"Mit großem Bedauern, aber auch viel Verständnis haben die Mitglieder der Auflösung einstimmig zugestimmt." Das teilte Anita Koops von der Arbeitsgruppe der Bodensee Berufsfischer (ABB) am späten Freitagabend dem SWR mit. Damit ist der Internationale Bodensee-Fischereiverband (IBF) nach 116 Jahren Geschichte. Hintergrund ist der stetige Rückgang an Fischen im Bodensee und an Berufsfischern.
130 Tonnen Fisch, so viel - oder besser gesagt - so wenig Fisch haben die Bodenseefischerinnen und -fischer im vergangenen Jahr aus dem See geholt. Vor zehn Jahren waren es noch fast viermal so viele, nämlich 450 Tonnen. Gerade einmal 50 Fischer sind heute übrig geblieben. Sie plagen sich mit vielen Sorgen.
Klimawandel, Quagga-Muschel, Kormorane: die Sorgen der Fischer am Bodensee
Das Problem ist nicht nur, dass es weniger Fische im See gibt. Auch die Zahl der Fressfeinde hat stark zugenommen. Da sind zum Beispiel die Kormorane. Vor ein paar Jahren freute man sich noch über das erste Brutpaar am See. Inzwischen jagen rund 7.000 Vögel den Fischen nach. Alleine die Kormorane holten im letzten Jahr 600 Tonnen Fisch aus dem See. Fisch, der den Berufsfischern fehlt.
Und dann sind da noch die Quagga-Muscheln. Sie machen den See sauberer. Eigentlich gut. Aber es bedeutet auch, dass weniger Nährstoffe für die Fische im Wasser sind. Der Klimawandel schließlich sorgt für immer höhere Wassertemperaturen und sinkende Pegelstände.
Ende des Fischfangs am Bodensee?
Als Wirtschaftsfaktor hat der Fischfang am Bodensee an Bedeutung verloren. Nur noch 50 aktive Berufsfischer gibt es am See - und das in Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Seit 2024 darf der eigentliche Bodenseefisch, der Felchen, am Obersee drei Jahre lang nicht mehr gefangen werden, weil der Bestand so stark zurückgegangen ist, dass die Art gefährdet ist. Schuld sind etwa auch die Stichlinge. Sie fressen die Eier der Felchen. Aber seit Kurzem erholt sich der Bestand wieder.
Das Ende des Internationalen Bodensee-Fischereiverbands ist gleichzeitig ein Neustart. Die Angelfischer haben den IABS (Internationale Arbeitsgruppe der Bodensee Sportfischer) gegründet, die Berufsfischer die Arbeitsgruppe der Bodensee Berufsfischer (ABB). Gemeinsam wollen sie gegenüber der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) ihre Interessen vertreten. "Wir hoffen, das wir als Berufsstand in Zukunft (ohne IBF) noch genügend gewichtig sein können und nicht noch weniger Gehör und Mitspracherechte bekommen, als es die letzten Jahre ja oft schon der Fall war", so Berufsfischerin Anita Koops.