Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat des von der Schließung bedrohten NEFF-Werks in Bretten (Kreis Karlsruhe) haben am Freitag zu einer Protestaktion rund um den Produktionsstandort aufgerufen. Dabei wurde eine rund zwei Kilometer lange Menschenkette gebildet. Auch Familie Böckle aus Bretten hat daran teilgenommen. Sie sind seit Jahrzehnten eng mit dem NEFF-Standort in Bretten verbunden.
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Brüder Böckle aus Bretten: NEFF ist Teil unserer Familie
Seit Jahrzehnten gehört NEFF zur Familie Böckle aus Bretten. Die Brüder Marco und Martin haben beide dort in den 80er- bzw. 90er-Jahren ihre Ausbildung gemacht. Schon die Eltern haben in dem Werk in Bretten gearbeitet. Auch der Sohn des 62-jährigen Martin Böckle hat dort seine Ausbildung gemacht. Er arbeitet aber mittlerweile in einem anderen Unternehmen.
Dass der Standort nun geschlossen werden soll, können die beiden Brüder noch nicht so richtig glauben. "Als ich die Nachricht freitags bekam, saß ich im Homeoffice", erzählt Marco Böckle. "Man macht sich zum einen erst mal Sorgen. Wie kann es weitergehen?" Ganz viel Ungewissheit sei da gewesen. "Auch Kollegen von anderen Standorten haben sich sofort gemeldet. Man hat dann schon ein bisschen gebraucht, um das so zu verarbeiten", sagt Marco Böckle.
Mittlerweile weiß der 46-Jährige, dass es für ihn wahrscheinlich in dem Unternehmen weitergeht. Trotzdem belaste ihn die Situation - auch wegen seiner Kolleginnen und Kollegen.
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Schließung NEFF-Werk: Der Schock war groß
Für den 62-jährigen Martin Böckle ist die Situation nicht einfach. Er ist in Altersteilzeit und nicht direkt von einer Kündigung betroffen. Er war jedoch insgesamt 46 Jahre bei NEFF in Bretten, hatte Personalverantwortung und war die letzten Jahre ausschließlich als Betriebsrat im Unternehmen tätig.
Wenn der 62-Jährige über die angekündigte Schließung spricht, wirkt er von seinem langjährigen Arbeitgeber tief enttäuscht. Er sei "einfach nur frustriert und verärgert", sagt Martin Böckle. "Und wenn man morgens aufwacht, denkt man, ich bin im falschen Film oder habe ich alles nur geträumt." Seine Frau, die am Standort Bretten arbeitet, weiß noch nicht, wie es für sie weitergeht.
Schon bei der ersten Krise am Standort Bretten in den 80er-Jahren war er dabei. Die Situation heute beschreibt er als "Déjà-vu". "Wir sind damals hier auf den Marktplatz in Bretten gegangen und haben dann für unsere Arbeitsplätze demonstriert. Und jetzt erlebe ich das Ganze noch mal zum Ende meiner Arbeitsphase. Das tut richtig weh." Die geplante Schließung sei ein Verlust. Für die Stadt Bretten und die Region.
Rund 2.500 Teilnehmer bei Protestaktion gegen die Schließung
Zu der geplanten Protestaktion am Freitag sind nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall rund 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen. Gemeinsam haben sie eine rund zwei Kilometer lange Menschenkette am Produktionsstandort in Bretten gebildet.
Sie alle waren vor Ort, um dem Protest ein Gesicht zu geben. "Ich war 45 Jahre in dieser Firma", fasst ein Teilnehmer seine Gefühlslage zusammen. "Das ist wie eine zweite Familie." Eine Teilnehmerin erklärt, dass sie an der Aktion teilnimmt, um ihren Mann zu unterstützen. "Der Boden wird einem unter den Füßen weggerissen", erzählt sie. Erst vor einem Jahr sind sie Eltern einer Tochter geworden. "Man ist sprachlos. Man weiß nicht warum. Wirklich nicht. Und deshalb bin ich hier."
NEFF ist Bretten und Bretten ist NEFF - und das muss so bleiben!