Am Landgericht Konstanz hat am Montag der Prozess gegen einen 50-jährigen Mann begonnen, der im Januar einen Bekannten getötet haben soll. Laut Staatsanwaltschaft stach der Beschuldigte in einem Wahn mehr als 70 Mal mit einem Messer zu.
Der Mann soll geglaubt haben, der 36-jährige Freund könne aufgrund eines sexuellen Kontakts seine Gedanken lesen. "Er hat meinen Geist geklaut", sagte der Beschuldigte vor Gericht. Diese Vorstellung habe ihn zunehmend in Wut und Angst versetzt.
Die Staatsanwaltschaft geht von einer schweren psychischen Erkrankung aus. Der Beschuldigte soll schuldunfähig sein und in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.
Zwischen Drogen und Wahn
Vor Gericht sprach der 50-Jährige ruhig. Er berichtete über seine Kindheit in Jordanien, seine Ankunft in Deutschland und seine langjährige Drogensucht.
Er konsumierte nach eigenen Angaben regelmäßig Amphetamine, Substanzen wie Subotex und Diazepam sowie Alkohol. In dieser Zeit sei auch der Kontakt zum späteren Opfer enger geworden. Beide hätten häufig gemeinsam konsumiert und auch sexuellen Kontakt gehabt.
"Er war mein guter Freund", sagte der Beschuldigte. Zugleich habe ihn diese Beziehung offenbar überfordert. Er habe geglaubt, sich "befreien" zu müssen - und schließlich einen Wahn entwickelt.
Der Tatabend in Konstanz: Streit, Wut und eine grausame Idee
Am Abend der Tat sollen beide erneut Drogen genommen und Alkohol getrunken haben. Der 50-Jährige habe versucht, mit dem Bekannten über die angeblichen Gedankenkräfte zu sprechen. Als dieser nicht darauf einging, kam es laut Staatsanwaltschaft zum Streit.
Daraufhin griff der Mann zu einem Küchenmesser. Das Opfer starb noch in seiner Wohnung. "Ich kann mich an den Abend nur noch in Bildern erinnern", sagte der Beschuldigte.
Nachdem der Bekannte leblos am Boden lag, soll der 50-Jährige versucht haben, ihn aufzuschneiden, um - wie er sagte - "die Leber zu holen". Doch er brach ab. "Ich hatte Ekel", erklärte er im Gerichtssaal.
Er gab an, er habe in Büchern gelesen, dass man durch das Essen einer Leber wieder Kontrolle über seine Gedanken erlangen könne. Diese Idee sei Teil seines Wahns geworden.
Leben mit Krankheit: "Ich hatte Chaos im Kopf"
Der Beschuldigte schilderte, er habe sich über Jahre verfolgt und beobachtet gefühlt. Er sei überzeugt, dass manche Menschen Gedanken lesen könnten. Diese Fähigkeit würden sie seiner Vorstellung nach durch sexuellen Kontakt erlangen. "Es war, als wäre ich in meinem Kopf gefangen", sagte er.
Der Mann lebt seit den 1990er-Jahren in Deutschland, arbeitete zeitweise auf Baustellen und in der Reinigungsbranche. Wegen psychischer Probleme steht er seit über 20 Jahren unter Betreuung.
Seit Mai 2025 ist er im Zentrum für Psychiatrie Reichenau untergebracht. Dort fühle er sich "sicher und ruhig".
Mordprozess: Gericht prüft Schuldfähigkeit
Das Landgericht Konstanz muss nun klären, ob der Mann bei der Tat schuldunfähig war. Ein Gutachten bescheinigt ihm eine paranoide Schizophrenie.
Laut Staatsanwaltschaft verstand er zwar, dass die Tat Unrecht war - konnte aber nicht danach handeln. Der Mann gilt weiter als gefährlich.
Bis Ende Oktober sollen Zeugen und Sachverständige aussagen. Dann könnte eine Entscheidung des Gerichts fallen.