Der rund 30 Kilometer lange Flug von Kißlegg nach Berg sei ein kleiner Erfolg gewesen, sagte Johannes Fritz vom Waldrappteam dem SWR. Doch nach einem Zwischenstopp am dortigen Flugplatz verweigerten die Tiere den Weiterflug. Ein Versuch nach Heiligenberg oder Binningen im Kreis Konstanz weiterzufliegen blieb erfolglos.
In diesem Jahr sei es eine sehr schwierige Vogelgruppe, so Fritz. Deshalb werde man die Tiere nun mit dem Auto weiter transportieren zum Flugplatz in Hütten-Hotzenwald im Süd-Schwarzwald.
Junge Waldrappe kehren immer wieder um
Bislang verlief der Flug der Gruppe allerdings nicht so, wie er sollte. Die Jungvögel waren am Montag nicht fliegend angekommen wie geplant, sondern ganz unspektakulär in Käfigen in einem Transportfahrzeug. Das berichtete Anton Diebold von der Flugsportgruppe Wangen-Kißlegg dem SWR. Das Problem: Die jungen Waldrappe hatten wegen schlechten Wetters im Juli nicht genug Zeit zu lernen, ihren Ziehmüttern im Motordrachen zu folgen. Immer wieder kehrten sie um.
Wenn die Wolken nur 100 oder 200 Meter tief hängen, kann der Motordrachen mit den Ziehmüttern nicht fliegen. Das ist für Sichtflug zu tief.
Ein weiterer Versuch am Mittwochmorgen, die 29 Jungvögel mit dem Fluggerät mit gelbem Gleitschirm dazu zu bewegen, in Richtung Süden zu fliegen, scheiterte. "Segelfluggelände scheinen eine magische Anziehungskraft auszuüben", so Anton Diebold gegenüber dem SWR.
Waldrappe kamen wegen schlechten Wetters verspätet
Ursprünglich waren die Jungvögel bereits vor zehn Tagen in Kißlegg erwartet worden. Die von Hand aufgezogenen Waldrappe kommen aus Oberbayern, sie sollen weiterziehen in Richtung Andalusien.
Auf dem Segelfluggelände in Kißlegg hatte ein Begleittrupp eine große Voliere aufgebaut, in der die Jungvögel auf ihren Weiterflug warteten. Frei unterwegs sein dürfen sie nicht, wenn die Sonne scheint und Thermik entsteht, sagt Diebold. Denn dann starten die Segelflugzeuge des Vereins. Und die Waldrappe würden mit aufsteigen.
Waldrappe sind wie Segelflieger: Wenn Thermik kommt, müssen sie hoch und sie ausnutzen.
Waldrappe und Ziehmütter sind "tolles Bild"
Bereits im vergangenen Jahr waren 36 junge Waldrappe aus Österreich bei den Segelfliegern bei Kißlegg zu Gast. "Wir sind stolz darauf, als Quartier genommen worden zu sein", so Diebold. "Das ist ein tolles Bild, auch mit den Ziehmüttern in ihren grellgelben Warnwesten." Während die Jungvögel zu Gast seien, dürfe deshalb auch niemand anderes eine gelbe Weste tragen. Sonst würden die Waldrappe ihm folgen.
Im Vorfeld hatte der Segelverein die Landwirte in der Nachbarschaft über die gefiederten Gäste informiert. Einer habe sogar für die Waldrappe ein Stück Wiese gemäht, sagt Anton Diebold.
Beim Waldrapp-Projekt in Überlingen (Bodenseekreis) gibt es in diesem Jahr sechs Jungvögel. Sie verbringen derzeit ihre Zeit auf den Futterwiesen rund um Frickingen, bevor sie voraussichtlich im Herbst mit den Altvögeln in Richtung Winterquartier in der Toskana aufbrechen werden.