Der Chef des Polizeipräsidiums Ravensburg, Uwe Stürmer, kritisiert das vor knapp zwei Jahren in Kraft getretene Gesetz zur Teillegalisierung von Cannabis: Es habe viele Versprechen nicht einhalten können, sagte Stürmer bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025.
Die Zahl der registrierten Fälle von Rauschgiftkriminalität in der Region sei mit dem Gesetz zwar offiziell zurückgegangen. Doch der Schwarzmarkt boome. "Das Versprechen, die Jugendlichen zu schützen, ist aus meiner Sicht nicht eingelöst", so Stürmer. Eine Aufklärungskampagne habe er nicht wahrnehmen können.
Ich hätte mir gewünscht, dass man bei der Teillegalisierung auf die Fachleute hört. Und die waren unisono der Meinung, dass das, ganz offen gesagt, ein Schuss in den Ofen war.
Im Bereich des Polizeipräsidiums Ravensburg gab es im Jahr 2025 deutlich weniger Drogendelikte: 740 Fälle wurden registriert, im Vergleich zum Jahr 2024 mit 990 Fällen. Grund für den Rückgang sei die Cannabis-Teillegalisierung, heißt es in der aktuellen Kriminalitätsstatistik.
Trotzdem komme es nach wie vor zu Großfunden von illegalem Cannabis. Die Polizei vermutet, dass der Markt durch wenige legale Anbau-Vereinigungen nicht gedeckt werden könne.
Anbau-Verein vom Bodensee: "Gesetz war ein Schnellschuss"
Die Kritik der Polizei sei verständlich, heißt es vom Bodensee Cannabis Club aus Kressbronn. Das Gesetz sei schwammig formuliert und mache es den Anbau-Vereinen schwer, ihre Arbeit aufzunehmen. Der Club warte, wie viele andere in Baden-Württemberg, immer noch auf eine Lizenz.
Darum würden viele Konsumenten nach wie vor auf den Schwarzmarkt und auf medizinisches Cannabis zurückgreifen oder selbst anbauen. Die Hoffnung sei aber immer noch groß, dass die Vereine bald sauberes und sicheres Cannabis für ihre Mitglieder anbauen dürften.
Für uns als Verein wären klare Regeln jetzt wichtig. Das Gesetz zur Teillegalisierung war ein Schnellschuss.
FAQ zu Cannabis-Social-Clubs Cannabis-Social-Clubs in BW: Wie viele gibt es und wie werden sie kontrolliert?
Seit mehr als einem Jahr darf in Cannabis-Social-Clubs angebaut und abgeben werden. Wie viele Clubs gibt es mittlerweile in Baden-Württemberg? Was sagt die Polizei dazu?
Das Gesetz zur Teillegalisierung lasse sehr viel Interpretationsspielraum, heißt es vom Bodensee Cannabis Club weiter. Keiner wolle etwas falsch machen, darum seien die Auflagen der Bau- und Lizenzbehörden aktuell noch sehr hoch. Allein bei ihrem Verein stünden 1.200 Menschen auf der Warteliste, ein Club darf offiziell 500 Mitglieder aufnehmen.
Viele Konsumenten würden auf das medizinische Produkt zurückgreifen - oder warteten, bis der Club endlich starten dürfe, heißt es vom Anbau-Verein. Es stecke auch absoluter Pioniergeist dahinter, so Dominik: "Wir werden es schaffen. Wir sind in ganz Baden-Württemberg mit fast allen Clubs vernetzt."