Taxiunternehmen in der Region Heilbronn-Franken verzeichnen einen Rückgang beim Trinkgeld. Laut einer aktuellen Studie der Hochschule Fresenius betrifft dies auch Bereiche wie Pflege und Handwerk. Wohingegen es für viele weiterhin selbstverständlich ist, im Restaurant Trinkgeld zu geben.
Trinkgeld im Taxi: Generationenwechsel zeichnet sich wohl ab
Der Studie zufolge gibt nur noch jeder Zweite Trinkgeld nach einer Taxifahrt. Das bestätigt unter anderem Taxi Atas aus Heilbronn. Früher seien das mehr Fahrgäste gewesen. Es scheint sich auch ein Generationenwechsel abzuzeichnen. So heißt es vom Taxiservice Heilbronn, dass vor allem ältere Kunden noch Trinkgeld geben würden, wenn auch weniger als früher.
Schnellservice: Beim Döner bleibt das Trinkgeld oft aus
Eine Leistung, um die Dönerladen-Geschäftsführer Imam Dogan aus Heilbronn auch stets bemüht ist. "Wir versuchen immer freundlich zu sein, viel zu lächeln, auch wenn wir hinter der Theke stehen", sagt er. Dogan schätzt, dass immerhin zwei bis drei von zehn Kunden Trinkgeld geben. Viele seien in Eile, vor allem in der Mittagspause. "Im Restaurant haben die Leute mehr Zeit und sind entspannter - da gibt es natürlich eher was obendrauf", sagt er.
Verbraucherzentrale und Experten sprechen von "Nudging" Trinkgeld auch beim Bäcker? Kontroverse Diskussionen im Netz
Dass mittlerweile auch Bäckereien auf ihren Kartenlesegeräten Vorschläge fürs Trinkgeld machen, sorgt für Diskussionen in der Kundschaft. Was sagen eigentlich Verbraucherschützer?
Seit Corona ist alles anders: Das Gemüt der Gäste soll sich geändert haben
Dass Gäste in Restaurants eher Trinkgeld geben, kann Gastronom Dieter Schultheiß aus Pfedelbach (Hohenlohekreis) nicht bestätigen. Auch hier habe sich viel geändert, so Schultheiß, der auch Vorsitzender des DEHOGA Hohenlohe ist. Die Menschen seien seit Corona zurückhaltender geworden. "Die entspannen gar nicht richtig, wollen schnell wieder los und vergessen so oft auch Trinkgeld zu geben".
Hinzu komme, dass viele froh seien, sich den Restaurantbesuch überhaupt noch leisten zu können. Für viele Servicekräfte sei das problematisch, denn das Trinkgeld mache einen wichtigen Teil des Einkommens aus. Die sogenannte Trinkgeldempfehlung auf Kartenlesegeräten sieht Schultheiß nicht als Lösung: Sie setze Gäste unter Druck und werde gerade in Schnell-Situationen häufig als unangemessen empfunden.
Trinkgeld: Gespaltene Meinungen auf dem Weihnachtsmarkt in Heilbronn
Wie unterschiedlich Trinkgeld gegeben wird, zeigt sich auch auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt. An manchen Ständen läuft es wohl gut, an anderen kaum. Svenja Wald von einer Schülerfirma berichtet, dass sich deren Stand nicht beklagen könne, vor allem ältere Besucher seien großzügiger. Süßwaren-Beschickerin, Charmaine Mai, bestätigt: Im Schnitt gebe etwa jeder Zehnte Trinkgeld, meist ein bis zwei Euro.
Ganz anders erlebt es Mohammad Tanveer aus Neckarsulm (Kreis Heilbronn), der auf dem Weihnachtsmarkt indisch-pakistanische Spezialitäten verkauft. Er beobachtet, dass viele Kunden sehr genau auf ihr Rückgeld achten. "Viele erwarten auch den letzten Euro zurück", sagt er.
Der Service entscheidet über das Trinkgeld
Bei den Gästen zeigt sich ein klares Bild: Trinkgeld gibt es vor allem dann, wenn der Service überzeugt. Studentin Ela Akdarma gibt gerne Trinkgeld - nicht zuletzt, weil sie früher selbst gekellnert hat. "Im Restaurant achte ich auf etwa zehn Prozent, bei kleineren Beträgen entscheidet der Geldbeutel", erklärt sie.
Dustin Renz aus Schöntal (Hohenlohekreis) rundet gerne auf, wenn der Service gestimmt hat - auch in Dönerläden. Rosemarie Scheuerl aus Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) legt vor allem Wert auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. "Wenn der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, 0,2 Liter, vier Euro kostet, dann gebe ich kein Trinkgeld", sagt sie.