Florian Gokel ist Chemieingenieur und Inhaber der Firma Pyrotechnik im Quadrat in Mannheim. Er hat selbst Haustiere und Verständnis für Haustierbesitzer, die Feuerwerk nicht mögen. Aber Gokel wünscht sich, dass jene, die Stimmung gegen Feuerwerk machen, auch etwas "Verständnis zeigen für diesen einen Tag im Jahr, wo die Familien mit den Kindern einfach schön Silvester feiern wollen und mal eine Rakete oder Batterie anzünden möchten".
SWR Aktuell: Der Verkauf von Feuerwerk ist am Montag gestartet, wie haben Sie das erlebt? Gab es einen Ansturm?
Florian Gokel: Es gibt traditionell am ersten Verkaufstag immer einen wahnsinnigen Ansturm. Weil die Verkaufstage sind ja in Deutschland begrenzt auf die letzten drei Werktage im Jahr. Das heißt, der erste Verkaufstag ist immer der stärkste, weil jeder Sorge hat, er kriegt nichts mehr. Und deshalb haben wir hier jedes Jahr einen enormen Ansturm.
Wir hatten eine lange Schlange vor dem Laden. Die ersten standen seit 5:30 Uhr an bei minus vier Grad. Und die Wartezeit war etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.
SWR Aktuell: Wer sind ihre Kunden - eher Jugendliche, oder geht es durch alle Altersgruppen?
Gokel: Es geht durch alle Altersgruppen. Wir haben tatsächlich auch Familien mit Kindern, die Feuerwerk für ihre Familienfeier kaufen. Im Wesentlichen sind es schon Männer, die Feuerwerk einkaufen. Aber es sind durchaus aus Frauen dabei, die auch Spaß daran haben und dann mit den Kindern zusammen herkommen, um Feuerwerk zu kaufen.
SWR Aktuell: Haben Sie den Eindruck, dass es in diesem Jahr mehr Menschen waren, die kamen und schon früh anstanden, als in den vergangenen Jahren?
Gokel: Ja, ich habe tatsächlich den Eindruck, dass der Ansturm in diesem Jahr noch mehr war, als in den letzten Jahren. Es hängt vielleicht auch damit zusammen, dass eine gewisse Trotzhaltung entsteht, dadurch dass diese Verbote immer mehr thematisiert werden. Weil doch einige sagen, sie wollen sich diese Freude nicht nehmen lassen, am letzten Tag im Jahr nochmal mit einem Feuerwerk zu feiern und das neue Jahr zu begrüßen.
SWR Aktuell: Spiegelt das auch wider, was Sie im Gespräch mit den Kundinnen und Kunden hören?
Gokel: Dazu höre ich weniger, es sind auch immer wieder Kunden, die wir schon seit vielen Jahren kennen. Es kommen auch neue dazu. Aber die, die hier sind, sagen ausnahmslos - und da sind tatsächlich auch Frauen dabei, auch Tierbesitzer - die sagen, Feuerwerk gehört für sie traditionell zu Silvester dazu, das wollen sie sich definitiv nicht nehmen lassen.
SWR Aktuell: Wie denken Sie selbst darüber, gehört für Sie auch das Feuerwerk dazu, das Feuerwerk von Privatmenschen?
Gokel: Wenn damit vernünftig umgegangen wird, finde ich, dass es durchaus in Ordnung ist, dass man das weiter den Leuten erlaubt und gestattet. Ich bin aber auch kein Freund davon, dass damit unsachgemäß umgegangen wird. Also dass zum Beispiel Feuerwerkskörper auf Rettungskräfte oder die Feuerwehr, Polizei geworfen wird. Das geht überhaupt nicht. Das ist aber kein Problem des Feuerwerks, das ist eher ein Problem unserer gesellschaftlichen Verrohung, die wir insgesamt zu verzeichnen haben.
SWR Aktuell: Sie sind Pyrotechniker. Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf?
Gokel: Das Feuerwerk ist halt das schöne, dass es Emotionen ausdrückt. Dass es immer wieder neue Effekte gibt, die Farben und das Licht zusammenspielen. Und wenn wir professionelle Feuerwerke durchführen, dann veranstalten wir die meistens mit Musik zusammen. Und choreografieren das Feuerwerk synchron zur Musik. Und das ist dann für den Zuschauer ein ganz besonderes Erlebnis.
SWR Aktuell: Das heißt, für Sie ist das eine Kunst und Sie sind Experte dafür. Und dann gibt es auf der anderen Seite in diesen Tagen viele Menschen, die Böller zünden, die vielleicht weniger auf Sicherheit und Ästhetik achten. Wie denken Sie darüber?
Gokel: Davon halte ich nicht sehr viel. Ich finde schon, dass das Feuerwerk in vernünftige Hände gehört und dass damit sicher umgegangen werden muss. Das Problem sind nicht die Knallkörper, sondern oft die Knallköppe, die damit umgehen, könnte man im wahrsten Sinne des Wortes sagen. Weil dadurch dann auch die Unfälle und die Schäden entstehen.
SWR Aktuell: Ein weiterer Punkt, der dabei eine Rolle spielt, ist die illegale Pyrotechnik, die auch als sehr viel gefährlicher gilt. Wo sehen Sie die Gefahren?
Gokel: Das ist leider zutreffend. Wir haben jedes Jahr an Silvester auch mehrere Todesfälle leider zu verbuchen. Schwere Verletzungen. Aber diese schweren Verletzungen und auch die Todesfälle sind ausnahmslos immer auf illegale Pyrotechnik zurückzuführen. Also auf Kugelbomben, sogenannte Polenböller, oder Böller, die einfach bei uns in Deutschland nicht zugelassen sind und in der Regel aus Osteuropa kommen. Wir haben das Problem, dass wenn wir bei uns in Deutschland über ein Feuerwerksverbot nachdenken, dass dann diese illegale Pyrotechnik noch viel mehr zu uns ins Land kommen wird. Weil die Leute, die Feuerwerk machen möchten, und dann kein legales mehr bei uns bekommen, werden sich das selbstverständlich über andere Kanäle aus dem Ausland besorgen. Und dann haben wir genau die Situation, die wir eigentlich nicht haben möchten.
SWR Aktuell: Das heißt, was ist Ihre konkrete Meinung zum Thema generelles Böllerverbot, das immer wieder in der Diskussion steht?
Gokel: Halte ich nicht sehr viel davon. Wir haben bei Corona gesehen, da hatten wir das schon mal, dass wir zwei Jahre lang aufgrund des Gesundheitssystems und der Überlastung ein Feuerwerksverbot hatten. Und die Konsequenz daraus, die wir da gesehen haben, war, dass die Leute ins Ausland gefahren sind, wo der Verkauf nicht verboten war. Und haben sich dann aus dem Ausland ihre Ware besorgt, um Feuerwerk zu machen. Es ist immer schwierig, wenn Sie etwas verbieten wollen, was nicht akzeptiert wird, oder nicht mitgetragen wird, weil dann die illegalen Möglichkeiten bis ins Unendliche ausgeschöpft werden.
SWR Aktuell: Was raten Sie allen Privatleuten, die jetzt an Silvester ein Feuerwerk zünden wollen?
Gokel: Ich rate jedem dazu, mit gesundem Menschenverstand an die Sache zu gehen. Unbedingt die Gebrauchsanweisung zu beachten, keinen Alkohol zu trinken. Rücksicht zu nehmen auf Mitmenschen, die mit Kindern und Tieren unterwegs sind, alte Menschen. Und dann einfach sachgemäß mit dem Feuerwerk umzugehen.