400 protestieren gegen geplante Einschnitte

Kultur unter Druck: Sparmaßnahmen bedrohen Karlsruher Kulturszene

Die Stadt Karlsruhe muss sparen und plant Kürzungen im Kulturbereich. Einige Einrichtungen fürchten um ihre Existenz. Rund 400 Menschen protestierten am Samstag gegen die Pläne.

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Das riesige Sparpaket für die Jahre 2026 und 2027 ist schon seit Wochen Gesprächsthema in Karlsruhe. Es sind die härtesten Maßnahmen seit vielen Jahren, mit Einsparungen von mindestens 80 Millionen Euro pro Jahr. Besonders betroffen von der "Liste des Grauens" wäre die freie Kulturszene. Dazu zählen Kulturvereine, Filmfestivals oder freie Theater.

Die Kundgebung auf dem Karlsruher Stephanplatz gegen die geplanten Einsparungen in der freien Kulturszene
Die Kundgebung auf dem Karlsruher Stephanplatz gegen die geplanten Einsparungen in der freien Kulturszene

Rund 400 Menschen haben am Samstag in der Karlsruher Innenstadt gegen die Sparpläne protestiert. Die Kultur in Karlsruhe werde vernachlässigt und habe jetzt schon zu wenig Geld, betonten Redner. Sie hoben die besondere Bedeutung kultureller Angebote für Bürgerinnen und Bürger hervor und sprachen erneut von einer existenzbedrohenden Entwicklung.

Neben vielen anderen Einrichtungen in Karlsruhe steht das traditionsreiche Sandkorn-Theater unter Druck. Die drohenden Sparmaßnahmen hängen wie ein Damoklesschwert über dem täglichen Betrieb.

Noch sind die Sitzplätze im Theater "Das Sandkorn" in Karlsruhe leer. Die nächste Vorstellung beginnt in wenigen Stunden. Das Team um die Geschäftsführer Daniela Kreiner und Erik Rastetter bereitet den Abend vor. Auf der Bühne wird geprobt, der Sound wird eingerichtet und die Theke wird befüllt. Doch die Sorgen über die geplanten Kürzungen der Stadt Karlsruhe begleiten sie auf Schritt und Tritt.

160 Millionen will die Stadt Karlsruhe einsparen

Die finanzielle Lage der Stadt Karlsruhe ist angespannt. Für das 160-Millionen-Sparpaket hat die Verwaltung eine umfangreiche Sparliste aufgestellt, worüber der Gemeinderat im Dezember entscheiden wird.

Schon länger ist bekannt, dass auch Teile des öffentlichen Lebens von den Sparmaßnahmen betroffen sind. Auch die freie Kulturszene. Laut der Sparliste der Stadt sollen die Förderungen für die freie Kulturszene pro Jahr um 8,7 Prozent gekürzt werden. Das sind laut Kulturdezernent Albert Käuflein (CDU) rund 760.000 Euro, die eingespart werden sollen. Auch bei den "großen" Kultureinrichtungen, wie dem ZKM oder dem Badischen Staatstheater, hat die Stadt den Rotstift angesetzt. Auch hier sind es pro Jahr 8,7 Prozent weniger Förderung.

Die Chancen, dass der Doppelhaushalt 2026/27 vom Regierungspräsidium Karlsruhe genehmigt wird, stehen nicht gut. Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) betonte im September, als die Sparliste veröffentlicht wurde, dass alle Dezernate dazu aufgerufen seien, Lücken zu schließen. "Ich weiß nicht, wie wir noch mehr bewältigen sollen", so Mentrup weiter.

