Das Kunstforum Hundertwasser in Lindau zeigt Druckgrafiken des weltberühmten Österreichers Friedensreich Hundertwasser. Vertreten sind alle Stile und Techniken, mit denen Hundertwasser ab den 1950er Jahren experimentierte. Die Arbeiten stammen alle aus dem Hundertwasserarchiv in Wien. Zum ersten Mal werden auch seine originalen Werkzeuge ausgestellt, die der Künstler benutzte.
Hundertwassers Handschrift: schiefe Häuser und fröhlich-bunt
Die Grafiken werden in schwarz abgedunkelten Räumen präsentiert, in denen die ausgeleuchteten Arbeiten optimal zur Geltung kommen. Und man erkennt sogleich die unverwechselbare Handschrift Hundertwassers: schiefe Häuser, Spiralen, Türme – alles fröhlich-bunt, lebendig und leuchtend.
Mit der Druckgrafik betrete ich ein Paradies, das der Malerpinsel nicht mehr erreicht.
Die Grafiken wirken fast dreidimensional. Denn der Künstler verwendete auch Glanzfolien und Glasstaub. Er beschäftigte sich mit allen Techniken wie Siebdruck, Lithografie, Radierung, war sogar in Japan, um den traditionellen japanischen Farnholzschnitt kennenzulernen.
Menschen stehen bei Hundertwasser im Zentrum
Friedensreich Hundertwasser war nicht nur Künstler, sondern auch früher Umweltschützer, Architekt, Friedens- und Ökoaktivist. Er befasste sich mit sozialen und gesellschaftlichen Themen. Der Mensch, das Individuum, sollte im Zentrum stehen, so sein Anspruch. Kunst solle für alle verfügbar sein. Darum sollten seine Drucke zu erschwinglichen Preisen verkauft werden. Er stritt sogar mit Galerien, wenn diese zu teuer verkauften, erzählt Kuratorin Sophie Sümmermann. Außerdem sollten seine Drucke individuell gestaltet sein und nicht, wie bei anderen Künstlern üblich, völlig identische Abzüge des Originaldrucks. Er wandelte tatsächlich jedes Blatt ab, indem er zum Beispiel die Farbe wechselte oder drucktechnische Methoden leicht abänderte. Jeder Druck ist ein Unikat.
Ausstellung gibt Einblick in die Entstehung der Werke
Die Ausstellung in Lindau zeigt aber nicht nur die von innen leuchtenden Grafiken, sondern gibt auch einen Einblick in die Entstehung der Werke. Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn spricht gar von einer "Weltpremiere". Zu sehen sind erstmals die originalen Werkzeuge, mit denen Hundertwasser arbeitete: Druckstöcke, Platten und Probedrucke.
Vielfalt ist Reichtum.
Hundertwasser war, so Warmbrunn, fasziniert vom Wasser. Als junger Mann kam er an den Bodensee, nach Bregenz, und sprach von einer "Stadt im Wasser", gemeint war wohl die Stadt Lindau. Und die widmet sich nun intensiv dem Ausnahmekünstler. Sie gründete 2025 das Kunstforum Hundertwasser zusammen mit der Gemeinnützigen Hundertwasser Privatstiftung in Wien. Das Forum ist deutschlandweit einmalig und will das Werk Hundertwassers in mehreren Ausstellungen präsentieren. Die Grafik-Schau ist nun die zweite Ausstellung. Sie ist bis zum 10. Januar 2027 im Kunstforum Hundertwasser in Lindau zu sehen.