Millionenausgaben trotz Sparzwang

Meinung: Neue Turmbergbahn - Karlsruhe braucht nicht noch ein Prestigeprojekt

Trotz anstehender Sparmaßnahmen bekommt Karlsruhe mit der neuen Turmbergbahn ein Prestigeprojekt. Hätte man das Geld nicht besser investieren können? Ein Kommentar von Tobias Zapp.

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Von Autor/in Tobias Zapp

32 Millionen Euro soll die neue Turmbergbahn kosten. Die gute Nachricht: 17,49 Millionen Euro dieser Kosten übernimmt das Land Baden-Württemberg. Die schlechte Nachricht: Rund 14,5 Millionen Euro muss die Stadt Karlsruhe dafür aufbringen. Dabei dachte ich, die Stadt muss sparen, oder?

Karlsruhe: Ferrari fahren trotz Schulden?

Stellen sie sich einmal vor, eine Privatperson im finanziellen Tiefflug würde sich einen Ferrari kaufen, schließlich will ein guter Kumpel ja auch die Hälfte des Geldes beisteuern. Man würde der Person zurecht einen furchtbaren Umgang mit Geld ankreiden. Bei der Stadt Karlsruhe gibt es hingegen Applaus für ein neues Prestigeprojekt.

Dabei kann die Stadt doch gerade jeden Cent gebrauchen. Seit Monaten drückt man sich im Gemeinderat davor, die Hosen runter zu lassen und den Bürgerinnen und Bürgern klar zu sagen, wo und wie viel gestrichen werden muss. Denn die Einschnitte werden viele Menschen hart treffen, da wären fast 32 Millionen, die jetzt in die Turmbergbahn fließen, eine echt Hilfe.

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Geld ist da, nur nicht im richtigen Fördertopf

Ich höre schon die mahnenden Rufe, dass man das nicht vergleichen könne. Schließlich kommt das Geld vom Land ja aus ganz anderen Fördertöpfen. Es stimmt, das Geld für die Turmbergbahn kommt aus dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG). Ein Förderprogramm für den ÖPNV, mit dem unter anderem Städte und Gemeinden beim Bau, Aus- und Umbau ihrer Verkehrsinfrastruktur unterstützt werden sollen.

Ob eine neue Turmbergbahn am Ende wirklich der sinnvollste Weg ist, dieses Fördergeld in Karlsruhe zu investieren, daran darf gezweifelt werden. Es gäbe mit Sicherheit Investitionsmöglichkeiten in den städtischen ÖPNV, von denen mehr Menschen profitieren würden. Und auch wenn wir hier von unterschiedlichen Töpfen reden, für die Menschen fühlt es sich unterm Strich trotzdem so an, dass bei ihnen gespart wird, während für Prestigeprojekte immer wieder Millionen vom Himmel fallen.

Explodierende Baukosten haben in Karlsruhe Tradition

Und wer verspricht uns eigentlich, dass das Projekt Turmbergbahn die ohnehin schon klammen Karlsruher Finanzen in Zukunft nicht noch mehr belastet? Denn Großbauprojekte werden in der Fächerstadt gerne mal teurer. Viel teurer! Badisches Staatstheater, Stadthalle, Wildparkstadion, Kriegsstraße, die Liste lässt sich ewig fortführen.

Das wissen auch die Entscheider. Und trotzdem beschließen sie ein Projekt, das uns aller Voraussicht nach deutlich mehr kosten wird als die jetzt geplanten 32 Millionen. "Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen", heißt ein Sprichwort. Karlsruher Bauprojekte wirken ähnlich. Erst mal losbauen, falls es dann doch teurer wird, nimmt man eben mehr Geld in die Hand. Ein Baustopp ist keine Option, schließlich will man das bisher ausgegebene Geld ja nicht umsonst verschleudert haben.

Neubau der Turmbergbahn ist das falsche Signal

Die Turmbergbahn hat als älteste Standseilbahn in Deutschland eine lange Geschichte. Das macht sich gut auf einem Flyer für Touristen. Bringt den Menschen in den Karlsruher Stadtteilen Stupferich oder Palmbach aber weder eine bessere ÖPNV-Anbindung, noch hilft es Karlsruher Eltern bei den Kitagebühren. Es wäre zu wünschen, die Stadt hätte auf diesen Ferrari verzichtet.

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Tobias Zapp
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