- Sind Kommunen verpflichtet, Alarm- und Einsatzpläne zu erstellen?
- Fehlen oft: Konkrete Pläne für Warnung und Evakuierung bei Flut
- Fluten durch Starkregen können alle treffen
- Was regeln Alarm- und Einsatzpläne?
- Wie ist die Situation in Ihrem Wohnort?
- Alarm- und Einsatzpläne können Leben retten
- Für gute Planung: Auf die schlimmsten Szenarien vorbereiten
- Gute Pläne brauchen gute Kommunikation
- Kommunen sind bei Alarm- und Einsatzplänen auf Hilfe angewiesen
Wenn Straßen zu Flüssen werden und Keller volllaufen, zählt jede Minute. Dann müssen Einsatzkräfte wissen, welche Straße zuerst gesperrt werden und ab welchem Zeitpunkt Menschen ihre Häuser verlassen müssen.
Sogenannte Alarm- und Einsatzpläne (AEP) sollen dafür sorgen, dass im Ernstfall viele Entscheidungen bereits vorbereitet sind. Sie funktionieren wie eine Art Checkliste.
Immer wieder werden Ortschaften in Baden-Württemberg überflutet. Doch wie gut sind Städte, Gemeinden und Landkreise auf solche Lagen vorbereitet?
Eine SWR-Umfrage unter allen Gemeinden, Städten und Kreisen zeigt: Bei Hochwasser scheinen viele Kommunen gut aufgestellt. Bei Starkregen gibt es dagegen deutliche Lücken. Starkregen kann allerdings alle treffen.
Sind Kommunen verpflichtet, Alarm- und Einsatzpläne zu erstellen?
Bis zur Änderung des Landeskatastrophenschutzgesetzes im vergangenen Jahr war klar festgelegt, dass Kommunen Alarm- und Einsatzpläne erstellen müssen. Seit Dezember 2025 ist das Gesetz weniger eindeutig.
Dort ist nur noch von "Planungen" die Rede. Die Begriffe Alarm- und Einsatzpläne werden nicht mehr ausdrücklich genannt.
Nach Ansicht von Christian Brauner bedeutet das aber nicht, dass Kommunen auf solche Pläne verzichten können. Er berät Behörden beim Umgang mit Katastrophenrisiken und war 2024 Sachverständiger im Untersuchungsausschuss "Flutkatastrophe" des Landtags Rheinland-Pfalz.
"Die Kommunen sind als Ortspolizeibehörde grundzuständig für die Gefahrenabwehr. Diese Aufgabe können sie nur erfüllen, wenn sie für vorhersehbare Schadenereignisse vorbereitende Planungen treffen", sagt der Experte.
Für Brauner ist deshalb klar: "Die Planung besteht immer aus einem Alarmplan und einem Einsatzplan."
Fehlen oft: Konkrete Pläne für Warnung und Evakuierung bei Flut
Häufig haben Kommunen zwar allgemeine Konzepte, um die Bevölkerung in verschiedenen Katastrophenszenarien zu warnen und zu evakuieren, aber Pläne speziell für Flut-Katastrophen fehlen.
Laut Brauner ist das wenig überraschend. Evakuierungen konkret für Überflutungen zu planen sei eine schwierige Aufgabe, die viele Kommunen bisher noch nicht angegangen seien.
Trotz der Hürden sind diese Planungen wichtig. Dabei käme es laut Brauner nicht darauf an, alles im Detail zu planen. Die Kommunen sollten aber wissen: Wo müssen sie evakuieren? Wie viele Leute sind betroffen? An welchem Punkt entscheiden sie die Evakuierungen und wie würden sie dabei vorgehen?
Fluten durch Starkregen können alle treffen
Dass auch Menschen fernab von Gewässern nicht sicher vor Überflutungen sind, zeigen Daten des Gesamtverbands der Versicherer (GDV).
Statistisch gesehen war jedes zehnte Haus in Deutschland zwischen 2002 und 2021 von Starkregen betroffen.
Historische Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes zeigen außerdem, dass es in den letzten Jahren in allen Regionen in Baden-Württemberg zu außergewöhnlich starken Regenfällen gekommen ist.
Was regeln Alarm- und Einsatzpläne?
