Neun Jahre lang kämpfte der Künstler Jörg Mohme aus Malsch (Kreis Karlsruhe) um seine künstlerischen Motive. Ein Mann im Urheberrechtsstreit mit einem französischen Großhändler. Doch an Aufgeben dachte Jörg Mohme nie. Heute blickt er mit Erleichterung auf die kräftezehrende Zeit zurück.
Ich war mir meiner Sache sicher. Ich hab ja nur meine Arbeit verteidigt. Das konnte nur gut gehen.
Ein Päckchen voller Plagiate
Es ist 2015, als Freunde aus Frankreich ihm ein Päckchen mit den Worten "Das dürfte dich interessieren" nach Hause schicken. In dem Päckchen sind zwei Tassen mit bunten, afrikanischen Motiven - hübsch eigentlich, findet Jörg Mohme. Das Problem ist nur, dass die Muster auf den Tassen fast genauso aussehen wie eines seiner Motive. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis er realisiert hatte: Da hat jemand sein Urheberrecht verletzt.
Man kennt jedes Motiv, das man geschaffen hat. Man hat ja lange genug an so einer Arbeit dran gesessen.
"Auszeichnung" für dreiste Nachahmungen Negativpreis Plagiarius: Unternehmen aus Ulm von Kopie betroffen
Jedes Jahr verleiht der Plagiarius Verein Negativpreise an Unternehmen, die besonders dreiste Plagiate anbieten. Mehrere von Nachahmungen Betroffene kommen aus Baden-Württemberg.
Künstler aus Malsch gegen Großhändler
Jörg Mohme findet den Hersteller. Es ist ein Großhändler aus Frankreich, doch der Geschäftsführer will nichts von ihm wissen. Man habe die Produktion vor einigen Jahren eingestellt, hieß es. Wie viele Jahre das Unternehmen Profit mit den Motiven des Künstlers auf ihren Produkten machen konnte, blieb unklar. Jörg Mohme stellt aber schnell fest, dass es fast jedes Produkt mit seinem Motiv gibt: Tassen, Teller, Pillendöschen, Kuchenheber, sogar Teelöffel.
Ich glaube, es ist das Motiv, was am besten verkauft wurde. Sonst hätte er nicht 35 verschiedene Produkte davon gemacht.
Künstler aus Malsch legt Belege vor
Der Künstler zieht vor Gericht. Der französische Großhändler wirft ihm vor, von den Produkten abgemalt zu haben. Doch Jörg Mohme stürzt sich tief in die Recherche. Er findet Belege, Fotos seiner Motive von 1997, eine Postkarte, die er auf einer Kunstmesse in Frankfurt ausgestellt hatte. Außerdem hat er alle Produkte mit seinen gefälschten Motiven gesammelt, die er im Internet finden konnte. Boxen über Boxen mit verschiedenem Porzellan stapeln sich in seinem Atelier.
Doch der Prozess dauerte mehrere Jahre. Die Gegenseite verschiebt immer wieder Termine. "Er hat halt auch Prozessverzögerung begangen", sagt Jörg Mohme.
Plagiatspreis für Unternehmen, Anerkennung für Künstler
Nach neun Jahren ist im Jahr 2024 der Prozess schließlich beendet. Das französische Gericht in Lyon gibt Jörg Mohme Recht. Die Last fällt danach endlich von ihm ab. "Man freut sich einfach. [...] Man muss sich eigentlich kneifen und man glaubt es eigentlich immer noch nicht, dass es wahr ist."
Andere Künstler aus seinem Umfeld seien überrascht gewesen, dass er sich überhaupt auf den Prozess mit einem Großhändler eingelassen hat. "Es ist eine absolute Ausnahme, dass man das überhaupt durchstehen kann, weil die Firmen so groß sind, dass die ganz andere Erfahrungen mit Anwälten haben. Die können sich ja die besten raussuchen", sagt Jörg Mohme. Doch er hat nicht nur Glück mit seinen Anwälten, sondern auch mit der Tatsache, dass ein französisches Gericht sich mit dem Rechtsstreit beschäftigt.
In Frankreich ist das Urheberrecht besonders geschützt. Es gibt weniger Formalitäten als in Deutschland. "Der Autor eines geistigen Werkes verfügt allein aufgrund der Tatsache seiner Schaffung über ein ausschließliches und gegenüber allen durchsetzbares immaterielles Eigentumsrecht an diesem Werk", heißt es in Artikel L111-1 des Code de la propriété intellectuelle.
Der begangene moralische Schaden wird leichter anerkannt und sofern die Werke eines Künstlers von Originalität zeugen und das Erschaffungsdatum belegbar ist, urteilen Gerichte tendenziell eher zu Gunsten der Künstler.
Künster aus Malsch wünscht sich Handlung von der Politik
Damit Künstler auch in Deutschland bessere Chancen haben, einen Urheberrechtsprozess durchzustehen, wünscht sich Jörg Mohme einen Fond, mit dem diese Kosten gedeckt werden können. "[Künstler] haben zwar das Recht, aber sie haben gar nicht die Mittel dazu, um das Recht überhaupt durchsetzen zu können. [...] Da wäre es auch mal interessant, wenn die Politik etwas machen würde." 2025 erhält das französische Unternehmen den "Plagiarius"-Preis. Ein negativer Preis, um besonders dreiste Plagiate zu veröffentlichen.