Vor dem Landgericht Heilbronn müssen sich seit Montag zwei Männer verantworten, die im Mai 2025 in Tamm (Kreis Ludwigsburg) mehrfach auf einen Mann geschossen haben sollen. Das Opfer überlebte, aber ihm musste ein Unterschenkel amputiert werden. Die Angeklagten sollen Auftragskiller sein und sind nun wegen gemeinschaftlich versuchten Mordes angeklagt. Beide kommen wohl aus den Niederlanden, dort wurden auch deren Wohnungen durchsucht.
Prozessbeginn: Angeklagter räumt Tat ein
Direkt zum Prozessauftakt räumte einer der Männer die Tat ein, sein mutmaßlicher Komplize schwieg dagegen. Er habe zwar geschossen, das Opfer aber nicht töten wollen, heißt es in einer Erklärung, die der Verteidiger vorlas. Ziel sei gewesen, in die Beine zu schießen und den Mann auf die Weise einzuschüchtern. Daraufhin gab es zahlreiche Zwischenrufe im Gerichtssaal von Zuschauern. Viele kamen von Freunden des angeschossenen Mannes, der auch als Nebenkläger auftritt und beim Prozessstart dabei war. Erst nach einer Ermahnung des Richters und einer Unterbrechung ging die Verhandlung weiter.
Anklage: Erster Mordversuch bereits am Abend davor
Laut Anklage unternahmen beide bereits am Vorabend einen Mordversuch auf das Opfer. Doch der ging schief, die Waffe der mutmaßlichen Täter hatte wohl eine Ladehemmung, der Mann konnte flüchten. Der Angeklagte, der an diesem Tag das Fluchtauto fuhr, soll vorher nichts von der Waffe gewusst haben, berichtet der mutmaßliche Schütze in seinem Geständnis. Beim zweiten Mordversuch einen Tag später war er deswegen wohl nicht mehr dabei. Die beiden Angeklagten sitzen seit Anfang November vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.
Verwicklungen in Bestechungsskandal bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart?
Wer der oder die mutmaßlichen Auftraggeber sind, das ist noch unklar. Ermittelt wird aktuell wegen Anstiftung zu versuchtem Mord. Der Fall ist noch aus einem weiteren Grund brisant: Bedienstete der Staatsanwaltschaft Stuttgart sollen die Auftraggeber der mutmaßlichen Attentäter mit geheimen Informationen aus einer Online-Datenbank versorgt haben.
Ein Wachtmeister und eine "weitere Bedienstete aus dem Unterstützungsbereich der Staatsanwaltschaft" sind bereits von der Staatsanwaltschaft Heilbronn angeklagt worden. Sie hatte das Ermittlungsverfahren aus Gründen der Unabhängigkeit und Neutralität übernommen. Der Landtag von Baden-Württemberg hat sich zudem mit Ermittlungen gegen Bedienstete der Staatsanwaltschaft Stuttgart beschäftigt.