Nur in Europa konnte der Autohersteller Audi mit einem Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) im ersten Halbjahr mehr Autos verkaufen als im Jahr zuvor. Der Schwachpunkt erneut: der sinkende Absatz in China und die hohen Zölle in den USA. Damit schraubt der Autobauer auch die Erwartungen an den Umsatz für 2026 herunter. Und kündigt gleichzeitig an: Auch wenn die ersten Sparmaßnahmen bereits Wirkung zeigen, so sind wohl noch mehr nötig, sagte Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger.
Absatz sinkt - weitere Sparmaßnahmen nötig
Weltweit rollten im ersten Halbjahr etwas über 727.000 Audis vom Band. Das sind allerdings rund 55.000 weniger als im ersten Halbjahr 2025, gab Audi am Montag bekannt. Unterm Strich bedeutet das auch weniger Gewinn, deswegen brauche es weitere Einsparungen, sagte Rittersberger - ohne genauer darauf einzugehen, wie diese aussehen könnten.
Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten [Ingolstadt und Neckarsulm, Anm. d. Red.] die Effizienz zu steigern. [...] Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.
Dennoch: Auf klare Aussagen um die Zukunft des Werks in Neckarsulm warten die Mitarbeitenden bislang vergeblich.
Weniger Kapazität in Neckarsulm geplant?
Ein paar Möglichkeiten stehen aber wohl bereits im Raum, berichtet das "Handelsblatt" und beruft sich auf Insider. So könnte im Neckarsulmer Werk die maximale Produktionskapazität verringert werden. Aktuell liegt diese bei rund 225.000 Autos im Jahr. 2025 rollten hier rund 181.000 Fahrzeuge vom Band. Zukünftig könnten es unter Umständen noch maximal 150.000 werden.
Einen weiteren Einschnitt könnte es demnach auch beim Personal außerhalb der Produktion geben. So gibt es sowohl in Ingolstadt als auch in Neckarsulm eigene Abteilungen für Personal und Buchführung. Würden diese Bereiche zusammengelegt, könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätze eingespart werden, so ein Insider gegenüber dem Handelsblatt.
Der Autobauer selbst betonte auf SWR-Nachfrage, konkrete Auswirkungen auf Produktionskapazitäten und Beschäftigung seien Gegenstand der künftigen Gespräche mit der Arbeitnehmerseite und noch nicht final entschieden. Erst vergangene Woche kündigte Audi an, die Nachtschicht im Neckarsulmer Werk zu streichen. Damit wolle man die Effizienz verbessern und Kosten sparen.
Rund 1.200 Mitarbeitende betroffen Audi streicht in Neckarsulm die Nachtschicht
Die Maßnahme war wohl schon länger geplant, ab November ist es soweit: Bei Audi in Neckarsulm fällt die Nachtschicht weg. Das soll Kosten senken.
Neue Modelle sollen Aufschwung bringen - jedoch ohne Neckarsulm
Für das zweite Halbjahr hofft man bei Audi auf einen leichten Aufschwung, vor allem mit dem neuen Q9 und A2 e-tron. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Neckarsulm wird das jedoch kein Trost sein: Die Modelle rollen woanders vom Band.