Im Bodensee darf seit dem 10. Januar wieder gefischt und geangelt werden. Aber die Netze bleiben oft leer. Und die Spannungen zwischen den verbliebenen Berufsfischern und Hobbyanglern nehmen zu.
Nur noch 50 Berufsfischer gibt es am Bodensee - sie kämpfen nach eigener Aussage um ihre Existenz. Gleichzeitig fordern Angler nachhaltigere Fangmethoden. Der Konflikt hat sich zugespitzt, seit sich der Internationale Bodensee-Fischereiverband nach 116 Jahren aufgelöst hat.
Fischerei am Bodensee: Viel weniger Fische im Netz
"Der Fang am Bodensee ist in den letzten Jahren viel, viel schlechter geworden", sagt Berufsfischer Roland Stohr aus Wasserburg (Kreis Lindau). Ihm gehe nur noch ein Bruchteil von dem ins Netz, was er früher gefangen habe. Zugleich darf seit 2024 der eigentliche Bodenseefisch, das Felchen, am Obersee drei Jahre lang nicht mehr gefangen werden. Weil der Bestand so stark zurückgegangen ist, dass die Art gefährdet ist.
Stohr kritisiert: Im Gegensatz zu den Berufsfischern hätten Angler am Bodensee fast keine Einschränkungen beim Fischfang. "Es gibt keinen See in Europa, wo sie so viel Fisch fangen dürfen", sagt er. Wels, Hecht, Zander und Seeforelle dürften beispielsweise ohne Stückzahlbeschränkung gefangen werden.
Angler am Bodensee agieren nach eigener Aussage nachhaltiger
Johannes Kammerer und Kurt Sarembe sind anderer Meinung. Die beiden passionierten Angler verstehen sich als Naturschützer und wollen auf Nachhaltigkeit setzen. Auch nach der Schonzeit für die Felchen müsse man "Lösungen erarbeiten". "Damit wir nicht mehr entnehmen, als selbstständig wieder nachwachsen kann", sagt Johannes Kammerer.
Die beiden Angler sehen es als Vorteil, dass sich der Internationale Bodensee-Fischereiverband, in dem Berufsfischer und Angler bisher gemeinsam vertreten waren, aufgelöst hat. Sie hoffen dadurch auf mehr Mitspracherecht - vor allem gegenüber der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), die unter anderem Fischfang-Quoten festlegt. Früher sei eher auf die Berufsfischer gehört worden, sagen sie.
Berufsfischer Roland Stohr sieht das anders. Er hofft, dass die Behörden die Berufsfischer weiterhin unterstützen - und für seine Kollegen und ihn mehr tun als für die Hobbyangler.
Fischbestände erhalten ist aus Behördensicht das oberste Ziel
Den Vorsitz der IBKF hat aktuell das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Grundsätzlich gebe es das Ziel, den Fischbestand im Bodensee aufrechtzuerhalten, zu pflegen und dafür zu sorgen, dass Fischarten nicht aussterben, sagte Reinhard Reiter, Ministerialrat im Staatsministerium, dem SWR.
Nach der Auflösung des Internationalen Bodensee-Fischereiverbands würden Angler und Fischer nun getrennt voneinander Anträge stellen. "Und wir müssen dann abwägen, was aus unserer Sicht der richtige Weg ist", so Reiter. Er hoffe aber, dass sich trotzdem beide Seiten an einen Tisch setzen und gemeinsam nach Verbesserungen suchen. "Es wird natürlich immer ein gewisses Konfliktpotenzial geben. Aber das gemeinsame Ziel, den Fischbestand zu erhalten, muss im Vordergrund stehen", sagte Reiter.