Philippsburg (Kreis Karlsruhe) soll Knotenpunkt und Speicherort für große Strommengen aus erneuerbaren Energiequellen werden. Das plant der Energieversorger EnBW und will auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks einen großen Batteriespeicher bauen. Einen der größten in Deutschland, so der Konzern. Von der Stadt Philippsburg wird das Projekt begrüßt.
Großbatteriespeicher haben im Energiesystem der Zukunft die Aufgabe, kurzfristig zwei Seiten miteinander in Einklang zu bringen: die wetterabhängige Erzeugungsleistung der erneuerbaren Energien und den tatsächlichen Strombedarf von Haushalten, Gewerbe und Industrie.
Hintergrund ist, dass ein System, das vor allem auf Solar- und Windstrom setzt, für eine sichere Versorgung Ausgleichsmechanismen braucht. Steht viel Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- oder Sonnenenergie zur Verfügung, nehmen Speicher ihn aus dem Netz auf. Wird der Strom benötigt, werde er wieder eingespeist, heißt es von der EnBW.
Projekt laut EnBW noch in frühem Stadium
Das Vorhaben befindet sich laut EnBW allerdings noch in einem frühen Stadium. Nötig seien noch die finale Investitionsentscheidung des Konzerns und eine Baugenehmigung. "Bei einem optimalen weiteren Verlauf ist eine Realisierung bis Ende 2027 denkbar", hieß es weiter. Zu den Kosten hat sich die EnBW nicht geäußert. Das Projekt soll den Angaben nach ohne staatliche Förderung umgesetzt werden.
Batteriespeicher in Philippsburg: Strom für 100.000 Haushalte
Der geplante Batteriespeicher soll eine Kapazität von 800 Megawattstunden haben. Das entspreche rechnerisch dem täglichen Strombedarf von rund 100.000 Haushalten, so die EnBW weiter.
Durch den bereits vorhandenen Netzanschluss und die existierende Energieinfrastruktur vor Ort sei der Standort optimal für den Großbatteriespeicher geeignet. Und der Flächenverbrauch sei gleich null, sagt der Bürgermeister von Philippsburg, Stefan Martus. "Da stand schon was und da kommt wieder was hin", so Martus.
Auf einem Teil des Energieparks, auf dem auch das abgeschaltete Atomkraftwerk steht, hat der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW ein großes Gleichstrom-Umspannwerk gebaut. Dieser sogenannte Konverter ist wichtig, um Windstrom aus Norddeutschland im Südwesten bereitzustellen.
700 Millionen Euro für die Zukunft Strom vom Norden in den Süden: Konverter in Philippsburg in Betrieb
Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks in Philippsburg ist ein Konverter offiziell in Betrieb gegangen. Er soll künftig Strom aus Nordsee-Windparks im Süden nutzbar machen.
Philippsburg rechnet mit Baustart 2026
Die EnBW hat das Projekt nun im Gemeinderat Philippsburg vorgestellt. Und es habe keine negativen Signale aus den Fraktionen gegeben, sagt Bürgermeister Stefan Martus. Er rechnet damit, dass Baustart Anfang 2026 sein könnte. Wenn noch in diesem Jahr die Baugenehmigung vorliegt.
Ich bin sehr glücklich, dass die EnBW sich zum Energiestandort Philippsburg bekennt.