschen auf die zugefrorene Seefläche - und das nicht nur zum Schlittschuhlaufen.
Doch eine neue Seegfrörne ist derzeit nicht zu erwarten - und wird vermutlich wegen des Klimawandels auch nie wieder stattfinden. Denn dafür braucht es lange Phasen von Dauerfrost. Im Winter 1962/63 wurden nachts Temperaturen von minus 20 Grad Celsius am Bodensee bei Konstanz gemessen. Tagsüber blieb das Thermometer ebenfalls oft bei minus zehn Grad stehen.
Freundschaft zwischen Langenargen und Arbon Wie die Seegfrörne Menschen zusammenbrachte
Die Seegfrörne ist nicht nur ein Naturphänomen gewesen, sondern hat Menschen am Bodensee auch zusammengeführt. Zwischen Langenargen und Arbon entstand eine Städtefreundschaft.
Kälte gut für Durchmischung des Bodensees
Das kalte Wetter könnte aber positiv für den Bodensee sein. Denn eine vollständige Durchmischung der verschiedenen Wasserschichten im See benötigt kalte Temperaturen. Nur dann gelangt sauerstoffreiches Wasser von der Oberfläche an den Seegrund.