Kein Bier, kein Sekt, kein Cocktail: Die Gesundheitskampagne "Dry January" macht sich nicht nur bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bemerkbar, sondern auch beim Handel und der Gastronomie. Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn sieht im "Dry January" einen Einstieg für eine dauerhafte Verhaltensänderung. Der Handel spürt eine Zurückhaltung, sieht aber auch Chancen.
Januar machte viele Menschen "probierbereit"
Nach Angaben des Statischen Bundesamtes schlägt sich der Aktionsmonat "Dry January" stark auf die Absatzzahlen von Alkohol nieder. So ist deutschlandweit der Absatz von Alkohol im Januar 2024 im Vergleich zu den elf vorangegangenen Monaten um 26,4 Prozent zurückgegangen. Nach Angaben von Handelsexperte Kortum macht sich der Monat im Handel auch dahingehend bemerkbar, dass gleichzeitig alkoholfreie Varianten deutlich beim Absatz zulegen.
Der "Dry January" sei für den Handel weniger ein Strohfeuer als ein jährlicher Triggerpunkt: Er beschleunigt den langfristigen Trend zu "No/Low", also zu alkoholfreien oder niedrigprozentigen Getränken, und motiviert neue Kundinnen und Kunden, diese Produkte auszuprobieren. So würden in Deutschland alkoholfreie Biere nachhaltig an Bedeutung gewinnen. Unter anderem die Brauerei Distelhäuser aus Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis) hat dies in der Vergangenheit erkannt und ihr Sortiment ausgeweitet.
Alkoholfreie Getränke haben sich etabliert
Aus Sicht von Frank Bundschu von der DEHOGA- (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) Kreisstelle im Main-Tauber-Kreis wird im Januar nicht nur weniger Alkohol getrunken, der Monat sei grundsätzlich ein schwacher Monat. Viele Gaststätten, Restaurants und Hotels hätten in den ersten Tagen des Monats reduzierte Öffnungstage. Zurückhaltung sei daher von allen Seiten angesagt. Aber nicht nur im Januar ist laut Bundschu der Trend zu alkoholfreien Alternativen deutlich zu spüren.
Inzwischen seien alkoholfreie Biere etabliert und fester Bestandteil der Getränkekarten. Wo früher eine "Gelbe oder weiße Limo" die süßen alkoholfreien Alternativen waren, gibt es heute unzählige Limonaden, Fruchtsäfte oder selbst gemachte Schorlen, so Bundschu.