Impfung auffrischen gegen Keuchhusten, Tetanus, Grippe und Co. – Was Erwachsene wissen sollten

Impfungen schützen vor Infektionskrankheiten. Eine Hausärztin gibt Tipps, welche Impfung Erwachsene wann auffrischen sollten und was für Schwangere und Menschen ab 60 gilt.

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Stand

Von Autor/in Viviane Chartier

Braucht man einen Termin fürs Impfen beim Hausarzt?
Tabelle: Welche Impfungen sollten Erwachsene auffrischen lassen?
Warum sollte man Impfungen auffrischen?
Beispiel Keuchhusten: Darum ist eine Auffrischung der Impfung wichtig
Tabelle: Empfohlene Impfung für Menschen ab 60 Jahren
Impfungen vor und während der Schwangerschaft
Was müssen chronisch Kranke beim Impfen beachten?
So vergessen Sie keine Impfung mehr
Reiseimpfungen: Wie viel zeitlichen Vorlauf?

Braucht man einen Termin fürs Impfen beim Hausarzt?

Das wird in Praxen unterschiedlich gehandhabt. Einige Praxen vergeben Termine, um sicherzugehen, dass der Impfstoff auch da ist, und um die Wartezeit zu verringern. Am besten vorher anrufen.

Tabelle: Welche Impfungen sollten Erwachsene auffrischen lassen?

Impfungin diesen AbständenEmpfehlung für
Tetanusalle 10 JahreErwachsene
Diphtherie alle 10 JahreErwachsene
Pertussis (Keuchhusten)Einmalig bei der nächsten fälligen Tetanus- und Diphtherie-Auffrischung nach dem Jugendalter.Erwachsene
Außerdem sollten betreuende Personen eines Neugeborenen nach Möglichkeit spätestens 4 Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin eine Impfung gegen Keuchhusten bekommen. Spezielle Empfehlungen gelten für Schwangere.
MasernEine Auffrischungsimpfung nur für Menschen, die nach 1970 geboren sind, bei denen keine oder nur eine einmalige Impfung in der Kindheit gegen Masern dokumentiert wurde oder deren Impfstatus unklar ist. 
Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSMEFür die Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich. Die Abstände variieren je nach verwendetem Impfstoff.Bei fortbestehendem Ansteckungsrisiko werden Auffrischimpfungen je nach Alter nach 3 bis 5 Jahren empfohlen.
Poliomyelitis (Kinderlähmung)Eine einmalige Auffrischung nach 10 Jahren wird nur empfohlen, falls die Grundimmunisierung erst im Erwachselenenalter stadttfand.

Spezielle Impfempfehlungen für Schwangere.

Quelle: Robert Koch Institut

Warum sollte man Impfungen auffrischen?

Grippeimpfung bevor die Grippewelle startet.
picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Die Auffrischungen sind wichtig, sagt die Fachärztin für Allgemeinmedizin Dr. Manuela Auer-Rebmann aus Neuffen in Baden-Württemberg, um den Impftschutz langfristig zu erhalten. Sie erklärt das mit einem Vergleich unseres Immunsystem mit einer Fußballmannschaft:

Wir haben eine tolle Fußballmannschaft, die gewinnt ein Match ums andere aber nach vielen Jahren sind die einen verletzt, scheiden aus oder sind nicht mehr so stark und so schnell. Dann braucht man neue, junge Sprinter und motivierte Kämpfer und so ist es bei unserem Immunsystem auch, damit wir gegen die Erkrankungen gewappnet sind.

Beispiel Keuchhusten: Darum ist eine Auffrischung der Impfung wichtig

Wer selbst als Kind an Keuchhusten erkrankt ist, kann die Krankheit später trotzdem nochmal bekommen. Erkrankte Erwachsene können ältere Menschen und Babys anstecken. Bei ihnen kann es zu schweren und lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Um sich und andere vor Keuchhusten oder anderen Krankheiten zu schützen, ist es deshalb sinnvoll, regelmäßig seinen Impfstatus zu überprüfen. Der Impfschutz lässt im Laufe der Jahre nach und deshalb sollten Erwachsene bestimmte Impfungen auffrischen.

