Die anhaltenden Verluste des Klinikverbunds im Bodenseekreis, Medizin Campus Bodensee (MCB) mit seinen Häusern in Friedrichshafen und Tettnang könnten zu einem sogenannten Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung führen.
Der Friedrichshafener Oberbürgermeister Simon Blümcke (parteilos) hat die Möglichkeit der Planinsolvenz am Freitag vor Pressevertretern vorgestellt. Dadurch könnte der lange Streit zwischen Stadt und Landkreis um die zukünftige Übernahme der Verantwortung für die Kliniken enden. Denn dann würde ein Sachwalter die Verantwortung übernehmen, mit dem Ziel, eine Lösung für den stark defizitären Klinikverbund zu finden.
Weder Stadt noch Stiftung können die Kosten übernehmen
Hintergrund ist, dass der Medizin Campus Bodensee seit Jahren Millionenverluste macht. Doch weil die Dividendenausschüttungen der Zeppelin-Stiftung zunehmend spärlicher ausfallen und weiter zu sinken drohen, könnten weder die Stadt noch die Stiftung diese Kosten künftig übernehmen, so Friedrichshafens OB Blümcke. "Weil sich bislang mit dem Kreis gemeinsam keine belastbare finanzielle Lösung abgezeichnet hat, bleibt nur das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung", so Blümcke.
In seiner nächsten Sitzung am 20. Oktober soll der Gemeinderat von Friedrichshafen sich mit der Thematik befassen. Noch könnte der Bodenseekreis ein Insolvenzverfahren verhindern, indem er sich verpflichtet, die Kosten zu übernehmen. Sollte das nicht passieren, wird die Stadt die Geschäftsführung darüber informieren und diese muss zum Amtsgericht und das Insolvenzverfahren einleiten.
Betrieb im Klinikverbund MCB geht weiter
Auf den laufenden Betrieb am MCB hat ein mögliches Insolvenzverfahren zunächst keine Auswirkungen, hieß es am Freitag. Durch das Verfahren soll aber geklärt werden, wie es künftig weitergehen kann. "Wir sind es vor allem den Mitarbeitenden schuldig, die quälend lange Hängepartie zu beenden und die nötigen Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen", so Jan-Ove Faust, der Geschäftsführer des MCB.
Mögliche Lösung: Zusammenarbeit mit Ravensburger OSK
Eine mögliche Lösung für die finanziellen Probleme wäre eine Zusammenarbeit mit dem Oberschwabenklinikverbund (OSK) im Kreis Ravensburg. "Wir stehen jedoch erst am Anfang einer Art Wettbewerb, in dem die verschiedenen Konzepte verglichen und auf ihre Machbarkeit geprüft werden", so Faust. Die kommenden Tage würden zeigen, welche Weg der beste sei.
"Die Region braucht diese Kliniken", beteuerte der Friedrichshafener OB Simon Blümcke bei dem Pressetermin am Freitag. Das Planinsolvenzverfahren könne dafür ein geeigneter Weg sein.