Mehr Tempo und bessere Kommunikation gefordert

Baustellen bei der Deutschen Bahn: BWegt sich zu wenig im Land?

In vielen Teilen Baden-Württembergs schränken Baustellen Bahnstrecken ein und sorgen für Zugausfälle. Verkehrsministerium und Städtetag bemängeln vor allem die Kommunikation der Bahn.

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Von Autor/in Dennis Just, Max Stokburger

Wirft man einen Blick auf die DB Störungskarte in Baden-Württemberg fallen vor allem die schwarz-gelben Linien auf. Mit den Landesfarben haben diese allerdings nichts zu tun - sie stehen für Bahnstrecken, die durch Baumaßnahmen eingeschränkt oder gesperrt sind. Das Land spricht von einer "nie dagewesenen Menge an Baustellen" und diese tauchen in nahezu allen Regionen Baden-Württembergs auf.

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Zwischen Tübingen und Reutlingen, Ulm und Friedrichshafen oder Karlsruhe und Basel - überall sorgen Baustellen für Beeinträchtigungen, Sperrungen und Zugausfälle. Hinzu kommen Maßnahmen wie die Stammstreckensperrung zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen, die ebenfalls für Frust bei Bahnreisenden sorgen, sowie die sich immer wieder verzögernde Baustelle des Tiefbahnhofs Stuttgart 21.

Bahn sperrt zeitgleich Gäubahn und Schwarzwaldbahn

Zudem müssen Zugreisende sowohl bei der Gäubahn, wegen Bauarbeiten zwischen Villingen und Donaueschingen (beide Schwarzwald-Baar-Kreis), als auch bei der Schwarzwaldbahn im Herbst mit Einschränkungen rechnen. Wie die Bahn mitteilt, entfallen vom 5. September bis zum 31. Oktober die Direktverbindungen zwischen Offenburg und Konstanz. Betroffen sind somit auch die Verbindungen nach Karlsruhe und Stuttgart.

Von notwendigen Maßnahmen spricht die Bahn - über mangelnde Kommunikation schimpfen Städte und Kommunen sowie Kundinnen und Kunden.

Verkehrsminister Hermann: Bahn informiert zu spät über Baustellen

Kritik hagelt es auch aus dem Verkehrsministerium. Auf SWR-Anfrage heißt es, die DB InfraGo habe sich als Infrastrukturbetreiberin dem Vorwurf auszusetzen, dass Bauarbeiten oft zu kurzfristig und mit großen Unsicherheiten für die Verkehrsunternehmen angekündigt wurden.

Laut Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mussten die Verkehrsunternehmen und -fachleute unter höchstem Zeitdruck Lösungen für das Einrichten und Ausweiten des Schienenersatzverkehrs finden. "Unsere Verkehrsplaner hatten zeitweise Angst, dass sie die Kontrolle über den Bahnverkehr verlieren", so der Minister.

Wer Baustellen schlecht plant, sorgt dafür, dass am Ende niemand mehr den Zug nimmt.

Städtetag: Bahn-Baustellen belasten Pendler und Einzelhandel

Eine schlechtere Erreichbarkeit durch die Bahn ist laut Christiane Conzen vom Städtetag BW immer eine massive Einschränkung für die betroffene Kommunen. "Sie belastet Pendlerinnen und Pendler und den Einzelhandel", sagt sie auf SWR-Anfrage. Auch auf den individuellen Nahverkehr hätten die Baustellen erheblichen Einfluss, da die Straßen deutlich voller seien.

Conzen betont, dass es bei der Informationspolitik seitens der Bahn noch ""viel Luft nach oben" gebe. Sie fordert, dass die Bahn Baumaßnahmen nicht nur frühzeitiger ankündigt, sondern auch transparent und präzise kommuniziert, wie lange sie andauern würden. Ein Beispiel für eine gelungene direkte Zusammenarbeit zwischen Bahn und Kommunen liege dem Städtetag gar nicht vor.

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Bahn: Baumaßnahmen in Baden-Württemberg notwendig

Die Bahn verteidigt die Anzahl der Baustellen im Land. Wie eine Sprecherin dem SWR mitteilte, sei die Infrastruktur zu alt, zu störanfällig und auf vielen Strecken und Knoten hoch - zeitweise sogar überlastet. "Es ist unstrittig, dass wir den Sanierungsrückstau im Schienennetz auflösen müssen, um das Problem nachhaltig zu lösen."

Das Baupensum sei anspruchsvoll, doch man setze alles daran, die Maßnahmen so zu koordinieren, dass Reisende gut informiert sind und verlässlich ihr Ziel erreichen. Man bedaure, dass die gewünschte Qualität und Zuverlässigkeit dabei nicht immer erreicht werde. Hinzu komme, dass sich kurzfristige Maßnahmen, wie beispielsweise nach den Unwetterschäden in Radolfzell, nicht vermeiden ließen.

Besserung gelobt man dennoch: Erst im Juli hat die Deutsche Bahn mit dem Land in einer Absichtserklärung festgehalten, dass die Baumaßnahmen kundenfreundlicher gestaltet werden sollen. Demnach sollen Sperrungen frühzeitiger angekündigt und das Baustellenmanagement optimiert werden.

So berichtete SWR Aktuell im TV über den "Bahngipfel" Anfang Juli:

Arbeit am Wochenende oder Dreischichtbetrieb für mehr Tempo

Die Unumgänglichkeit der Baumaßnahmen wird auch im Verkehrsministerium gesehen. Um die Missstände im deutschen Schienennetz zu beheben, seien jahrelange, intensive Arbeiten notwendig. "Daraus hervorgehende Einschränkungen für Fahrgäste muss das Land Baden-Württemberg als Aufgabenträger für den Regionalverkehr hinnehmen", so Hermann gegenüber dem SWR.

Dennoch sind aus Sicht des Landes deutliche Tempoerhöhungen an den Baustellen möglich - beispielsweise durch einen Dreischichtbetrieb oder Arbeiten am Wochenende. Um für eine adäquate Mobilität für Pendlerinnen und Pendler zu sorgen, würden die zuständigen Verkehrsunternehmen außerdem inzwischen durch Personal- und Finanzressourcen der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg unterstützt.

Klar ist laut Verkehrsministerium allerdings auch: Bis zur vollständigen Inbetriebnahme von Stuttgart 21 wird insbesondere auf diese Region noch eine große Welle an Bauarbeiten zukommen. Dafür fordere man eine offene, transparente und kundenfreundliche Kommunikation durch die Bahn. Investitionen in die Erneuerung der Eisenbahninfrastruktur würden zwar landesweit begrüßt - dennoch müsse man zuverlässig von A nach B kommen. Sonst stehe am Ende zwar eine gute Infrastruktur, aber kein Fahrgast mehr, der sie benutzen würde.

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Dennis Just
SWR Aktuell-Redakteur Dennis Just
Max Stokburger
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