Jahrelang hat sich der Enzkreis mit dem Land Baden-Württemberg und den Atomkraftwerk-Betreibern vor Gerichten gestritten. Der Kreis hatte sich dagegen gewehrt, recyclebare Betonabfälle entgegen der eigenen Satzung aus dem abgeschalteten AKW Philippsburg (Kreis Karlsruhe) aufnehmen zu müssen. Im Februar kam es zu einer Einigung: der Enzkreis verpflichtet sich, gut 2.000 Tonnen asbesthaltige Betonabfälle auf seiner Deponie in Maulbronn anzunehmen. Am Mittwoch kam die erste Lieferung.
Sechs Tonnen Abbruchmaterial angeliefert
Was jahrelang ein Politikum war - wohin mit den strahlungsfreien Betonabfällen aus Philippsburg - stellte sich am Mittwoch völlig unspektakulär dar, in Form von 14 verplombten Kunststoffsäcken, gefüllt mit asbestbelasteten Betonblöcken. Ein Lastzug lud auf der Deponie Hamberg die ersten sechs Tonnen Abbruchmaterial ab.
Bauschutt aus Philippsburg wird gemessen, geprüft und dokumentiert
Es handelt sich laut Landratsamt des Enzkreises ausschließlich um asbesthaltiges, aber freigemessenes Material. Bedeutet: es besitzt nur die natürliche Eigenstrahlung. Der gesamte Annahmeprozess werde von Experten der EnBW sowie einem unabhängigen Sachverständigen begleitet, erläuterte der zuständige Dezernent Frank Stephan.
Wenn der Asbest nicht drin wäre, könnte man das Material auf der Terrasse einbauen.
Im gesamten Anlieferverfahren werde das Material mindestens fünfmal auf Strahlenbelastung gemessen, stellte Stephan klar. Vor dem Einlagern müssten sämtliche Begleitunterlagen sowie die Plomben auf Unversehrtheit geprüft werden. Zudem werde die Anlieferung durch einen vom Landkreis beauftragten Gutachter betreut. Abschließend, so Frank Stephan, werde das eingebaute Material auch noch von einem beauftragten Büro vermessen und dokumentiert. Ein komplexer Prozess, den Maulbronns Bürgermeister Aaron Treut (parteilos) mit der Bemerkung "Bürokratie-Weltmeister Deutschland" kommentierte.
2.000 Tonnen Betonabfälle in den kommenden drei Jahren
In unregelmäßigen Abständen kämen immer mehrere Lkw-Ladungen auf einen Schwung, erklärte Alexander Pfeiffer vom Amt für Abfallwirtschaft. Nach jeder Lieferung würden die Säcke aus Sicherheitsgründen mit Erdreich bedeckt. Gut 2.000 Tonnen Abrissmaterial aus der Schutzhülle von Reaktor I des Kernkraftwerks Philippsburg sollen in den kommenden drei Jahren auf der Deponie abgeladen werden. Normale Betonabfälle, so sieht es eine Vereinbarung vor, landen auf einer Deponie im Rhein-Neckar-Kreis.