"Kurswechsel jetzt! Strategie statt Havarie!" - das stand auf vielen Plakaten. Am Dienstag sind Tausende Beschäftigte des Autozulieferers ZF lautstark durch Friedrichshafen und vor die Konzernzentrale am Rand der Innenstadt gezogen. Dem Aufruf zu den Protesten gefolgt waren nach Angaben des Betriebsrats etwa 6.000 Mitarbeitende. Sie wollten mit Plakaten, Fahnen und Trillerpfeifen ihren Unmut über die geplanten Sparmaßnahmen zeigen. Das erklärte der ZF-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich gegenüber dem SWR. Der Betriebsrat hatte den Marsch und die anschließende Kundgebung organisiert.
Die Protestaktion startete um 9 Uhr vor zwei großen Werken und endete am ZF Forum. Dort fand eine gemeinsame Betriebsversammlung statt.
Warum der Protest bei ZF für die Beschäftigten so wichtig ist
Hintergrund des Protests sind schlechte Geschäftszahlen und hohe Schulden beim Autozulieferer. Der Konzern schreibt seit Monaten rote Zahlen und kämpft mit großen Verlusten. Um die Krise zu bewältigen, will die Geschäftsleitung Kosten senken. Das bedeutet für viele Mitarbeitende, dass sie auf Teile ihres Lohns und anderer Leistungen verzichten sollen.
Die ZF-Belegschaft fühle sich ungerecht behandelt, hieß es gegenüber dem SWR. Viele hätten das Vertrauen in den Konzernvorstand verloren.
Der Betriebsrat fordert deshalb, dass die Sparmaßnahmen nicht weiter auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen Sicherheit für ihre Jobs und eine klare Zukunftsperspektive für den Standort Friedrichshafen. Sie protestieren, weil sie den Eindruck haben, dass die Konzernspitze vor allem an Einsparungen denkt - und weniger an die Menschen, die das Unternehmen täglich tragen.
ZF will Kündigungen durch Sparen vermeiden - doch der Weg ist schwer
Die Konzernleitung erklärte, dass sie wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage handeln müsse. Sie setze auf "weiche" Sparmaßnahmen wie weniger Arbeitsstunden, um Kündigungen zu verhindern. Doch viele Mitarbeiter sind skeptisch. Sie beobachten mit Sorge, dass bereits zahlreiche Kolleginnen und Kollegen gegangen sind - und befürchten, dass noch mehr ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.
Seit Anfang 2024 sind schon 5.700 Jobs bei ZF weggefallen. Bis Ende 2028 könnten es in Deutschland insgesamt bis zu 14.000 sein.