Bevor die Hermann-Hesse-Bahn in Betrieb gehen kann, müssen auf der Strecke Probe- und Schulungsfahrten stattfinden. Am Samstag sind die technischen Probefahrten gestartet - seitdem sind die Züge mit hoher Geschwindigkeit unterwegs.
Der Landkreis Calw rät deshalb zur erhöhten Vorsicht an den Schienen der Hermann-Hesse-Bahn. Getestet werden bei den Fahrten unter anderem die Signaltechnik und die Sicherungsanlagen der Bahnübergänge, soweit schon vorhanden.
Vorsicht an den Bahngleisen: Probefahrt bei der Hesse-Bahn
An manchen Bahnübergängen der Hermann-Hesse-Bahn fehlen noch Schranken und Ampeln. Deshalb ist laut dem Kreis Calw vor allem an den Übergängen erhöhte Vorsicht geboten. Eltern sollen auf ihre Kinder achten. Die Züge sollen eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreichen. Die Bahn hat dann einen Bremsweg von mehreren hundert Metern und kann bei einem Hindernis auf den Gleisen nicht spontan bremsen, so der Landkreis in einer Mitteilung.
Die erste Probefahrt mit hoher Geschwindigkeit ließen sich viele Politiker nicht nehmen. Neben Calws Landrat Helmut Riegger (CDU) war auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu Besuch. Sie alle sehen mit der Hermann-Hesse-Bahn viele Chancen für die Region. In den nächsten Wochen soll es auf der Strecke vermehrt auch zu Schulungsfahrten für die zukünftigen Lokfahrer kommen.
Bei der Probefahrt stoppte die Bahn plötzlich. Dann wurde es hektisch. Was war das Problem? Schnell wird klar: Es lag an einer Weiche. Jemand, vermutlich eine Baufirma, hatte sie abgeschaltet und nicht wieder aktiviert. Zwei Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe stiegen mitten auf der Strecke aus und beseitigten die Störung. Nach ein paar Minuten konnte die Fahrt weitergehen. Der Rest der Probefahrt lief ohne Probleme, so die Verantwortlichen.
Hermann-Hesse-Bahn kämpfte lange mit dem Artenschutz
Die Hermann-Hesse-Bahn ist eins der größten Projekte für den öffentlichen Nahverkehr in der Region. Dafür soll eine alte Bahnstrecke, die 1988 stillgelegt wurde, wieder in Betrieb genommen werden. In den letzten Jahren hatte es aber immer wieder Schlagzeilen über steigende Kosten und verzögerte Planungs- und Bauzeiten gegeben.
Ursprünglich war geplant, die Bahnstrecke im Jahr 2015 in Betrieb zu nehmen. Mit mittlerweile 240 Millionen Euro ist die Bahn fast fünfmal so teuer als ursprünglich geplant. Vor allem der Natur- und Artenschutz ist mit 85 Millionen Euro viel teurer als ursprünglich gedacht.
Das ist leider zu viel und viel zu unverhältnismäßig, aber wir haben uns den gesetzlichen Vorgaben gebeugt.
Ist das verhältnismäßig? Bahnprojekt Hesse-Bahn: 80 Millionen Euro kostet der Fledermaus-Artenschutz
Die Hermann-Hesse-Bahn fährt nicht - immer noch nicht. Seit 2018 sollten zwischen Calw und Weil der Stadt eigentlich Züge fahren. Doch Fledermäuse in zwei Tunneln haben das Vorhaben ausgebremst.
Schuld an der Kostensteigerung sind unter anderem schützenswerte Fledermäuse, die mittlerweile in den alten Tunneln der Bahnstrecke leben. Für sie musste eine extra Trennwand im Tunnel gebaut werden. So können die Tiere in Ruhe leben und gleichzeitig der Zug durch den Tunnel fahren. Die Genehmigung dieser einzigartigen Tunnel-in-Tunnel-Konstruktion dauerte beim Regierungspräsidium Karlsruhe mehrere Monate.
Kreis Calw: Hesse-Bahn soll im Januar teilweise in Betrieb gehen
Die Bahn soll den Kreis Calw in Zukunft besser an Stuttgart anbinden. Sie verläuft dann von Calw, über Weil der Stadt, bis nach Renningen. Ende Januar soll die Hermann-Hesse-Bahn in Betrieb gehen, aber vorerst nur bis Weil der Stadt fahren.
Die Weiterfahrt nach Renningen scheitert in den ersten Monaten an veralteter Bahntechnik. Ende Mai wird das neue digitale Stellwerk der Hermann-Hesse-Bahn an das alte Stellwerk der Deutschen Bahn in Renningen angeschlossen. Dann fährt die Bahn von Calw durch, bis nach Renningen.