Die Hermann-Hesse-Bahn soll Ende Januar in Betrieb gehen, das wurde am Dienstag auf der Versammlung des Zweckverbands der Hermann-Hesse-Bahn offiziell verkündet. Aber erstmal nur teilweise.
Hermann-Hesse-Bahn: Altes Stellwerk mit Neuem verbinden
In den ersten Monaten fährt sie nur von Calw (Kreis Calw) bis Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Für die Weiterfahrt nach Renningen (Kreis Böblingen) müsse der Zweckverband mit der Deutschen Bahn zusammenarbeiten, so der Geschäftsführer des Zweckverbands, Frank von Meißner.
Für die Strecke von Weil der Stadt nach Renningen muss laut Zweckverband das neue digitale Stellwerk der Hesse-Bahn an das ältere Stellwerk der Deutschen Bahn angeschlossen werden. Das soll erst Ende Mai passieren und sei mit Einschränkungen im Bahnverkehr verbunden. Fast eine Woche lang muss dafür der gesamte Bahnhof in Renningen gesperrt werden. Einen so großen Einschnitt im Bahnverkehr müsse die Deutsche Bahn lange im Voraus planen, so von Meißner.
Auf SWR-Anfrage bestreitet die Deutsche Bahn allerdings, mit dem Zeitplan etwas zu tun zu haben. Die Projektverantwortlichkeit für die Hermann-Hesse-Bahn liege beim Zweckverband und der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG), so ein Sprecher des Unternehmens.
Die Albtalverkehrsgesellschaft teilte auf SWR-Anfrage mit, dass die Verbindung der Stellwerke ein "komplexer organisatorischer Prozess" sei. Dafür müsste nicht nur der Bahnhof Renningen, sondern auch der Bahnhof Weil der Stadt gesperrt werden. Das müsse bei der Deutschen Bahn mit viel Vorlaufzeit angemeldet werden. Daher sei es nicht möglich, die Stellwerke vor Mai 2026 miteinander zu verbinden.
Die Verbindung des neuen Stellwerks mit dem alten sei aber notwendig, um einen reibungslosen Bahnbetrieb zwischen Renningen und Hermann-Hesse-Bahn zu gewährleisten.
Durch die Stellwerksverbindung können die Stellwerke der Deutschen Bahn und der Hermann-Hesse-Bahn miteinander kommunizieren.
Wegen der verkürzten Fahrstrecke könne die Hermann-Hesse-Bahn in den ersten Monaten nur ein Mal in der Stunde fahren. Laut von Meißner ist das nicht unbedingt negativ. Der Betrieb könne so erstmal langsam anlaufen. Deshalb soll sie in den ersten Monaten nur tagsüber fahren.
Zusammengefasst: Die Hermann-Hesse-Bahn soll dann also ein Mal in der Stunde von 05:30 Uhr bis 18:30 Uhr fahren. In der Nacht könnten dann noch restliche Bauarbeiten an der Strecke stattfinden. Ab Juni soll dann im Halbstundentakt gefahren werden und auch Nachts.
Artenschutz an der Hermann-Hesse-Bahn scheint erledigt
Die Hermann-Hesse-Bahn ist eines der größten Infrastrukturprojekte der letzten Jahrzehnte im Kreis Calw. Wegen verschiedener Artenschutzauflagen - unter anderem für Fledermäuse - hatten sich die Bauarbeiten immer wieder verzögert.
Im August erteilte das Regierungspräsidium Karlsruhe dann den Planfeststellungsbeschluss. Damit konnten die Bauarbeiten für das 200-Millionen-Euro-Projekt in die entscheidende Phase gehen.
80 Millionen Euro für den Artenschutz - hier haben wir die Maßnahmen aufgeschlüsselt:
Ist das verhältnismäßig? Bahnprojekt Hesse-Bahn: 80 Millionen Euro kostet der Fledermaus-Artenschutz
Die Hermann-Hesse-Bahn fährt nicht - immer noch nicht. Seit 2018 sollten zwischen Calw und Weil der Stadt eigentlich Züge fahren. Doch Fledermäuse in zwei Tunneln haben das Vorhaben ausgebremst.
Auch wenn der Artenschutz viel Stress für Calws Landrat Helmut Riegger (CDU) bedeutet hat, er sagt, er ist froh, dass ein Ende in Sicht ist. Die Bahnstrecke werde die Wirtschaft im Landkreis voran bringen.
Es war viel Ärger, aber wir haben es geschafft, und da bin ich stolz drauf.
Hermann-Hesse-Bahn wird in Stuttgarter Tarifverbund integriert
"Noch eine gute Nachricht", verkündet der Landrat auf der Sitzung des Zweckverbands. Die Hesse-Bahn soll in Zukunft zum Stuttgarter Tarifverbund (VVS) gehören. Das mache den Ticketkauf einfacher und auch günstiger. Die Teilintegration sei dabei nur der erste Schritt. Als nächstes soll der gesamte öffentliche Nahverkehr im Kreis Calw in den Stuttgarter Tarifverbund integriert werden.
Bis Mitte Dezember sollen die letzten Gleise auf der Baustelle der Hermann-Hesse-Bahn verlegt werden - dann kann der Testbetrieb starten. Wenn der ohne Zwischenfälle läuft, steht einer teilweisen Inbetriebnahme der Hermann-Hesse-Bahn Ende Januar nichts entgegen.