Tanken wird weiterhin immer teurer: Am Mittwoch kostet ein Liter Super-Benzin in Baden-Württemberg im Mittel 2,32 Euro - wer Diesel tankt, zahlt durchschnittlich 2,40 Euro pro Liter. Laut Experten ist damit zu rechnen, dass die Benzinpreise noch weiter steigen. Die Marke von drei Euro für Diesel wurde diese Woche erreicht.
Damit sind die Preise nach Ende des Tankrabatts weiter gestiegen. Welche Möglichkeiten haben Autofahrer jetzt abseits politischer Hilfen?
Diesel- und Benzinpreise So tanken Sie heute günstig
Spritpreise am 20. September 2026: Superbenzin kostet im Mittel 2,31€, E10 2,25€ und Diesel 2,42€ in Deutschland. So teuer ist es in Ihrer Nähe.
Hohe Tankpreise: Boomen jetzt Carsharing und ÖPNV?
Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) verzeichnete durch das Deutschland-Ticket im vergangenen Jahr einen Abo-Rekord. Auch für das aktuelle Jahr zieht der VVS eine positive Bilanz für das erste Halbjahr - die Abos würden stark nachgefragt. Der Donau-Iller-Verkehrsverbund kann über die Motivation der Fahrgäste allerdings keine Auskünfte geben, weil sie dazu nicht befragt werden. Ob die Fahrgäste im Vergleich zum Vorjahr mehr geworden sind, könne aktuell noch nicht beurteilt werden, so der Verbund. Auch beim Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) herrscht keine Euphorie: "Wir sehen in der Branche über Baden-Württemberg hinweg keinen unmittelbaren Spritpreis-Effekt bei den Fahrgastzahlen in den Bussen", so Geschäftsführerin Yvonne Hüneburg.
Menschen ändern ihre Mobilitätsgewohnheiten nicht mit jedem Preissprung an der Tankstelle. Wenn sich die Preise so etablieren, hat der ÖPNV sicherlich Chancen, eine echte Alternative zu sein.
Denn auch für Busse steigen die Dieselpreise, außerdem habe es starke Personalkostensteigerungen in den vergangenen Jahren gegeben. Als Gründe nennt sie auch die aktuelle Wirtschaftskrise. Die öffentlichen Kassen seien leer, da werde teilweise im ländlichen Raum, gerade bei Abend- und Nachtverkehren gespart. Laut Hüneburg ist in der ÖPNV mancher Orts in den letzten zwölf Monaten schlechter geworden. Sie appelliert: "Die Busverkehre sind auf Langfristigkeit angelegt, da geht es auch darum, welchen ÖPNV wollen wir uns leisten."
Gestiegene Spritpreise Hohe Ölpreise durch Iran-Krieg: Haben die Menschen in BW ihr Verhalten geändert?
Hohe Energiepreise sind das neue Normal. Da wirkt es naheliegend, dass mehr Menschen auf Bahn oder E-Auto umsteigen. Aber passiert das in Baden-Württemberg wirklich?
Aufs Auto angewiesen? Es gibt auch dann Alternativen
Martin Kagerbauer, stellvertretender Leiter des Instituts für Verkehrswesen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) rät Autofahrerinnen und Autofahrern dazu, sich in der aktuellen Situation über alternative Verkehrsangebote Gedanken zu machen. Ein Tipp des Experten: nicht mit dem eigenen Auto fahren, sondern das Fahrzeug mit anderen teilen. Beim sogenannten Carsharing zahle man zwar auch Sprit- und Nutzungskosten, aber mit minimalen Anschaffungskosten, die einiges an Geld einsparten. Vor allem für diejenigen, die im Jahr nicht mehr als rund 10.000 Kilometer fahren, sei Carsharing wesentlich günstiger, erklärt Kagerbauer dem SWR.
