Zehn Jahre nach seinem eigenen Burnout hilft Landwirt Stefan Leichenauer aus Tengen im Kreis Konstanz anderen Landwirten, die psychisch angeschlagen sind. Seit Kurzem engagiert er sich als sogenannter Kümmerer auch für seine Kolleginnen und Kollegen. "Da riefen dann wirklich Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter an. Sie haben dann gesagt: 'Hey Stefan, könntet ihr mal vorbeikommen, bei uns läuft es nicht mehr so'", erzählt der Landwirt.
Und wenn’s dem Bauern nicht gut geht, dann leiden auch die Tiere. Und man ist dann nicht mehr derjenige, der man sein will und sein muss. Und da gucken wir dann schon, dass wir im Gespräch Hilfe anbieten.
Burnout: Stefan Leichenauer bricht unter Mähdrescher zusammen
Vor zehn Jahren ging es Stefan Leichenauer selbst schlecht. Als er nach dem Tod seines Vaters plötzlich allein für den Hof verantwortlich war, kam irgendwann der Punkt, an dem er nicht mehr konnte. Während der Getreideernte brach er damals unter seinem Mähdrescher zusammen.
Wenn Landwirtschaft krank macht Bauern im Burnout: Wie ein Landwirt aus Tengen den Neustart geschafft hat
Nach dem Tod seines Vaters kam der Zusammenbruch. Stefan Leichenauer war am Ende. Doch zum Glück ließ sich der Landwirt helfen - und als einer der Wenigen spricht er darüber.
Er holte sich Hilfe, zuerst bei der Familie, dann auch von Psychologen. Der Landwirt zog sich raus, strukturierte den Milchvieh-Betrieb auf Bullenhaltung um. Als er seine Erkrankung öffentlich machte, stellte er schnell fest: Nicht nur er leidet unter dem Druck in seinem Job.
Landesregierung unterstützt Hilfsangebote
Florian Alber ist Berater beim Verein "Familie und Betrieb". Seiner Beobachtung nach treten psychische Probleme unter Landwirten immer häufiger auf. Auch die Landesregierung hat das erkannt. Im vergangenen Sommer fand deshalb ein runder Tisch statt. Neben den Bauernverbänden waren zahlreiche weitere Vertreter dabei, wie etwa die Landfrauen, die Landjugend, die Landwirtschaftliche Sozialversicherung und Vertreter der Kirchen. Ziel war es, weitere Beratungsangebote auf den Weg zu bringen. In diesem Jahr fördert das Land Hilfsangebote mit 250.000 Euro.