Tabelle: Empfohlene Impfung für Menschen ab 60 Jahren

Impfungin diesen Abständen
Influenza (Grippe)einmal jährlich im Herbst
COVID-19 (Corona)einmal jährlich im Herbst
Pneumokokken (Lungenentzündung)Für die Standartimpfung wird der Impfstoff PCV20 empfohlen. Personen, die bereits mit PPSV23 geimpft wurden, sollen zusätzlich eine Impfung mit PCV20 im Abstand von mindestens sechs Jahren erhalten. Bei Personen, die mit PCV13 geimpft wurden, kann in einem Mindestabstand von einem Jahr PCV20 geimpft werden. 
Herpes Zoster (Gürtelrose)Die Impfserie für den Herpes-Zoster-Totimpfstoff besteht aus zwei Impfstoffdosen, die im Abstand von mindestens 2 bis maximal 6 Monaten verabreicht werden.
RSV-Impfung ab 60 bei schwerer Vorerkrankung, sonst ab 75 Jahreneinmalig im September/Oktober

Quelle: Robert Koch Institut

RSV-Impfung für Senioren empfohlen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit August 2024 allen Menschen ab dem Alter von 75 Jahren eine einmalige RSV-Impfung. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein Erreger, der akute Atemwegserkrankungen auslöst. Das Virus tritt vor allem im Herbst und Winter auf. Bei älteren Menschen und Menschen mit schweren Vorerkrankungen kommt es bei einer Infektion häufiger zu schweren Krankheitsverläufen.

Bei Personen, die in einer Pflegeeinrichtung leben oder die schwere Grunderkrankungen haben, empfiehlt die STIKO diese Impfung schon ab 60 Jahren. Zu den Grunderkrankungen zählt die STIKO chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, chronische Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen, chronische Erkrankungen des Nervensystems, bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, Diabetes mellitus (mit Komplikationen), schwere angeborene oder erworbene Abwehrschwäche (Immundefizienz).

Sind diese Erkrankungen leicht oder mit Medikamenten gut kontrollierbar, dann sei kein deutlich erhöhtes Risiko für einen schweren RSV-Krankheitsverlauf zu erwarten. Deshalb sei es wichtig, mit dem Hausarzt über diese Impfung zu sprechen.

Impfungen vor und während der Schwangerschaft

Frauen mit Kinderwunsch sollten am besten schon vor ihrer Schwangerschaft ihren Impfstatus überprüfen und gegebenenfalls Impfungen auffrischen.

Röteln und Windpocken (Varizellen) können in der Schwangerschaft das Embryo oder den Fötus schwer schädigen. Das Risiko ist zu Beginn einer Schwangerschaft am größten. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) eine zweifache Rötelnimpfung für ungeimpfte Frauen im gebärfähigen Alter oder Frauen im gebärfähigen Alter mit unklarem Impfstatus.

Frauen, die bisher einmalig gegen Röteln geimpft worden sind, sollten eine weitere Impfung gegen Röteln erhalten. Das gilt auch für die Windpockenimpfung. Frauen im gebärfähigen Alter sollten zweimal gegen Windpocken geimpft werden.

Da es sich bei beiden Impfstoffen um Lebendimpfstoffe handelt, sollte ein zeitlicher Abstand von einem Monat zwischen Impfung und Beginn der Schwangerschaft liegen. Schwangere dürfen keine Lebendimpfungen bekommen.

Die Keuchhustenimpfung sollte bis zum 2., spätestens im 3. Schwangerschaftsdrittel erfolgen. Angefangene Impfserien können Schwangere laut Dr. Auer-Rebmann beenden, solange es kein Lebendimpfstoff ist.

