Wärme für 370 Haushalte

Startschuss für Seethermie in Konstanzer Teilorten

Am Mittwoch ist der offizielle Spatenstich erfolgt: In gut einem Jahr sollen die ersten Haushalte in Konstanz mit Wärme aus dem Bodensee heizen.

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Von Autor/in Steffen Mierisch

Ein weiteres Seethermie-Projekt in Konstanz ist an den Start gegangen: Am Klausenhorn zwischen den Konstanzer Teilorten Dingelsorf und Wallhauses hat es am Mittwoch den symbolischen Spatenstich für ein neues Wärmenetz gegeben. Die Förderung ist laut Projektverantwortlichen vor Kurzem bewilligt worden. Darum können nun die Arbeiten am Klausenhorn beginnen.

Mehr als 10 Millionen Förderung aus Bundes- und EU-Mitteln erhält das Projekt, so ein Sprecher der Betreiberfirma solarcomplex aus Singen. Insgesamt koste die Anlage nach derzeitigem Stand rund 26 Millionen Euro. Nach dem symbolischen Start sollen im Februar die eigentlichen Bauarbeiten losgehen.

Verträge mit mehr als 370 Haushalten sind unterzeichnet

Die ersten Häuser sollen dann im Jahr 2027 angeschlossen werden, zwei Jahre später soll die ganze Anlage fertig sein. Insgesamt 370 Haushalte wollen aktuell mit Wärme aus dem See heizen und an das neue Wärmenetz angeschlossen werden. Die entsprechenden Verträge seien unterzeichnet, so ein Sprecher von solarcomplex. Vier Wärmepumpen werden dafür Wasser aus dem See um wenige Grade abkühlen. Die daraus gewonnene Wärme kann dann zum Heizen genutzt werden.

Die neue Heizzentrale am Klausenhorn zwischen Dingelsdorf und Wallhausen
So soll die neue Heizzentrale aussehen, von der aus in etwas mehr als einem Jahr die ersten Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Zu dem Projekt gehören außerdem eine Photovoltaik-Anlage, deren Strom für die Pumpen genutzt wird sowie ein Wärmespeicher. Das Projekt sei auf die kältesten Tage des Jahres ausgelegt und soll auch dann noch genug Wärme liefern, versichern die Verantwortlichen.

Es ist nach Angaben der Betreiber das erste Seethermie-Projekt am deutschen Bodenseeufer, das Privathäuser mit Seewärme versorgen wird. An der Universität Konstanz wurde bereits vor Kurzem symbolisch mit den Bauarbeiten für die Versorgung mit Seewärme begonnen. Die Anlage soll 2027 in Betrieb gehen und 70 Prozent der Wärme für die Gebäude der Hochschule liefern.

Seethermie auch in Österreich und der Schweiz

In Österreich wird Bodenseewärme bereits genutzt. In Bregenz werden etwa das Festspielhaus und das neue Seebad mit Seethermie geheizt und gekühlt. Privathaushalte sollen in Kürze folgen, bestätigte ein Sprecher der Stadtwerke Bregenz eine SWR-Anfrage.

Kurz vor dem Start ist die Seethermie auch in Gottlieben im Schweizer Kanton Thurgau. Hier warte man nur noch auf letzte Bewilligungen, so die Betreiber. Man hoffe diese im Januar zu erhalten. Dann soll es auch dort losgehen. In Romanshorn, ebenfalls im Kanton Thurgau, wurde ein ähnliches Projekt hingegen gestoppt.

In Konstanz und Meersburg weitere Seethermie-Anlagen geplant

Auch am deutschen Bodenseeufer sind weitere Projekte geplant. In Meersburg verzögert sich ein geplantes Seethermie-Projekt. Im nächsten Jahr soll aber dann auch dort gestartet werden. Außerdem will auch Radolfzell in die Seethermie einsteigen. In Konstanz sollen im kommenden Jahr die Arbeiten für die Nutzung von Seethermie im neuen Stadtteil Hafner starten.

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Steffen Mierisch
SWR-Reporter Steffen Mierisch Autor Bild

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