Hohe Kraftstoffkosten

Benzin günstig, Diesel teurer: Wieso sich die Spritpreise in BW unterscheiden

Autofahrerinnen und Autofahrer in Baden-Württemberg müssen vergleichsweise wenig für Benzin bezahlen. Ein Faktor kommt dem Land zugute.

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Von Autor/in Max Schäfer

Die Spritpreise sind in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen. Mit Beginn des Krieges im Iran durch den Angriff Israels und der USA knackten die Preise für Super, E10 und Diesel die Marke von zwei Euro deutlich. Die Entwicklung macht auch vor Baden-Württemberg nicht halt. Dennoch zeigen sich regionale Unterschiede - durch die müssen Autofahrerinnen und Autofahrer im Land im Vergleich zu anderen Bundesländern weniger zahlen. Das gilt vor allem für diejenigen, die Super oder E10 tanken.

Autofahrer in BW zahlen im Schnitt noch weniger fürs Tanken

Baden-Württemberg liegt beim Preis für einen Liter Super-Benzin im Mittel zwei Cent unter dem Bundesschnitt. Das gilt sowohl für E5, als auch für E10. Beim Diesel betrage der Unterschied einen Cent, wie aus einer SWR-Auswertung hervorgeht, bei der alle Kraftstoff-Preise der rund 15.000 deutschen Tankstellen einbezogen werden.

Diesel- und Benzinpreise So tanken Sie heute günstig

Spritpreise am 19. April 2026: Superbenzin kostet im Mittel 2,10€, E10 2,04€ und Diesel 2,14€ in Deutschland. So teuer ist es in Ihrer Nähe.

Der Tag in RLP SWR1 Rheinland-Pfalz

Eine ADAC-Auswertung zu den Spritpreisen am Donnerstag um 11 Uhr bestätigt, dass die Benzin-Preise in Baden-Württemberg im Vergleich relativ niedrig sind. Nur in Bremen, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen zahlten Autofahrer weniger. Beim Diesel schnitt Baden-Württemberg dagegen relativ teurer ab. Der ADAC verwendete jedoch lediglich den Durchschnitt der Preise um 11 Uhr. Dann ist der Preis durch die neue Regel, dass Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag um 12 Uhr erhöhen dürfen, meistens am günstigsten. Das Data Lab des SWR nimmt dagegen den Mittelwert aller Preise in den vergangenen 24 Stunden.

Baden-Württemberg profitiert bei Spritpreisen von Raffinerie

Benzin und Diesel werden in Deutschland hergestellt. "Wir haben die Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe und wir stellen auch fest, dass Diesel, Benzin und Heizöl zur Verladung in Karlsruhe an dieser Raffinerie günstiger sind als in anderen Preisregionen Deutschlands", sagte Hagen Reiners, Experte für den Ölmarkt in Deutschland bei Argus Media, dem SWR. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Beobachtung von Rohstoffmärkten.

Die Raffinerie produziert stark und ist im Grunde aktuell wettbewerbsfähiger als die Importeure.

"Die Nähe zur Raffinerie wirkt sich auf den Preis aus", sagte Reiners. "Die Großhandelspreise zur Tankwagenverladung sind sozusagen im Südwesten Deutschlands aufgrund der Strahlkraft der Raffinerie etwas niedriger als in anderen Regionen." Nach Beginn des Irankrieges sei das "ganz intensiv" gewesen. "Da lag der Preisunterschied an einem Tag zwischen dem Südwesten Deutschlands und dem Westen beim Heizöl bei 15 Cent pro Liter." Durch den günstigeren Preis kommen laut dem Ölmarktexperten auch Unternehmen mit Tankwägen aus mehreren Hundert Kilometer nach Karlsruhe.

Die Nähe zur Raffinerie ist damit eine Erklärung für die etwas geringeren Super-Benzin-Preise in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern. Laut Angaben von MiRO versorgt die Raffinerie zehn Millionen Menschen täglich mit Kraftstoffen und Heizöl.

Diesel-Preis höher - wegen Importbedarf

Den höheren Diesel-Preis insgesamt erklärte Reiners mit der Produktion. "Der Unterschied zwischen Diesel und Benzin ist, dass Deutschland insgesamt nicht so viel Diesel produziert, wie es verbraucht, aber mindestens so viel Benzin produziert, wie wir verbrauchen", so Reiners. "Das heißt, dass Deutschland nicht auf Benzinimporte angewiesen ist. Es exportiert Benzin potenziell eher." Bei Diesel braucht es Importe.

Die Märkte für Benzin und Diesel seien dabei unterschiedlich, erklärte ein ADAC-Sprecher. "Daher ist diese Diskrepanz nicht außergewöhnlich." Unterschiede seien mit der unterschiedlichen Dichte an Tankstellen zu erklären, so der Sprecher. In Stadtstaaten oder Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte gebe es häufig ein dichteres Tankstellennetz, in dem sich die Tankstellen Konkurrenz machten. "Dies sorgt für tendenziell niedrigere Kraftstoffpreise." Damit erklärt er auch, wieso im Vergleich die Bundesländer im Osten höhere Preise zahlen: "Flächenländer wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern mit vergleichsweise niedrigerer Bevölkerungsdichte haben auch weniger Tankstellen."

Auch das Bundeskartellamt nennt die unterschiedliche Wettbewerbsintensität zwischen den Tankstellen und lokale Nachfragefaktoren wie Pendlerströme als Ursache für die regionalen Unterschiede.

Grenzregionen in BW zahlen beim Tanken mehr

Die regionalen Unterschiede beim Spritpreis fallen in der SWR-Analyse auch in Baden-Württemberg auf. In Nordbaden und dem Kraichgau, der Region Stuttgart und der Alb sind Super E5 und E10 günstiger. Teurer ist es dagegen im Bereich Hohenlohe und in der Ortenau. Beim Diesel zeigt die Karte im Bereich des Oberrheins höhere Kosten. Im gesamten Süden sind die Preise ebenfalls höher.

In Grenzregionen sind die Preise häufig höher. Eine Erklärung ist laut Kartellamt, dass Tankstellen einen Anreiz haben, den Umsatzverlust auszugleichen, wenn Kundinnen und Kunden zu günstigeren Tankstellen im Ausland ausweichen. Preisvorstöße lohnten sich dann tendenziell weniger.

Bei den Spritpreisen machen die regionalen Faktoren jedoch lediglich einen recht kleinen Teil aus. Hauptursache sind laut den Fachleuten die geopolitischen Faktoren. Der Konflikt im Iran sei im "primär preistreibend", teilte eine Sprecherin von Shell Deutschland mit. "Sollte die Straße von Hormus länger geschlossen bleiben und mit Blick auf die Tatsache, dass Ölinfrastruktur in den Golfstaaten beschädigt wurde, kann es, wie bereits in Asien, auch in Europa zu Engpässen bei bestimmten Produkten kommen."

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Autor/in
Max Schäfer
Bild von SWR-Redakteur Max Schäfer.

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