In Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) werden aktuell zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und ein Wärmepufferspeicher gebaut. Eine Art Thermoskanne für Energie, erklärt Eberhard Ehrmann, einer der Geschäftsführer der BioEnergie Tauberhöhe. Der Ökoenergie-Anbieter betreibt bislang auf einer Anhöhe, wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, eine Biogasanlage. Und die soll über eine Pipeline mit den BHWK und dem Speicher verbunden werden - ein Modellprojekt. Damit will die Stadt künftig bis zu 500.000 Liter Heizöl einsparen.
Biogas für Unabhängigkeit: Wärme und Strom flexibel vor Ort erzeugen
Bislang speist die Biogasanlage ihre erzeugte Energie zu 80 Prozent in Erdgasleitungen ein, aus den restlichen 20 Prozent erzeugt die Anlage Strom. Ab 2027 soll die in der Biogasanlage erzeugte Energie über eine vier Kilometer lange Gasleitung in die beiden neugebauten BHKW gelangen und dort in Wärme umgewandelt werden. Diese Gasleitung wird aktuell auch noch gebaut.
"Unser Vorteil ist, wir können flexibel Strom und Wärme erzeugen", sagt Ehrman. "Wenn das Hallenbad im Sommer Pause hat, dann brauchen wir keine Wärme. Für die Sporthalle, für die Schulen brauchen wir im Sommer auch keine Wärme. Aber wir können dann das Rohgas auf der Tauberhöhe verbrauchen und ins Erdgasnetz einspeisen."
Weikersheim will bis zu 500.000 Liter Heizöl einsparen
Mit der Wärme aus den Blockheizkraftwerken will die Stadt Weikersheim zunächst die Schulgebäude, eine Turnhalle und das Schwimmbad heizen. Rund 500.000 Liter Heizöl könnten sie damit einsparen, rechnet der stellvertretende Bürgermeister Norbert Beck (CDU). Spätestens 2045 will die Stadt klimaneutral sein, so das CDU-Mitglied: "Diese Baustelle ist ein kleiner Baustein, um die Ziele zu erreichen."
Das neue Projekt sei für alle Beteiligten gewinnbringend, findet der stellvertretende Bürgermeister. "Wir sparen hier viel CO2 ein. Außerdem bleibt die Wertschöpfung aus den erneuerbaren Energien in der Region. Es fallen Gewinne an, die werden wiederum versteuert und füllen unseren Stadtsäckel. Das tut uns sehr gut."
Herausforderung: Bürger mitnehmen
Doch wie andernorts hat es auch in Weikersheim Jahre gedauert, die Bürgerinnen und Bürger vom Nutzen des Projekts zu überzeugen, weiß Beck. Am Ende profitieren alle davon, glaubt er. "Denn die Kinder und Bürger sind Nutzer von unseren Schulen oder vom Hallenbad."
Sicherheit bei der Energie: Bioenergiedörfer machen es vor
"Wir machen, was in vielen ländlichen Regionen schon Bioenergiedörfer machen", sagt wiederum Hans-Richard Haas, ebenfalls Geschäftsführer der BioEnergie Tauberhöhe. Neben der Kommune wird langfristig auch ein Teil der Weikersheimer Hausbesitzer die Möglichkeit erhalten, so Strom und Wärme zu bekommen.
Eine solche Beispielkommune ist der Kupferzeller Ortsteil Füßbach (Hohenlohekreis). Vor 25 Jahren baute dort Landwirt Thomas Karle als einer der ersten eine Biogasanlage. Inzwischen versorgt er einen Großteil seines Dorfes, eine Firma und landwirtschaftliche Betriebe mit Strom und Wärme. Außerdem betreibt er zwei Carsharing-Autos und verkauft Dünger.
Auch Thomas Karle findet, dass der Nutzen überwiegt: "Es bringt der Gesamtheit was, auch den Füßbachern, weil klar ist, wir sind hier krisensicher und auch dann, wenn die Lage schwieriger wird, haben wir stabile Preise und bezahlbare und sichere Energie."
Endspurt auf der Baustelle: Frist bis Jahresende
Bis Jahresende müssen die beiden Blockheizkraftwerke, die Gasleitung sowie der Wärmepufferspeicher fertiggestellt sein, weil dann die Fördermittel auslaufen. Bisher kostet die Anlage rund 8,3 Millionen Euro, die vorwiegend vom Betreiber, dem lokalen Anbieter BioEnergie Tauberhöhe, bezahlt wird. Die beiden Geschäftsführer sind zuversichtlich: In 15 Jahren, so sagen sie, hätten sich die Kosten amortisiert.