Überdurchschnittliche Niederschläge

Juli mit viel Regen: Positiv für Natur und Landwirtschaft in BW?

Regen, Regen, Regen: Der Juli war in Baden-Württemberg deutlich zu nass, so die Wetterdaten. Mit Folgen für die Natur, die Landwirtschaft, aber auch für Gastronomie und Freibäder.

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Stand

Von Autor/in Matthias Breitinger

Nach einem heißen und trockenen Juni kam der Wetterumsturz: Im Juli regnete es in Baden-Württemberg ergiebig. "Der Ferienmonat fiel buchstäblich ins Wasser", konstatierte der Deutsche Wetterdienst (DWD). Der Juli sei der erste Monat mit überdurchschnittlichem Niederschlag seit Januar gewesen. Welche Effekte hatte das auf die Natur, Landwirtschaft und Branchen, die von gutem Wetter leben?

Wie verregnet war der Juli im Land? 

Immer wieder gab es kräftige Schauer und Gewitter, teils mit Starkregen. Laut dem DWD-Monatsbericht fielen im Mittel 131,2 Liter pro Quadratmeter - erheblich mehr als im langjährigen Schnitt. Zum Vergleich: Für die vergangenen 50 Jahre gibt der DWD für den Juli in Baden-Württemberg einen Mittelwert von 99 Litern je Quadratmeter an, in den vergangenen zehn Jahren waren die Juli-Monate im Land mit 87,4 Litern recht trocken.  

Besonders viel Regen wurde Ende des Monats gemessen: in Stuttgart vom 26. bis 28. Juli insgesamt 74,2 Liter pro Quadratmeter, in Rheinstetten (Kreis Karlsruhe) kamen an zwei Tagen (26./27. Juli) 64,9 Liter je Quadratmeter zusammen, am Feldberg waren es am 27. und 28. Juli insgesamt 51,7 Liter je Quadratmeter. In diese Zeit fällt auch das Zugunglück bei Riedlingen (Kreis Biberach) mit drei Toten und 36 Verletzten: Am 27. Juli entgleiste am Abend ein Regionalexpress. Starkregen hatte einen Erdrutsch ausgelöst, der die Schienen verschüttete. 

Entsprechend wenig schien im Land die Sonne, im Mittel 197,5 Stunden. Das sind 36 Stunden weniger als im Schnitt der vergangenen 50 Jahre. Dennoch war der Juli in Baden-Württemberg mit 18,0 Grad ungefähr so warm wie auch sonst - der Mittelwert der vergangenen 50 Jahre liegt bei 18,1 Grad. 

 

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Wie hat sich der ergiebige Regen auf Grundwasser und Gewässer ausgewirkt? 

Der Grundwasserspiegel hat von den starken Niederschlägen überraschenderweise nur wenig profitiert. Zwar habe sich Ende Juli die Grundwassersituation etwas entspannt, schreibt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in ihrem Monatsbericht. Zum Monatsende seien vor allem bei Quellen und gewässernahen Messstellen Anstiege beobachtet worden. Dennoch sei der Grundwasserstand weiter unterdurchschnittlich.

Insgesamt seien die Grundwasserstände an fast allen Messstellen niedriger als im Juli 2024, so die LUBW. An jeder sechsten Messstelle sei das Niveau weiterhin niedrig, unter anderem in Oberschwaben. Die LUBW-Fachleute gehen davon aus, dass die Lage sich "weiter moderat rückläufig" entwickeln wird.  

Für Flüsse und Seen waren die Regenfälle positiv: Die Wasserstände hätten sich in der zweiten Julihälfte erholt, so das Niedrigwasser-Informationszentrum (NIZ) Baden-Württemberg. Beispiel Bodensee: Sein Pegel in Konstanz stieg durch den anhaltenden Regen innerhalb einer Woche um mehr als 40 Zentimeter. Aktuell liegt er über dem saisonalen Mittelwert. Mittlerweile sänken die Stände von Seen und Flüssen aber wieder, so das NIZ.

Was hat der Regen der Natur in Baden-Württemberg gebracht? 

Auch für die Böden war der Regen nicht nachhaltig. "Für die kurzfristige Wasserversorgung der Pflanzen war der Regen sicher gut", erklärte Miriam Plappert, Naturschutzreferentin des BUND Baden-Württemberg, gegenüber dem SWR. An den meisten Orten im Land gebe es im Oberboden zurzeit "genug pflanzenverfügbares Wasser". Angesichts der zunehmenden Trockenheitsperioden durch die Klimakrise sei der Regen im Juli aber "eher ein Tropfen auf den heißen Stein", so Plappert. Das zeige sich etwa daran, dass trotz des ausgiebigen Regens diese Woche im Land stellenweise hohe Waldbrandgefahren der Stufe 4 erreicht würden.

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Auch der Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg sieht nur begrenzte Wirkung des Juli-Regens. Schon nach wenigen heißen Tagen seien die Böden wieder sehr trocken. Starkregen versickere schlechter und fließe schneller über die Kanalisation ab, wenn es zuvor lange trocken war. "Wir bräuchten eben mal einige Tage Landregen, der die Poren öffnen kann", so der NABU auf SWR-Anfrage.

