Neuer Kommandeur der Spezialeinheit eingeführt

KSK in Calw blickt auf Skandale: "Wir haben dazugelernt"

Das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw hat seinen neuen Kommandeur vorgestellt. Brigadegeneral Andreas Kühne übernimmt die Leitung der Spezialeinheit.

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Von Autor/in Simon Hartmann

Andreas Kühne übernimmt die Leitung des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw. Der Brigadegeneral war bis zuletzt beim Bundesverteidigungsministerium im Amt. Der 54-Jährige übernimmt den Posten von Alexander Krone. Diesen zieht es an die Nordseeküste. In Oldenburg wird er Kommandeur der 1. Panzerdivision. Krone war erst 2024 nach Calw gekommen. Die Einführung Kühnes in Calw fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Gelände des KSK ist Sperrgebiet und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich - auch aus Vorsicht.

Ein Mann steht auf einem Platz
Brigadegeneral Andreas Kühne bei der Einführung in sein neues Amt als Kommandeur des KSK in Calw. KSK Calw

Besucherzentrum des KSK ist offen für alle

Anders sieht es beim Besucherzentrum aus. Hier zeigt das KSK offen für alle seine Arbeit. Das Besucherzentrum wurde im Jahr 2022 eröffnet. Rund drei Jahre später kann ein erstes Zwischenfazit gezogen werden. Die Resonanz ist laut KSK überwältigend. Über 33.000 Besucher waren bisher vor Ort. "Das hätte ich niemals gedacht", sagt Presseoffizierin Nadine Henke.

Presseoffizierin Nadine Henke heißt Gäste im Besucherzentrum der KSK in Calw herzlich willkommen
Presseoffizierin Nadine Henke heißt Gäste im Besucherzentrum der KSK in Calw herzlich willkommen.

Von nah und fern kämen interessierte Bürger, sagt sie - selbst aus Bayern oder Hessen. Für Interessierte ist es die einzige Möglichkeit, um die Tätigkeiten einer deutschen Spezialeinheit so nah zu betrachten. Die Geschichte hinter dem Besucherzentrum ist allerdings nicht ausschließlich eine positive. Im Laufe der Zeit gab es rund um das KSK viele Skandale. Sogar die Auflösung der Spezialeinheit stand im Raum.

Mehr zur skandalreichen Vergangenheit des KSK:

Das Besucherzentrum des KSK in Calw. Hier werden auch die verschiedenen Skandale der Spezialeinheit aufgebarbeitet.
Das Besucherzentrum des KSK in Calw.

"Schatten der Vergangenheit" zeigt Skandale des KSK

Die Wand "Schatten der Vergangenheit" im Besucherzentrum dokumentiert die Vergangenheit des KSK. Schweinskopf-Skandal, Munitionsaffäre, rechtsnationale Soldaten - die Liste ist lang. Das weiß auch das KSK. Deshalb sei ein offener Umgang damit sehr wichtig, meint Oberstleutnant W.

Oberstleutnant W. blickt auf die "Schatten der Vergangenheit" - eine Übersicht über die Skandale des KSK in Calw.
Oberstleutnant W. blickt auf die Wand mit den "Schatten der Vergangenheit" des KSK in Calw.

Der erfahrene Soldat gibt Führungen im Besucherzentrum. Er stellt sich auch den kritischen Fragen der Gäste. Allerdings käme das gar nicht so häufig vor, wie er zu Anfang geglaubt habe. Trotzdem - mit den Skandalen der letzten Jahre musste sich das KSK auseinandersetzen. Das weiß auch der Oberstleutnant. Er räumt Fehler ein.

Es ist halt dann auch unbequem gewesen, bestimmte Sachen anzusprechen. Wenn es da um, um Freunde und Kameraden teilweise ging. Da hat man vielleicht auch aus Bequemlichkeit mal drüber weggeschaut. Da mussten wir einfach sensibler werden und haben dazugelernt.

Laut dem Oberstleutnant ist das KSK jetzt aber auf einem guten Weg. "Wir haben uns damit auseinandergesetzt", betont er. Bald sollen zu den negativen Schlagzeilen an der Wand auch ein paar gute kommen. "Wir wollen das Bild ergänzen", erklärt er. Inzwischen sei das KSK wieder authentisch, so der Soldat. "Wir spüren das Vertrauen aus der Politik und der Gesellschaft wieder", sagt er.

Besucherzentrum des KSK: Gäste honorieren die Arbeit der Soldaten

Auch die Besucher entgeht nicht der "Schatten der Vergangenheit" an der Wand. "Schlimm, wirklich schlimm ist das", sagt eine Besucherin aus Stuttgart. Aber dennoch: Der Respekt vor der Arbeit des KSK überwiegt bei den meisten Gästen. "Ich glaube, das Positive ist stärker zu bewerten, als das was schieflief beim KSK", sagt ein Besucher aus dem Landkreis Calw.

Für manche ist der Gang ins Besucherzentrum auch mit ein bisschen Nostalgie verbunden. "Ich war hier zur Wehrpflicht in Calw", erzählt ein Gast. "Die dort herrschende Kameradschaft, lebt bis heute noch. Es war eine spannende und faszinierende Zeit", betont er. Damals war die Graf-Zeppelin-Kaserne in Calw allerdings noch keine Spezialeinheit, sondern eine normale Infanterie. Hier waren Kampftruppen der Landstreitkräfte untergebracht.

Besucherzentrum in Calw: Das Leben als Soldat verstehen

Das Besucherzentrum soll einen Einblick in den Alltag und in die Einsätze eines KSK-Soldaten geben. Bevor man sich als solchen bezeichnen darf, braucht es erstmal eine bestandene Prüfung. Das sogenannte "Potenzialfeststellungsverfahren" gilt als eine der härtesten Prüfungen, die es bei der Bundeswehr gibt.

Viele der Aufgaben sind unbekannt. An anderen dürfen sich Mutige allerdings selbst versuchen im Besucherzentrum. Eine Herausforderung ist das Tragen eines Holzstammes auf dem Rücken. Etwa 20 Kilogramm wiegt der Klotz. Für die KSK-Anwärter kommen allerdings noch 40 Kilogramm Marschgepäck obendrauf.

Oberstleutnant W. stellt einen Teil des sogenannten "Potenzialfeststellungsverfahren" des KSK nach.
Oberstleutnant W. stellt einen Teil des sogenannten "Potenzialfeststellungsverfahren" des KSK nach.

KSK: Prominente Gäste im Besucherzentrum

Die Hintergründe für einen Trip zum Besucherzentrum sind unterschiedlich. Besonders deutlich wird das im Gästebuch. Dort kann sich eintragen, wer will. Unter anderem steht darin auch ein Text von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sowie dem ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz.

Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sowie der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz waren bereits im Besucherzentrum des KSK in Calw
Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sowie der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz waren bereits im Besucherzentrum des KSK in Calw.

In Calw sind die Beteiligten froh, dass das KSK den Schritt mit dem Besucherzentrum gegangen ist. Und auch unter dem neuen Kommandeur soll das Besucherzentrum eine wichtige Begegnungsstätte zwischen Zivilisten und dem Militär bleiben.

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Autor/in
Simon Hartmann
SWR-Reporter Simon Hartmann bei einer Live-Schalte für SWR Aktuell

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