Es wurde geschraubt, geschleppt und geschwitzt: Besucherinnen und Besucher konnten am Mittwochabend nach einer Vorstellung die Sessel des Programmkinos Schauburg in Karlsruhe mit nach Hause nehmen. Einzige Voraussetzung dafür: einen Schraubenschlüssel dabei haben und selber abschrauben.
Kino Schauburg: 150 Sitze müssen weg
Kaum war das Licht an im kleinen Kinosaal, ging es schon los: 150 Menschen zückten ihre Schraubenschlüssel und machten sich ran an die roten Sessel. Die meisten Besucherinnen und Besucher knieten minutenlang auf dem Boden, um an die gut versteckten Schrauben heranzukommen.
Jeder, der einen der begehrten Schauburg-Sessel ergattern wollte, hatte sich vorher eine Karte für 15 Euro kaufen müssen. Von 19 bis 20 Uhr wurde ein "Überraschungsprogramm" gezeigt. Dann konnte das große Abschrauben losgehen.
Nach dem großen Abschrauben: Wo kommen Sessel hin?
Einige Besucherinnen und Besucher wussten auf Nachfrage noch gar nicht so genau, was sie mit den Sesseln anstellen sollen. Alexander aus Karlsruhe zum Beispiel. "Vielleicht kommen die mal irgendwann in meinen Wohnwagen rein", sagte er. Ob das wirklich so komme, wisse er noch nicht. "Mal sehen, was ich damit mache, aber ich bin trotzdem sehr froh, einen ergattert zu haben."
Fabian aus Waldbronn (Kreis Karlsruhe) schraubte für sich und seine Partnerin jeweils einen Sessel mühsam ab. "Die kommen bei uns ins Wohnzimmer. Wir sind gerade erst in eine neue Wohnung eingezogen - da können wir noch ein paar Sachen ganz gut gebrauchen."
Auch Max und Viola aus Karlsruhe zeigten sich sehr zufrieden mit dem Abend. "Ich habe mir schon immer einen Kinosessel gewünscht", sagte Viola und lächelte. "Vielleicht kommen die zwei in den Flur, mal gucken."
Alte Kinositze raus, neue Kinositze rein
Einer der Kinosäle der Schauburg soll renoviert werden, deswegen haben sich die Betreiber dazu entschlossen, die alten Sitze unkompliziert und zügig loszuwerden. "Wir haben uns gefragt, wie können wir den Gästen das Schauburg-Gefühl ein bisschen mit nach Hause geben? Dann haben wir uns für diese Veranstaltung entschieden", sagt Saskia Fleischhauer, Geschäftsführerin der Schauburg.
Es ist schöner sie zu verschenken, als sie einfach zum Wertstoffhof zu bringen.
Es ist eine Win-win-Situation. Das kleine Kino spart sich durch die Aktion die aufwändige Entsorgung und die Schauburg-Fans durften sich ein Stück Kino mit nach Hause nehmen. "Das ist natürlich für uns toll, die nicht entsorgen zu müssen, und gleichzeitig aber auch zu sehen, wie die Gäste das auf Instagram posten und sich darüber freuen."
In Schauburg wurde schon vor drei Jahren geschraubt
Diese Aktion fand nicht zum ersten Mal statt. Schon vor drei Jahren wurden 350 Sessel des größten Kinosaals verschenkt - ähnlich wie am Mittwochabend. Es sei ein guter Weg, um auf sich als kleines Programmkino aufmerksam zu machen, sagt Saskia Fleischhauer.
Die Karten für die spezielle Vorstellung seien gefragt gewesen, das sei auch eine Bestätigung für ihre Arbeit. "Es zeigt, dass wir noch Bedeutung und auch einen Grund haben, warum wir noch da sind und warum wir so viele Gäste haben", so Saskia Fleischhauer.
Schauburg in Karlsruhe: Nach fast einer Stunde alle Sessel weg
Nach fast einer Stunde war der Saal leer. 150 Sitze wurden abgeschraubt, die Kino-Fans zufrieden. Allzu bald dürfte es eine solche Aktion in der Schauburg jedoch nicht mehr geben. Die neuen Sessel, die in den kommenden Wochen eingebaut werden, halten laut Saskia Fleischhauer bis zu zehn Jahre. Saskia Fleischhauer zeigte sich zufrieden mit dem Abend. "Es ist sehr gut gelaufen, alle Stühle sind weg. Wir freuen uns, dass es so schnell ging."
Das Filmtheater Schauburg in Karlsruhe ist das älteste der Stadt. Laut den Betreibern feiern sie 2029 den 100. Geburtstag.