Wo einst viele Spaziergängerinnen und Spaziergänger über das moderne Buga-Gelände schlenderten, sorgt jetzt ein anderes Thema für Gesprächsstoff: Auf dem ehemaligen Areal in Heilbronn kämpfen Bewohnerinnen und Bewohner eines Wohnkomplexes offenbar seit Monaten mit einem zunehmenden Rattenproblem. Die Tiere sollen inzwischen im Innenhof und sogar in der Tiefgarage unterwegs sein, bestätigte die Hausverwaltung dem SWR. Auslöser sollen ausgelegte Essensreste sein.
Hausverwaltung: "Futter wird bewusst ausgelegt"
Die Verwaltung hat die Bewohnerinnen und Bewohner eines Hauses in der Theodor-Fischer-Straße jetzt sogar offiziell gewarnt. In einem Schreiben, das dem SWR vorliegt, heißt es, dass in der Außenanlage immer wieder Essensreste liegen gelassen würden. Dadurch habe sich mittlerweile ein Rattenproblem entwickelt.
Auch eine Bewohnerin des Hauses berichtete dem SWR, immer wieder zu beobachten, wie Menschen Müll im Außenbereich liegen lassen: "Da chillen abends immer viele. [...] Danach sieht es manchmal richtig schlimm aus", sagte sie.
Die zuständige Immobilienverwaltung vermutet allerdings, dass es sich um einen Bewohner handelt, der bewusst regelmäßig Futter auslegt. Deshalb versuche man zunächst, den Verursacher ausfindig zu machen. Sollte das nicht gelingen, müsse möglicherweise ein Schädlingsbekämpfer eingeschaltet werden.
Äpfel für die Ratten? Essen und Müll lockt Tiere an
Vor Ort an der Wohnanlage fanden sich in dieser Woche direkt vor dem Hauseingang unter anderem ein Beutel mit Äpfeln sowie weiterer Essensmüll. Ob die Lebensmittel versehentlich dort zurückgelassen oder möglicherweise bewusst ausgelegt wurden, ist unklar.
Ratten auf dem altem Buga-Gelände: "Seit Monaten" ein Problem
Nach Angaben der Hausverwaltung ist das Problem nicht neu. Sie bestätigt auf SWR-Nachfrage, dass man bereits "seit Monaten" bemüht sei, das Ärgernis in den Griff zu bekommen.
Beurteilt man die Lage nach der Menge der aufgefundenen Fäkalien, dann ist das ein größeres Problem.
Ein Grund sei auch die Lage des Wohnkomplexes in unmittelbarer Nähe zum Neckar. Dort gebe es ohnehin vermehrt Ratten. Offene Essensreste würden die Tiere eben zusätzlich anlocken. Die Hausverwaltung appelliert deshalb an alle Bewohner: Müll und Essensreste sollten ausschließlich in den vorgesehenen Behältern entsorgt werden.
Hantavirus: Nagetiere können Krankheit übertragen
Ratten gelten allerdings nicht nur als lästig, sondern können auch gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Vor allem Hantaviren werden durch infizierte Nagetiere wie Ratten oder Mäuse übertragen - etwa über Kot. Aktuell hatte ein Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" international für Aufmerksamkeit gesorgt. Einen konkreten Hinweis auf eine Gesundheitsgefahr in Heilbronn gibt es allerdings nicht.
Quarantäne angeordnet Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: Kontaktperson ist wieder zu Hause
Eine Person aus Baden-Württemberg war auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius", auf dem es einen Ausbruch des Hantavirus gab. Nun ist sie wieder zu Hause - und dort lange in Quarantäne.
Stadt Heilbronn nicht involviert
Die Stadt Heilbronn selbst hatte die Missstände auf dem alten Buga-Gelände bisher noch nicht auf dem Schirm. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin mit: "Dem Ordnungsamt beziehungsweise dem Bereich Infektionsschutz liegen bislang keine Hinweise [...] zu einer möglichen Rattenproblematik in der Theodor-Fischer-Straße vor."
Generell aber, so die Sprecherin weiter, habe sich die Problematik in Heilbronn in den vergangenen Jahren verschärft. Ein Grund, warum die Stadt kontinuierlich Maßnahmen zur Rattenbekämpfung durchführt. Hauptgrund sei vor allem achtlos weggeworfener Müll und Lebensmittelreste.
Die Zunahme führt die Stadt darauf zurück, dass immer häufiger unterwegs gegessen werde. Verpackungen und Essensreste landen so vermehrt im öffentlichen Raum. Und genau das schaffe zusätzliche Nahrungsquellen für Ratten. Besondere Brennpunkte gebe es in Heilbronn aber nicht. Natürlicherweise trete das Problem aber verstärkt am Neckar sowie an den Bahnstrecken auf.