Sind Alarm- und Einsatzpläne vorbereitet, helfen sie, im Katastrophenfall schnell handlungsfähig zu sein. Sie werden bestenfalls lange vor einer Katastrophe erstellt und regelmäßig überarbeitet. Alles, was vorher geplant ist, kann im Ernstfall Leben retten.
Wie ist die Situation in Ihrem Wohnort?
Alarm- und Einsatzpläne können Leben retten
Oft fällt erst während einer Katastrophe auf, was man gebraucht hätte und welche Planungen wichtig gewesen wären.
Im Juni 2024 regnete es stark in Teilen von Ebersbach an der Fils im Landkreis Göppingen.
Eine heftige Flut riss Autos durch die Straßen der Stadt, eine Lärmschutzwand an einer Bundesstraße brach ein, Häuser standen in wenigen Minuten hüfthoch unter Wasser.
Die Stadt hatte Alarm- und Einsatzpläne, aber in der Flutnacht zeigten sich ihre Schwächen.
Bürgermeisterin Manuela Raichle erinnert sich: "Wir haben uns bestens gerüstet gefühlt. Dann kam dieses Starkregenereignis und wir haben festgestellt: Die Telefonnummern, die da draufstehen, die stimmen gar nicht mehr."
Der Funk bei der Feuerwehr und die Notrufnummer seien ausgefallen. Die Stadt sei völlig abgeschnitten gewesen. Dieser Fall sei in den Plänen nicht abgedeckt gewesen.
Für gute Planung: Auf die schlimmsten Szenarien vorbereiten
Christian Brauner, Experte für Katastrophenmanagement, erklärt, das Problem sei, dass solche Fälle häufig überhaupt nicht für möglich gehalten und deshalb gar nicht erst besprochen würden.
Wer sich die schlimmsten Szenarien nicht vorstellen kann, kann auch nichts dagegen tun.
Aber um für den Katastrophenfall planen zu können, müsse man sich darauf einlassen, über den schlimmstmöglichen Fall nachzudenken, sagt er. "Wer sich die schlimmsten Szenarien nicht vorstellen kann, kann auch nichts dagegen tun."
Gute Pläne brauchen gute Kommunikation
Die Starkregen-Flut in Ebersbach an der Fils zeigt: Sind die Pläne einmal vorbereitet, müssen sie regelmäßig aktualisiert und geübt werden.
Dazu gehört auch, dass Kommunen ihren Bürgern die Gefahren vor Augen halten. Markus Moser arbeitet seit über 30 Jahren im Bereich Wasser, heute in seiner Funktion als Leiter des Referats "Wasser" am Regierungspräsidium Stuttgart.
Er betont, dass die Aufklärung der Bevölkerung wichtig sei: "Jeder muss wissen, dass er bei einer Überflutung nicht in den Keller gehen darf und wie er sich in Sicherheit bringen kann. Auch was er baulich tun kann, um Schaden am Haus zu vermeiden."
Alarm- und Einsatzpläne müssten unbedingt die nötigen Konzepte für Information und Warnung enthalten.
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Rund eine Million Menschen leben in Baden-Württemberg an Orten, die überflutet werden könnten. Erfahren Sie in interaktiven Karten, ob auch Ihr Haus gefährdet ist und wie Sie sich schützen können.
Kommunen sind bei Alarm- und Einsatzplänen auf Hilfe angewiesen
Zwar bekommen Kommunen Hilfestellung vom Land, aber das allein reiche oftmals nicht, sagt Manuela Raichle aus Ebersbach. "Da fehlt uns wirklich das Knowhow und bei kleinen Kommunen definitiv sogar das Personal."
Besonders beim Thema Starkregen unterstützt das Land. Es fördert die Kommunen mit einem einheitlichen Leitfaden, die Gefahren und Risiken von Starkregen zu analysieren und Starkregenkarten zu erstellen.
Diese Karten zeigen, wo sich bei starkem Regen Wasser sammelt, wie hoch es stehen und wie schnell es fließen kann. Sie sind eine wichtige Grundlage für Alarm- und Einsatzpläne. Die Initiative wird finanziell mit 70 Prozent vom Land bezuschusst.