Die Impfung gegen saisonale Influenza (Grippe) wird in jeder Schwangerschaft von der STIKO empfohlen. Schwangere können ab dem 2. Trimenon gegen Influenza geimpft werden. Dabei werden Totimpfstoffe eingesetzt, die keine Infektionen auslösen können.

COVID-19-Impfung: Für Frauen im gebärfähigen Alter und für gesunde Schwangere jeden Alters empfiehlt die STIKO eine Basis-Immunität gegen SARS-CoV-2. Ist diese noch nicht erreicht, sollte eine Impfung möglichst ab dem 2. Trimenon erfolgen. Nach bisheriger Datenlage seien die mRNA-Impfstoffe in der Schwangerschaft sicher, so die STIKO. Schwangeren mit einer Grunderkrankung empfiehlt die STIKO zusätzlich zur Basisimmunität eine Auffrischungsimpfung im Herbst. Eine Infektion mit COVID-19 im selben Jahr kann bei immungesunden Frauen die Auffrischungsimpfung ersetzen. Sollte eine Impfung mit mRNA-Impfstoffen aus bestimmten Gründen wie z.B. Unverträglichkeiten nicht möglich sein, gibt es auch eine andere Möglichkeit zur Impfung. Schwangere sollten daher die COVID-Impfung immer mit ihrem Arzt besprechen.

Was müssen chronisch Kranke beim Impfen beachten?

Um chronisch kranke Menschen besser zu schützen, können einige Impfungen vorgezogen werden wie zum Beispiel die Pneumokokken-Impfung, so Auer-Rebmann. Auch die Grippe-Impfung sei wichtig. Gegen welche Krankheiten geimpft werden soll, das hängt davon ab, welche chronischen Krankheiten die Person hat. Da müsse man mit dem Hausarzt sprechen, sagt die Ärztin.

So vergessen Sie keine Impfung mehr

  • Manche Praxen informieren von sich aus ihre Patienten.
  • Andere Ärzte schreiben mit Bleistift in den Impfpass, wann die nächste Impfung ansteht.
  • Dr. Manuela Auer-Rebmann empfiehlt, den Impfpass einmal im Jahr in die Hand zu nehmen und zu überprüfen.
  • Auch ein Hinweis im Kalender des Handys kann helfen.
  • Oder man nimmt den Impfpass mit zum Arzt, wenn man sowieso in die Praxis muss und kann da nachgucken lassen.

Reiseimpfungen: Wie viel zeitlichen Vorlauf?

Wer ins entferntere Ausland fährt, sollte sich rechtzeituig um seinen Impfschutz kümmern.
CHROMORANGE | Christian Ohde

Das kommt auf die Impfungen an. Dr. Manuela Auer-Rebmann rät Patienten dazu, erstmal den Hausarzt zu fragen und sich in den Praxis beraten zu lassen. Manche Impfungen können in der Hausarztpraxis durchgeführt werden. Bei anderen Impfungen verweist der Hausarzt an ein Tropeninstitut, spezielle Impfzentren oder Geldfieberimpfstellen.

"Ich freue mich, wenn ein Patient mir einen Vorlauf von sechs Monaten gibt. Einfach, weil ich dann nicht im Stress bin. Ich kann den Impfausweis in Ruhe durchgucken. Wenn es viele Impfungen sind, dann braucht man das halbe Jahr auch."

Die Impfberatung für Urlaubsreisen und die Impfungen sind private Leistungen, die der Patient vorab bezahlen muss. Die Rechnung kann man bei der Krankenkasse einreichen und die Kosten werden je nachdem ganz oder teilweise zurückerstattet.

Aber auch aus einem anderen Grund ist es sinnvoll, sich frühzeitig um die Impfungen für den Urlaub zu kümmern.

"Wir hatten letztens das Problem, dass der Tollwut-Impfstoff nicht lieferbar war und das haben wir immer wieder zu Hochzeiten, dass ein Impfstoff nicht lieferbar ist."

Mehr Informationen zu Reiseimpfungen finden Sie beispielsweise beim Robert Koch Institut und bei der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit.

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