An der "Freien Waldorfschule Überlingen" im Bodenseekreis sind Gewalttaten eines Lehrers vor über 30 Jahren aufgearbeitet worden. Den fahrlässigen Umgang mit Missbrauch an Schülerinnen und Schülern hat die Schule in einer Mitteilung eingestanden. Für die Aufarbeitung war das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München zuständig.
Heutige Schulleitung nimmt Stellung zu Gewalttaten von damals
Konkret gehe es um einen Lehrer, der in den Jahren 1990 bis 1993 eine Unterstufenklasse geleitet hatte, so die Freie Waldorfschule Überlingen in einer Mitteilung. Der Mann soll sich an mehreren Schülerinnen und Schülern vergriffen haben; die Schule spricht von "sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt". Um wie viele Fälle es genau geht, schreibt die Schule nicht.
Es sei vor dreieinhalb Jahrzehnten ein Fehler gewesen, den Lehrer überhaupt einzustellen, so die Schule. Denn es habe damals schon Hinweise auf dessen pädophile Neigungen gegeben. Erst vor drei Jahren seien die Gewalttaten ans Licht gekommen. Die heutige Schulleitung zeigt sich der Mitteilung zufolge "tief schockiert" über die Gewalttaten im Klassenraum vor 35 Jahren.
Aufarbeitung der Gewalttaten durch Institut in München
Die detaillierte Aufarbeitung hat das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München übernommen, das auf das Thema "Gewalt gegen Kinder und Jugendliche" spezialisiert ist. Auf der Grundlage von Interviews und Dokumenten habe die pädagogische Praxis und das gewaltsame Handeln des Lehrers untersucht und rekonstruiert werden können, schreibt das Institut in einer Mitteilung. In der Untersuchung konnte das Institut sexualisierte Übergriffe des Lehrers gegen mindestens vier Schülerinnen und Schüler nachweisen.
Die Freie Waldorfschule habe seit rund drei Jahren ein Schutzkonzept gegen Gewalt und sexuell motivierte Übergriffe erarbeitet, so die Schule in ihrer Mitteilung. Es gebe nun eine Anlaufstelle für Betroffene und Präventionsangebote für Schülerinnen und Schüler.