Stadt verhängt teils Betretungsverbot

Zahl der Erkrankten gestiegen: 19 Menschen des Christlichen Zentrums Karlsruhe erkrankt

Nach dem Masernausbruch in mehreren Familien des Christlichen Zentrums Karlsruhe hat die Stadt den Zugang zur Freikirche stark eingeschränkt. Der Ausbruch konnte bisher nicht gestoppt werden, heißt es.

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Von Autor/in Mirka Tiede

Ausgehend von einer christlichen Freikirche gibt es in Karlsruhe einen Masernausbruch. Insgesamt sind nach Angaben des Landratsamts Karlsruhe 19 Menschen betroffen, die alle im Oktober Veranstaltungen oder Gottesdienste im Christlichen Zentrum (CZK) besucht hatten.

Stadt: Ausbruch der Masern muss gestoppt werden

Die Stadt hat mit einem Betretungsverbot den Zugang zu der Gemeinde stark eingeschränkt. Keinen Zutritt haben aktuell Personen, die im Oktober eine Veranstaltung im Christlichen Zentrum besucht haben. Von denen dürfen weiterhin Personen den Gottesdienst besuchen, die geimpft oder genesen sind.

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Auch Personen, die vor 1970 geboren wurden, sind von dem Betretungsverbot ausgenommen, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Masernerkrankung durchgemacht haben und deswegen keine Impfung benötigen. Die Maßnahme gilt bis 20. November und betrifft auch die derzeit laufende "Bold Hope Konferenz" im Christlichen Zentrum Karlsruhe.

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Landratsamt Karlsruhe: Für Bevölkerung keine erhöhte Gefahr

Masern sind eine der ansteckendsten Krankheiten überhaupt, heißt es in der Begründung der Stadt, die zudem zu ernsthaften Komplikationen führen kann. Der bisherige Verlauf des Ausbruchs mit zahlreichen Fällen bestätige die hohe Gefahr der weiteren Verbreitung in dieser Gemeinschaft. Der Infektionsschutz sei in diesem Falle höher zu gewichten als die Glaubensfreiheit, so die Stadt Karlsruhe.

Die Infektionen würden aktuell nur Mitglieder dieser Gemeinschaft betreffen, erklärt das Landratsamt Karlsruhe auf Anfrage des SWR. Die Betroffenen unterstützten die Maßnahmen, um die Weiterverbreitung zu verhindern. Es könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Fälle auftreten. Für die Bevölkerung sehe das Gesundheitsamt bis jetzt keine erhöhte Gefahr, da in Deutschland inzwischen ein guter Impfschutz bestehe.

Masern sind hochansteckend und sehr gefährlich

Masern sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) hochansteckend. Auch über einen längeren Zeitraum hinweg könne es nach der Krankheit noch Auswirkungen geben. Denn Masern schwächen laut RKI langanhaltend - mindestens ein Jahr nach der Infektion - das Immunsystem. Es könne auch zu einer möglichen Spätkomplikation kommen, die zu einer tödlich verlaufenden Erkrankung des Gehirns führt.

Laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit können die Viren durch Kontakt mit Sekret aus der Nase oder dem Rachen übertragen werden. Meist erfolge die Ansteckung über Tröpfchen. Diese werden beim Husten, Niesen oder Sprechen von Erkrankten über die Luft verbreitet und von anderen eingeatmet. Eine Übertragung sei auch ohne direkten Kontakt möglich, zum Beispiel in Räumen, in denen sich zuvor Erkrankte aufgehalten haben.

Die jährlichen Masernmeldungen in Deutschland sind nach Angaben des Gesundheitsamtes seit 2001 von 6.036 Fälle auf 645 Fälle im Jahr 2024 zurückgegangen. Masernausbrüche seien bei uns also selten. Weltweit stiegen allerdings die Zahlen – auch in der Europäischen Region. 2023 habe es weltweit rund 20 Prozent mehr Fälle gegeben als im Vorjahr. Grund seien dafür eine "unzureichende Immunisierung".

Im Mai gab es im Süden der USA eine größere Masernwelle:

Säuglinge und Immungeschwächte auf Herdenimmunität angewiesen

Nicht alle Menschen in der Bevölkerung können sich gegen Masern impfen lassen. Das betrifft zum Beispiel Säuglinge und Immungeschwächte. Sie sind auf den Impfschutz der anderen angewiesen. Eine Herdenimmunität besteht nach Angaben des RKI, wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung gegen Masern geschützt sind.

So schätzt ein Arzt das Risiko der Schutzimpfung ein:

Wie nach allen Impfungen können nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit auch nach der Impfung gegen Masern Nebenwirkungen auftreten. In der Regel handele es sich dabei um milde, vorübergehende Impfreaktionen, die zeigen, dass sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt. Schwere unerwünschte Wirkungen seien selten.

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Mirka Tiede
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