Auch in Heilbronn werden Bestattungsinstitute immer mal wieder mit dem Wunsch nach einer längeren Überführung beauftragt. Zum Beispiel, weil jemand im Urlaub einen tödlichen Unfall hatte oder nach vielen Jahren im Ausland in der Heimat beigesetzt werden soll. Familie Model und das Institut Appel geben kleine Einblicke in eine Welt, die oft unbemerkt um uns herum geschieht.
Am Anfang geht nichts ohne DIN
Wenn jemand in Deutschland stirbt, wird er oder sie von einem Bestattungsinstitut in einem Leichenwagen abgeholt. So kennen wir das und das ist auch die Regel, sagt der Heilbronner Bestatter Steffen Model. Also in Spezialfahrzeugen nach DIN 75081, das Privatauto ist tabu. Meist geht es um kurze Strecken aber nicht immer, erklärt seine Frau Tanja Model. Das Institut organisiert oder hilft bei Überführungen vom oder ins Ausland. Dabei können ganz unterschiedliche Arten und Wege genutzt werden.
Ist eine Person bereits eingeäschert, kann man beim Standesamt eine Genehmigung bekommen, die Urne selbst zum Bestimmungsort zu fahren. Zum Beispiel zu einer Reederei für eine Seebestattung. Oder sie kann verschickt werden. Es gibt spezialisierte Speditionen, die entsprechend pietätvoll und professionell mit der besonderen Fracht umgehen, erklärt der Model-Chef. Früher habe auch DHL diesen Service angeboten, sagt Franziska Rosendahl vom Heilbronner Bestatter Appel.
Der Sarg im Flugzeug - Teuer und eher selten
Wenn ein Flugzeug eingesetzt wird, dann ist es meist ein Frachtflugzeug. Es kommt aber auch vor, dass Passagierflieger genutzt werden. Die Bestatter auf beiden Seiten kümmern sich um den Transport zum und vom Flughafen. Die Leiche ist nach Vorschrift vorbereitet. Im Sarg befindet sich noch ein extra Zinksarg mit Ventil für den Druckausgleich, der verlötet beziehungsweise verklebt wird. Um den eigentlichen Sarg werden dann noch Folien oder Tücher gewickelt, um die Form zu kaschieren. Oft kommt er als erstes oder letztes in den Frachtraum. Eine Urne darf oder sollte ins Handgepäck.
Die Fluggesellschaften legen Wert darauf, dass der Sarg nicht so leicht als solcher zu erkennen ist.
Da die Kosten für einen Sarg-Transport im Flugzeug schnell fünfstellig werden können, greifen Angehörige nicht selten auf die Einäscherung vor Ort zurück, meint Model. So sei es zum Beispiel auch bei einer Person gewesen, die aus Sri Lanka in den Raum Heilbronn geholt werden musste, nachdem sie auf einer Schiffsreise verstorben war.
"Dubiose" Sammeltransporte - Kostendruck
Aus Kostengründen beauftragen Angehörige tendenziell eher ein Bestattungsinstitut, das den Verstorbenen in die Heimat holt. Familie Model hat zum Beispiel einen verunglückten Ski-Fahrer aus Tirol nach Hause geholt. Aber sie haben auch schon eine Verstorbene mit dem Auto bis Griechenland gebracht. "Den Wagen haben wir die ganze Strecke über keine Sekunde aus den Augen gelassen", erinnert sich Steffen Model.
Insgesamt ist der Kostendruck in der Bestattungsbranche und rund um den Tod in den vergangenen Jahren gestiegen. Zum Beispiel kostet eine Sterbeurkunde mittlerweile das Doppelte. Einige Anbieter im Netz offerieren jedoch regelrechte Discount-Preise für eine Einäscherung. Das Geschäftsmodell dahinter findet Steffen Model allerdings nicht besonders pietätvoll. Die Leichen werden erst irgendwo gesammelt und dann per großem Kühllaster ins Ausland zum Krematorium gefahren. Model vermutet, dass einige schwarze Schafe sogar Teile wie Hornhaut entnehmen und weiterverkaufen. Anders ließen sich manche Preise kaum erklären, sagt er.
Bestatterin: "Auch Tote brauchen Reisepapiere"
Nicht nur in Deutschland, überall unterliegt der Umgang mit Toten Regeln. Vom Seuchenschutz bis Leichenpass, für fast alles gibt es Formalien, Vorschriften, Sitten und Gebräuche. In Dubai dürfen Tote nicht alleine Fliegen, in Deutschland haben Bundesländer teilweise unterschiedliche Gesetze, erklärt Franziska Rosendahl. Die Asche einfach im Wind zu verstreuen, wie das in Großbritannien möglich ist, sei hierzulande nicht erlaubt. Der Bundesverband Bestatter rät deshalb, sich gerade bei internationalen Überführungen gut beraten zu lassen.
Tipp: Auslandskrankenversicherung
Wer seine Angehörigen gegen die Kosten einer Überführung absichern will, sollte in die Policen der Auslandskrankenversicherungen schauen, rät Bestatter Model. Auch einige Anbieter von Kreditkarten übernehmen im traurigen Ernstfall die Kosten für den Rücktransport.