Die Online-Suizidprävention "U25" der Caritas berät Jugendliche und junge Erwachsene, die in einer Krise sind oder über Suizid nachdenken. Auch in Biberach sind Ehrenamtliche im Einsatz. Ihr Wunsch am 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, ist es, dass das Thema in der Gesellschaft präsenter wird.
Bei der Caritas in Biberach ist für das Projekt Julia Tietze verantwortlich. "U25" sei eine "tolle Beratung auf Augenhöhe", sagt sie. Betroffene können sich per Mail melden. Dadurch sei das Angebot niedrigschwellig. "Es ist das Medium für Jugendliche und junge Erwachsene. Sie kommen nicht in die Beratungsstelle, um über Tabuthemen zu sprechen", berichtet sie.
Suizidprävention: Angebot ist bewusst im Internet angesiedelt
Im Internet dagegen seien die meisten jungen Menschen "quasi wie zu Hause". "Es ist der Ort, an dem sie sich sicher fühlen und wo sie einfach ohne Hemmungen darüber schreiben können, was sie betrifft", sagt Julia Tietze.
Knapp 40 ehrenamtliche Beraterinnen und Berater widmen sich Tietze zufolge jährlich etwa 170 jungen Menschen mit Problemen. In etwa drei Viertel der Fälle seien Suizidgedanken tatsächlich ein Thema. Wichtig beim Umgang mit Menschen mit Suizidgedanken sei es, Ruhe zu bewahren, Probleme anzusprechen und Hilfen aufzuzeigen, so die Beraterin.
Wir sind da, wir hören zu. Wir können Mut machen und Hilfe zur Selbsthilfe bieten.
Nicht nur Suizidgedanken sind Thema der Beratungen
Auch Einsamkeit beschäftige viele junge Menschen. Oft hätten Jugendliche niemanden, an den sie sich wenden können und würden sich in der Schule, in der Ausbildung oder im Job unwohl fühlen. "Und auch selbstverletzendes Verhalten ist ein häufiges Thema in den Mail-Beratungen", berichtet Julia Tietze.
Dass die Hilfe wirkt, sieht die Beraterin an den Rückmeldungen, die sie bekommt. "In den meisten Fällen geht es sehr positiv aus", sagt sie. Viele Betroffene berichteten nach den Beratungen, dass sie wieder Positives im Leben sehen.
Julia Tietzes Forderung am Welttag der Suizidprävention: Das Thema müsse in der Gesellschaft präsenter werden. "Ein Gespräch kann Leben retten. Und das können wir nur, wenn wir über das Phänomen Suizid Bescheid wissen - und wissen, wie man Menschen helfen kann", so Julia Tietze. Zudem sei es wichtig, Stellen zu haben, die eine schnelle Hilfe für Betroffene bieten können.