Hohe Energiekosten, steigende Lebensmittelpreise und zum Teil auch nicht genug Fahrerinnen und Fahrer haben zur Einstellung des Essen-auf Rädern-Services von Paritätischem Wohlfahrtsverband Heilbronn und Dikta in Schwaigern (Kreis Heilbronn) geführt. Die Firma Meyer Menü in Neuenstadt am Kocher (Kreis Heilbronn) hat rund 1.000 dieser Kundinnen und Kunden aufgefangen. Das Unternehmen muss nach eigenen Angaben jedoch ab 1. Januar die Preise erhöhen. Dasselbe gilt für die Malteser im Raum Heilbronn.
Essen auf Rädern: Höhere Kosten wegen steigender Mindestlöhne, Benzin- und Energiepreise
Wie Meyer-Menü-Geschäftsführer Benjamin Kalisvaart dem SWR sagte, kämpft das Unternehmen mit steigenden Kosten. Zudem erhöht sich der Mindestlohn in den nächsten zwei Jahren. Ab Januar 2026 sollen die Mahlzeiten deshalb etwa zehn Prozent mehr kosten. Ihre Kundinnen und Kunden habe das Unternehmen bereits informiert.
Was Meyer Menü nach eigenen Angaben von manchen anderen Großanbietern unterscheidet: Täglich werden die Mahlzeiten in Neuenstadt frisch gekocht und am selben Tag ausgefahren. Deshalb hofft Kalisvaart auch auf weitere Kundinnen und Kunden in der Zukunft. Andere Anbieter kochen, schockfrosten und wärmen wieder auf.
Essen auf Rädern: Ein bekanntes Gesicht, das auch Probleme erkennt
Laut Kalisvaart ist der Fahrer oft einer der wenigen Kontakte, die die älteren Kundinnen und Kunden am Tag haben. Dem Unternehmen sei es wichtig, dass es Stammpersonal beschäftige. So entstehe ein Vertrauensverhältnis. In manchen Fällen hätten sich sogar gute Bekanntschaften entwickelt, selbst Notfälle seien erkannt worden.
Unsere Fahrer sind für viele oft der einzige Kontakt. Wir haben auch schon mal den Notarzt gerufen, wenn etwas nicht richtig aussah.
Meyer Menü kocht nach eigenen Angaben täglich 15.000 Essen frisch und liefert in ganz Baden-Württemberg aus, sowohl an Einzelpersonen als auch an Schulen und Seniorenheime. In den Fahrzeugen seien Öfen eingebaut, die die Essen bei 72 Grad warmhalten.
Kurz vor Weihnachten: Kunden werden über die neuen Preise informiert
Die Malteser haben ebenfalls neue Kundinnen und Kunden aufgrund der Schließung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und Dikta hinzubekommen. Wie Jessica Koch, Bezirksgeschäftsführerin Neckar-Ems, sagte, muss die Hilfsorganisation ebenfalls die steigenden Kosten weitergeben. Ab Januar wird es teurer.
Jetzt soll die Kundschaft darüber informiert werden. Aber: Sie weiß auch, dass manche sich das Essen leisten können müssen, so Koch. Wenn es finanziell eng wird, versuche sie, mit ihren Partner-Organisationen zusammenzuarbeiten, um Spenden zu bekommen.
Politik ist gefragt
Vom Gesetzgeber wünscht Koch sich beispielsweise, dass die Mehrwertsteuer erlassen wird, da die Malteser mehr als nur ein Essenslieferant seien. Ihre Dienste hätten auch einen sozialen Charakter.
Ich glaube, da muss der Gesetzgeber Möglichkeiten schaffen, wenn die überwiegende Arbeit des Unternehmens sozialen Charakter hat.
Ihre Abnehmer seien oft hilfsbedürftige Menschen. Der Ansatz der Malteser: den sozialen Charakter einbringen, auch mal die Zeitung mit hochbringen, wenn sie noch im Briefkasten steckt oder mit anpacken.