900.000 Euro für Fischartenschutz

Drohnen sollen Kormorane am Bodensee in Schach halten

Die Europäische Union stellt im Rahmen ihres Interreg-Programms 900.000 Euro für den Fischartenschutz am Bodensee zur Verfügung. Dabei geht es auch um die Eindämmung des Kormorans.

Teilen

Stand

Von Autor/in Thomas Wagner

Das grenzüberschreitende Interreg-Programm "Fischartenschutz und Kormoranmanagement" will die Lebensräume bedrohter Fischarten am Bodensee verbessern. Auch die Ausbreitung der Kormorane soll eingedämmt werden. Dafür stellt die Europäische Union 900.000 Euro bereit.

Ökologischer Druck auf Fischarten im Bodensee nimmt zu

Besonders bedrohte Fischarten im Bodensee sollen geschützt werden. Laut einer Mitteilung des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums handelt es sich dabei um die Äsche, die Nase, den Strömer, den Bitterling, die Groppe und das Bachneunauge.

Der Klimawandel und das Eindringen sogenannter "invasiver Lebewesen" wie der Quagga-Muschel bedrohen die Fische im Bodensee. Damit nimmt der ökologische Druck auf die heimischen Fischarten ständig zu. Von 39 im Bodensee heimischen Fischarten seien 24 in ihrem Bestand gefährdet, so die Mitteilung.

Kormorane vermehren sich am Bodensee besonders stark

Ein Problem für die Fische ist auch der Kormoran. Er gilt einerseits als geschützte Vogelart, hat aber andererseits unrühmliche Bekanntheit durch seinen großen Appetit auf Bodenseefische gewonnen. Wie den Bestand der Kormorane unter Kontrolle halten, ohne gegen die Vorgaben des Natur- und Artenschutzes zu verstoßen? Genau dies ist ein wichtiger Aspekt des neuen Interreg-Programms.

Laut Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums sollen modernste Drohnen zum Brutmanagemet der Kormorane eingesetzt werden. Über die Auswertung der Daten erhoffen sich die Fachleute Anhaltspunkte, wie eine Eindämmung der Bestände gelingen könnte.

Bereits im Februar dieses Jahres hatte das Umweltministerium den testweisen Einsatz von Drohnen gegen die stark steigenden Zahl an Kormoranen am Bodensee angekündigt. Das Fluggerät habe einen langen Auslegearm und könne die Eier in den Kormorannestern mit Öl besprühen. Das Öl sorge dafür, dass sich keine Jungvögel entwickeln, so die Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft. Ein Prototyp sei bereits erfolgreich eingesetzt worden.

Eine Drohne fliegt in die Baumkronen, in denen Kormorane nisten.
Eine Drohne fliegt im Kampf gegen Kormorane bis in die Baumkronen.

Grenzüberschreitende Maßnahmen sind wichtig

Wichtig sei der grenzüberschreitende Charakter aller Projekte, so der baden-württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk in einer Mitteilung. Die auf drei Jahre angelegten Projekte zum Fischartenschutz und zum Kormoranmanagement gehen gemeinsam von den deutschen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern sowie vom Fürstentum Liechtenstein, von der Schweiz und vom österreichischen Bundesland Vorarlberg aus.

Reichenau

Bestand des gefräßigen Vogels geht stark zurück Weniger Kormorane am Bodensee gesichtet

Am Bodensee ist die Zahl der Kormorane stark zurück gegangen. Das teilt die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee (OAB) mit. Die Kormorane fressen viele Fische im Bodensee.

Bodensee

Gefräßiger Vogel steht unter Naturschutz Zum Schutz heimischer Fischarten: Zahl der Kormoran-Abschüsse am Bodensee steigt

Eigentlich stehen Kormorane unter Naturschutz, doch sie gefährden auch den Fischbestand. Unter strengen Auflagen dürfen sie getötet werden. Nun gibt es neue Zahlen zu den Abschüssen.

Langenargen

Konflikt um fischfressende Vögel am Bodensee tobt seit Jahrzehnten Eingeölte Eier, Scheinwerfer und Abschüsse - Wie die Zahl der Kormorane reduziert werden soll

Fischräuber oder schützenswerter Vogel? Und wie viele verträgt das Ökosystem Bodensee? Der Kormoran wird hier emotional diskutiert. Und bisherige Versuche, die Zahl der Vögel einzuschränken, scheiterten.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Thomas Wagner
SWR-Redakteur Thomas Wagner Autor Bild
Onlinefassung
Viktoria Clausnitzer
SWR-Redakteurin Viktoria Clausnitzer Autorin Bild

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!