Erik Rastetter (links) und Daniela Kreiner, Geschäftsführer des Sandkorn-Theaters in Karlsruhe
Erik Rastetter (links) und Daniela Kreiner, Geschäftsführer des Sandkorn-Theaters in Karlsruhe

Kürzungen in der Kultur: Widerstand regt sich

In der freien Kulturszene hat sich bereits Widerstand gegen die geplanten Maßnahmen der Stadt gebildet. Sollten die Kürzungen so umgesetzt werden, fürchten laut Kulturring Karlsruhe e.V. acht von 21 Kultureinrichtungen um ihre Existenz. Der Kulturring vertritt diese 21 Kultureinrichtungen. Weil die Lage so ernst ist, wollen die Kulturschaffenden in einer Demonstration auf ihre Situation aufmerksam machen.

Unsere größte Sorge ist, dass wir es nicht schaffen werden.

In seiner Existenz bedroht fühlt sich auch das Team vom Theater "Das Sandkorn". "Wir haben großes Verständnis dafür, dass die Stadt sparen muss, aber wir merken, dass wir es nicht mehr schaffen", sagt Geschäftsführerin Kreiner. Es habe schon seit 20 Jahren keine Erhöhungen der Förderung gegeben. Im Gegenteil: Im laufenden Jahr 2025 wurde sie um 1,3 Prozent gekürzt. Das Theater musste vom bereits verplanten Geld etwas an die Stadt zurückzahlen, erklärt sie.

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Sandkorn-Theater: Wissen nicht, wo wir noch sparen sollen

"Wenn die Kürzungen kommen, ist das Sandkorn-Theater existenziell bedroht", sagt der künstlerische Leiter Erik Rastetter. Er und Daniela Kreiner wissen nicht, wo sie noch sparen sollen, außer bei den Kinder- und Jugendproduktionen. Das Sandkorn-Theater setzt in seinem Programm zudem auf Eigenproduktionen. Das kostet mehr Geld, als Stücke einzukaufen, erklärt Erik Rastetter. Zudem müssten dann die Ticket- und Getränkepreise erhöht werden, Kinder- und Jugendprojekte würden wegfallen und man müsste Programmeinschnitte in Kauf nehmen.

Auch für den Erhalt der Förderung für das Sandkorn-Theater wurde auf der Kundgebung demonstriert
Auch für den Erhalt der Förderung für das Sandkorn-Theater wurde auf der Kundgebung demonstriert

Bei den Eigenproduktionen habe man schon reagiert, sagt Erik Rastetter. Vor der Corona-Pandemie habe es etwa acht bis zehn Eigenproduktionen pro Jahr gegeben. Mittlerweile seien es nur noch vier. Einsparungen beim Personal dagegen seien schwierig. Mehr gehe nicht, so Rastetter.

Am Personal können wir nicht noch mehr sparen. Hier haben wir schon reduziert.

Dabei hätten sie als selbstproduzierendes Theater eine hohe Eigenfinanzierungsquote, erklärt Daniela Kreiner. Durch Spenden, Eintrittsgelder und den Thekenverkauf bekämen sie 65 Prozent der Finanzierung zusammen. Beim Rest seien sie auf Zuschüsse angewiesen. Auch sie selbst springt immer häufiger an der Theke oder im Ticketbüro ein, sagt sie. "Wir müssen auch bei den Aushilfen sparen, so ist das eben", sagt sie und lächelt.

Angst vor Einsparungen: So reagiert die Stadt Karlsruhe

Bei der Stadt Karlsruhe ist der Widerstand gegen die geplanten Kulturkürzungen bekannt. Kulturdezernent Albert Käuflein (CDU) sieht keine Alternativen zu seinem Vorschlag, die Zuschüsse um 8,7 Prozent zu kürzen. "Die Stadt ist im Augenblick nicht mehr so in der Lage wie in den vergangenen Jahren zu fördern. Wir müssen die Förderung etwas reduzieren."

Wir führen Gespräche mit Menschen, die in der Lage sind, der Kultur zu helfen.

Bürgermeister Käuflein hofft auf ein Mitwirken der Stadtgesellschaft. Er möchte einen "Appell" aussenden. "An die, die es können: Helfen Sie bitte der Kultur!", so Käuflein weiter.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Fabiola Germer
Ein Bild von Fabiola Germer
Mathias Zurawski
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