Bei einer Gedenkstunde in Herbolzheim (Kreis Emmendingen) hat der baden-württembergische Landtag an die Menschen erinnert, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Der Fokus lag in diesem Jahr auf der Volksgruppe der Jenischen.
Aras: Gedenkarbeit Kernanliegen des Landtages
Gedenkarbeit sei ein Kernanliegen des Landtages, sagte Baden-Württembergs Landtagspräsidentin Muhtarem Aras (Grüne) während der Gedenkveranstaltung. Sie sei stolz, gemeinsam mit Vertretern der Jenischen zu gedenken und dieses Jahr ihre Geschichte und Kultur in den Fokus zu rücken. Diese Volksgruppe sei "Teil von Europa und auch von Baden-Württemberg", so Aras.
Die Jenischen sind eine ethnische Minderheit, die während der NS-Zeit ausgegrenzt und verfolgt wurde. Die Menschen wurden als sogenanntes fahrendes Volk oft als vorgeblich "asozial" oder "arbeitsscheu" gebrandmarkt, hieß es vorab in einer Mitteilung des Landtags. Heute bemühen sich Nachfahren um Anerkennung und Erhalt ihrer Identität in der Gesellschaft. In Deutschland wird die Anerkennung als nationale Minderheit derzeit von der Bundesregierung geprüft.
Erinnerung an Herbolzheimer Familie
Bereits vor der Feierstunde im Herbolzheimer Bürgerhaus fand am Denkmal der aus Herbolzheim nach Auschwitz deportierten Sinti-Familie Spindler ein stilles Gedenken statt. Von der 16-köpfigen Familie überlebten lediglich zwei Brüder das Vernichtungslager.
Holocaust-Gedenktag am 27. Januar
Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und inzwischen der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Aus Anlass des 81. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz hat das Land Baden-Württemberg am Dienstag ein neues Angebot gestartet. Schulgruppen aus dem Land können die Gedenkstätte jetzt digital besuchen. Das Land fördert die virtuellen Führungen und will so Erinnerung und Bildung stärken.