Die Weinlese 2026 hat die Winzer am Bodensee überrascht. In Konstanz, Hagnau und Meersburg waren die Trauben deutlich früher reif als sonst. Teilweise mussten die Betriebe ihre Pläne ändern.
Doch die erste Bilanz fällt positiv aus. Die Trauben kamen vielerorts gesund in die Keller, die Mengen stimmen - und eine Rebsorte könnte vom heißen Sommer besonders profitiert haben: der Spätburgunder.
Weinlese am Bodensee 2026: So früh waren die Trauben reif
Bei der Spitalkellerei Konstanz begann die Weinlese bereits Ende August. So früh wie in diesem Jahr sei man dort noch nie fertig gewesen, sagt Stephan Düringer. Die Spitalkellerei bewirtschaftet 22 Hektar Weinberge.
Auch in Hagnau waren die Trauben nach Angaben des Winzervereins im Durchschnitt etwa drei Wochen früher reif als gewohnt. Geschäftsführer Tobias Keck nennt dazu einen Vergleich: Normalerweise liegen ungefähr 100 Tage zwischen Blüte und Ernte. Dieses Jahr waren es nur etwa 90.
Für die Winzer bedeutet das: Sie müssen flexibler werden. Düringer sagt, zwischen den letzten Arbeiten im Weinberg und der Ernte bleibe kaum noch eine Pause. Gleichzeitig warnt er davor, aus diesem Sommer eine einfache Regel für die kommenden Jahre abzuleiten.
Hitze am Bodensee: Weinlese begann teilweise mitten in der Nacht
In Meersburg mussten die Winzer wegen der Hitze den richtigen Zeitpunkt für die Ernte erwischen. "Man musste quasi schneller sein als die Natur", sagt Martin Frank vom Winzerverein Meersburg. Dort werden 66 Hektar Weinberge bewirtschaftet.
Teilweise starteten die Erntemaschinen bereits zwischen drei und vier Uhr morgens. Gegen Mittag war Schluss. Dann war es zu heiß. Auch in Konstanz nutzten die Winzer die kühlen Morgenstunden. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad wurde die Arbeit in den Weinbergen unterbrochen.
Bereits vor rund einem Monat hat der SWR die Weinlese in Meersburg begleitet. Damals wurden gezielt Trauben für Weine mit weniger Alkohol geerntet. Denn je reifer und süßer die Trauben werden, desto höher kann später der Alkoholgehalt des Weins ausfallen:
Wein vom Bodensee: Trockenheit brachte auch Vorteile
Der heiße und trockene Sommer sorgte zunächst für Unsicherheit. In Meersburg habe man sich gefragt, wie die Reben mit der langen Hitze zurechtkommen würden, erzählt Frank. Die Pflanzen hätten die hohen Temperaturen erstaunlich gut verkraftet.
Das trockene Wetter hatte während der Weinlese sogar Vorteile. Es gab kaum Probleme mit faulen Trauben. Die Winzer konnten weitgehend selbst entscheiden, wann welche Trauben geerntet werden.
In Hagnau spricht Geschäftsführer Keck von hervorragender Qualität und einer normalen Erntemenge. Auch Meersburg meldet keine größeren Ausfälle. Etwas anders sieht es bei der Spitalkellerei Konstanz aus. Dort blieben vor allem beim Müller-Thurgau einige Trauben wegen der Trockenheit kleiner. Dafür seien sie besonders aromatisch.
Spätburgunder vom Bodensee könnte besonders gut werden
Ein Gewinner des Sommers zeichnet sich bei den befragten Winzern deutlich ab: der Spätburgunder. In Hagnau wurden die Burgunder-Trauben sehr gesund geerntet. Geschäftsführer Keck hofft auf besonders gute Rotweine.
Ähnlich sieht es Martin Frank in Meersburg. Er bezeichnet den Spätburgunder sogar als einen Gewinner der veränderten klimatischen Bedingungen. Seine Erwartung: Es könnten für den Bodensee ungewöhnlich kräftige und intensive Rotweine entstehen.
Auch bei den anderen Weinen ist Frank optimistisch. Trotz der Hitze sei es gelungen, Weiß- und Roséweine so zu ernten, dass sie frisch und leicht werden können.
Weinjahrgang 2026: Winzer wollen noch kein endgültiges Urteil fällen
Bei aller Begeisterung bremsen die Winzer die Erwartungen noch etwas. Der Traubensaft befindet sich derzeit noch mitten in der Verarbeitung. Erst in den kommenden Monaten wird klarer, wie sich Geschmack und Qualität entwickeln.
In Hagnau seien Farbe und Geschmack bislang vielversprechend. In Konstanz bezeichnet Düringer die Aussichten als "sehr, sehr gut". Auch Meersburg erwartet frische und fruchtige Weine.