Der Abriss ist im vollen Gange: Auf dem Karlsruher Turmberg knallt und knirscht es. Der Motorenlärm eines gelben Raupenbaggers hallt Richtung Tal in den Stadtteil Durlach. Das rostige eiserne Maul eines Abrissbaggers beißt sich Stück für Stück ins Betondach der alten Bergstation.
Neue Turmbergbahn: Leichte Architektur statt Beton
Mit den Abrissarbeiten wird das umgesetzt, was der Karlsruher Gemeinderat 2025 beschlossen hat: Die alte Standseilbahn wird durch eine neue ersetzt. Aber dafür müssen alte Gebäude und die bisherige Schienentrasse erst einmal weg.
Die bisher bestehenden Tal- und Bergstationen waren massive Betonbauten. Sie werden jetzt von dem Abrissbagger komplett zerlegt und mit Lastern abtransportiert. An ihrer Stelle sollen pavillonartige Neubauten entstehen, die deutlich luftiger als ihre wuchtigen Vorgänger erscheinen sollen.
Bagger mit Spinnenbeinen soll Trasse am Hang abreißen
Die Schienen, auf denen die bisherigen Kabinen der Standseilbahn rollten, werden ebenfalls herausgerissen und durch neue ersetzt. Für die Arbeiten am Hang setzt die Abrissfirma einen sogenannten Schreitbagger ein. Er hat keine Räder oder Raupen, sondern spinnenbeinähnliche Füße. Sie lassen sich unabhängig voneinander ansteuern. So kann der Bagger an steilen Hängen wie dem Turmberg stehen und arbeiten.
Von Oktober an soll die Schweizer Standseilbahnspezialistin Garaventa AG die neue Turmbergbahn bauen. Bis dahin müssen unter anderem noch Leitungstrassen verlegt werden. Denn die neuen Turmbergbahn-Schienen sind fast 200 Meter länger als die alten. Sie verlaufen auch dort, wo sich bisher nur ein Grünstreifen durch eine breite Straße zog.
Turmbergbahn als Teil des ÖPNV in Karlsruhe-Durlach
Denn die neue Bergbahn hat eine Besonderheit: Sie fährt sowohl steil am Berg als auch flach auf der Straße, Neigetechnik soll es möglich machen. Der flachere Abschnitt der Bahn reicht künftig bis zur Bundesstraße B3 im Karlsruher Ortsteil Durlach. Nebenan hält die Straßenbahn. Umsteigen soll so einfacher und barrierefrei werden.
Das Ziel: die neue Turmbergbahn als Teil des Öffentlichen Nahverkehrs. Wer ein Ticket des Karlsruher Verkehrverbundes (KVV) oder ein Deutschlandticket hat, kann damit künftig Turmbergbahn fahren.
Die Neuerungen haben ihren Preis: Mit insgesamt 32 Millionen Euro Baukosten planen Stadt und Verkehrsbetriebe. Etwa 17 Millionen davon steuert das Land Baden-Württemberg bei. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe betonen: Die Gesamtkosten seien inklusive geplanter Kostensteigerungen vertraglich festgeschrieben.
Wir wissen sehr genau, was finanziell auf uns zukommt.
Kritik an Kosten, Trassenverlauf und Parksituation
In der Karlsruher Bevölkerung ist das Projekt aus mehreren Gründen umstritten. Da sind zum einen die Finanzen. Karlsruhe ist so gut wie pleite. Für den Haushalt 2026 musste die Stadt erneut auf Rücklagen zurückgreifen, um überhaupt handlungsfähig zu bleiben.
Millionenausgaben trotz Sparzwang Meinung: Neue Turmbergbahn - Karlsruhe braucht nicht noch ein Prestigeprojekt
Trotz anstehender Sparmaßnahmen bekommt Karlsruhe mit der neuen Turmbergbahn ein Prestigeprojekt. Hätte man das Geld nicht besser investieren können? Ein Kommentar von Tobias Zapp.
Gegner der neuen Bahn wie die Initiative "Zukunft Turmbergbahn" argumentieren, eine Sanierung der alten Strecke hätte gereicht. Unter anderem im Gemeinderat wurde die Befürchtung geäußert, die Kosten könnten ähnlich wie bei vorangegangenen Großprojekten in Karlsruhe explodieren. Zweiter Kritikpunkt: der neue Trassenverlauf. Die verlängerten, eingezäunten Schienen zerschneiden eine Straße mitten in einem Wohngebiet im Nobel-Stadtteil Durlach. Anwohner trauern schon jetzt um Grünstreifen und jahrzehntealte Bäume, die gefällt wurden.
Dritter Kritikpunkt ist das Verkehrskonzept. Anwohner argumentieren: Anders als bei Bahnen in Baden-Baden, Heidelberg oder Bad Wildbad fehlten unten am Turmberg ausreichend Parkplätze. Ob Bau-, Finanz- und Verkehrskonzept aufgehen, zeigt sich spätestens im Frühjahr 2028. Dann soll die neue Turmbergbahn fertig sein und die ersten Besucher auf den Turmberg transportieren.