Eine Recherche des SWR Data Labs zeigt: Vielerorts sind die Menschen im Land schlichtweg auf ihr Auto angewiesen. In allen Gemeinden fährt werktags zwar mindestens ein öffentliches Verkehrsmittel, doch teilweise nicht bis 19 Uhr. 2021 hatten Grüne und CDU in ihrem Koalitionsvertrag verankert, dass ab 2026 alle Ortschaften von 5 bis 24 Uhr mit dem ÖPNV erreichbar sein sollen. Mittlerweile hat die Landesregierung das Ziel auf 2030 verschoben. Die Hauptgründe dafür seien Kostensteigerungen und Personalmangel. Auto kann aber eben auch geteiltes Auto heißen.
Carsharing-Verband: Menschen werden beim Preis sensibler
Laut dem Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing, Gunnar Nehrke, verzeichnet seine Branche gute Neuanmeldungszahlen. Doch trotz der zunehmenden Zahl an Carsharing-Nutzenden nehme die Zahl der Fahrten derzeit kaum zu. Nehrke schließt daraus, dass die Nutzenden gegenüber den Preisen an der Tankstelle sensibler werden. Ein eigenes Auto verursache hohe Fixkosten während es steht, beim Carsharing könne man sagen: "Ich spare mir die Fahrt und nehme das Fahrrad oder den Bus", so Nehrke. Die Carsharing-Flotte in Deutschland hat insgesamt etwa 20 Prozent E-Anteil. Die Elektrifizierung sei also noch lange nicht abgeschlossen, aber bereits weiter als bei der gesamten Pkw-Flotte in Deutschland, in der nur etwa 6 Prozent der Autos elektrisch fahren.
Der durchschnittliche Pkw in Deutschland wird 42 Minuten am Tag benutzt, den Rest der Zeit steht er still.
Es sei ein Trugschluss, dass Carsharing nur in Städten und Ballungszentren verfügbar sei: Gerade in Baden-Württemberg sei Carsharing auch in kleinen Städten und im ländlichen Raum ziemlich verbreitet, so Nehrke.
Gebrauchte E-Autos gefragt nie
Eine Alternative bei steigenden Spritkosten: E-Autos. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 knapp 120.000 gebrauchte Elektroautos verkauft. Das seien fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum 2025. Laut Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung kosten gebrauchte E-Autos meist nicht mehr als vergleichbare Benziner oder Diesel. Eine sinkende Akkulaufzeit sei nicht zu verzeichnen.
Warum Autofahrerinnen und Autofahrer trotzdem an ihren Fahrzeugen festhalten
Laut Experte Kagerbauer ist Mobilität wichtig für die gesellschaftliche Teilhabe - entscheidend sei nur, sich über die Art der Mobilität Gedanken zu machen. Gerade weil das Autofahren für viele Routine und Alltag ist, sei es auch besonders schwer, sich hier umzugewöhnen, erklärt Kagerbauer. Neues auszuprobieren sei nicht einfach, auch weil viele nicht die Notwendigkeit hätten, über Veränderungen nachzudenken. "Meistens werden solche Routinen verändert, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern", so der Experte. Das sei beispielsweise bei Umzügen oder Jobwechseln der Fall - aber auch bei steigenden Preisen.
Auch deshalb könne die aktuelle Situation dazu beitragen, dass jetzt andere Verkehrsangebote und der öffentliche Nahverkehr auf dem Land ausgebaut werden. Es sei nun die Aufgabe der Politik, die entsprechenden Bedingungen dafür zu schaffen. Dabei seien Investitionen notwendig, aber eine gute Verkehrsinfrastruktur fokussiere sich nicht nur auf Autos, sondern auch auf den ÖPNV, Rad- und Fußverkehr sowie geteilte Mobilitätsangebote, so Kagerbauer.
Merz kündigt Entlastungen für Spritpreise an: Abseits eines Tankrabatts sind alle gefragt
Angesichts der weiter steigenden Tankpreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in dieser Woche neue Entlastungen angekündigt. Wie genau diese aussehen, sei noch unklar.
Die Spritpreise zu senken reicht laut Kagerbauer allein aber nicht aus. Sein Tipp: andere Verkehrsmodelle testen. Wer etwa Carsharing noch nie ausprobiert hat, könne sich das Konzept schwer vorstellen. "Wenn man das zwei, drei Mal gemacht hat, geht das in Fleisch und Blut über und ist dann ganz alltäglich", erklärt der Experte.