Miriam Plappert vom BUND ergänzt, den Amphibien im Land habe der Regen im Juli zwar geholfen, er sei aber fast schon zu spät gekommen. "Amphibien hätten ihn früher gebraucht, weil nach dem trockenen Frühjahr einige Laichgewässer ausgetrocknet waren." Laut BUND gehen bei 14 der 19 in Baden-Württemberg beheimateten Amphibienarten die Bestände zurück.

Wie sieht es mit Stechmücken aus? 

Der ausgiebige Regen hat Senken und Gräben wieder überschwemmt - für Stechmücken gerade zur richtigen Zeit, denn die Larven schlüpfen im Wasser und entwickeln sich dort. Der Regen und erhöhte Wasserstände in den Auwäldern am Oberrhein hätten Stechmücken ideale Voraussetzungen zur Brut beschert, so die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Speyer. Auch abseits der klassischen Auwälder, etwa in Regenrückhaltebecken, seien Brutaktivität und Larvenschlupf zu beobachten.

Anfang August begann die KABS deshalb damit, Brutflächen mit dem biologischen Wirkstoff Bti zu behandeln, teils mit Helikoptern von der Luft aus. Bti sind aus einem Bakterium gewonnene Proteinkristalle, die von den Larven gefressen werden und tödlich wirken. In der KABS sind Kommunen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen zusammengeschlossen.

Und was brachte der Regen den Landwirten? 

Je nachdem, was die Landwirte in Baden-Württemberg angebaut haben, blicken sie lachend oder weinend auf den verregneten Juli. Die Wintergerste sei schon vor dem Regen weitgehend abgeerntet gewesen, hier seien Erträge und Qualität gut, sagte Dominik Modrzejewski, Referent für pflanzliche Erzeugnisse beim Landesbauernverband (LBV), dem SWR. Bei anderem Getreide hätten die Niederschläge dagegen für Ernteunterbrechungen gesorgt. "Weizen und Raps war gerade reif, als die Regenphase einsetzte." 

Die Sorge der Landwirte: Die Qualität des Getreides sinkt, etwa wenn das Korn schon in der Ähre zu keimen beginnt. Bei zu viel Regen nimmt der Proteingehalt ab, ein wichtiger Faktor für die Verarbeitung. Möglicherweise taugt der Weizen dann nur noch als Viehfutter, nicht mehr als Brotgetreide – was den Preis drückt. Niederschläge begünstigen zudem Pilzkrankheiten, die ebenfalls die Qualität beeinträchtigen können. Wie sehr das Korn jetzt davon betroffen sei, müsse man noch schauen, so der LBV-Experte. Nun gehe es darum, die Ernte zügig voranzutreiben. Dafür muss es vor allem trocken bleiben.  

Ein Mähdrescher bei der Ernte.
Ein Mähdrescher bei der Ernte. Aufgrund des Regens konnten die Landwirte im Juli die nassen Böden teilweise nicht befahren.

Mais, Zuckerrüben oder Sojabohnen hingegen werden erst ab September geerntet, teils bis hinein in den November. "Hier kam der Regen genau zur richtigen Zeit", sagte Modrzejewski. Das gelte auch für Kern- und Steinobst. Wenn nicht noch Hagelschäden kämen, sei mit einer zufriedenstellenden Obsternte zu rechnen.

Wie stark haben Freibäder und Gastronomen unter dem Regen gelitten? 

Sie haben die feuchte Witterung deutlich gespürt. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga berichtete von Umsatzeinbußen. Regenwetter treffe nicht nur die Außengastronomie, auch Tagesausflüge fänden nicht statt und kurzfristige Hotelbuchungen fielen weg, so Dehoga Baden-Württemberg. Das schlechte Wetter komme erschwerend zur schwierigen Gesamtlage der Branche hinzu. "Die bisherigen Umsatzverluste lassen sich kaum noch aufholen", so Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. 

In den Freibädern herrschte bei dem kühlen regnerischen Wetter Flaute. Das zeigen etwa Zahlen der Stuttgarter Bäder (STB). Die Freibäder in der Landeshauptstadt zählten im sehr warmen Juni 2025 noch mehr als 215.000 Besucherinnen und Besucher - im Juli kamen dagegen nur gut 112.000. Zum Vergleich: Im Juli 2022 mit Dauersommer strömten mehr als 270.000 in die Stuttgarter Freibäder. 

Insgesamt ziehen die STB aber ein gutes Zwischenfazit: Im Vergleich zur Vorsaison hätten bisher etwa genauso viele Menschen die Freibäder besucht. Ähnlich positiv zeigen sich andere Freibäder in Baden-Württemberg. So sprechen etwa die Bäder in Konstanz von einer außerordentlichen Saison. Im sonnigen Juni seien teilweise doppelt so viele Menschen gekommen wie in den Vorjahren. Auch die Stadt Freiburg zählte bis Ende Juli mehr Badegäste als zum gleichen Zeitpunkt 2024.

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Matthias Breitinger
SWR-Redakteur Matthias Breitinger

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