Im Wasserwerk Rauental (Kreis Rastatt) hat der Testbetrieb der neuen Ionenaustauscher-Anlage begonnen, die die Umweltchemikalie PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) aus dem Trinkwasser filtern soll. Ähnliche Anlagen sind bereits in Deutschland im Einsatz. Die Verwendung im Zusammenhang mit der Reinigung von Trinkwasser ist allerdings neu. Was in den USA schon seit längerer Zeit praktiziert wird, wird nun bundesweit erstmalig in Rastatt getestet.
So befreien Aktivkohlefilter und Ionenaustauscher Trinkwasser von PFAS
Im Wasserwerk in Rauental wird das Trinkwasser, wie auch im Zweitwerk in Ottersdorf, derzeit durch Aktivkohlefilter von der Chemikalie PFAS befreit. Zusätzlich zu der bereits bestehenden Aktivkohle-Anlage wird in Rauental nun der Ionenaustauscher zugeschaltet. Dabei handelt es sich um eine Art Silo, in dem sich Harz-Kügelchen befinden. Das Trinkwasser wird über diese Kügelchen geleitet. Die PFAS-Moleküle bleiben dann am Harz haften.
Der gravierende Unterschied zu den Aktivkohlefiltern: Das Harz der Ionenaustauscher kann bisher nicht gereinigt werden. Es muss in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und verbrannt werden. Die Hersteller der Harz-Partikel arbeiten aber schon jetzt an wiederverwertbaren Versionen des Stoffs.
Die Ionenaustauscher-Anlage ist besonders gut geeignet, kurzkettige PFAS-Moleküle, die im Boden nicht zurückgehalten werden, herauszufiltern.
Umweltbundesamt interessiert an Pilotversuch in Rastatt
Das Umweltbundesamt beobachtet den Pilotversuch der Rastatter Stadtwerke sehr genau. Sind die Ergebnisse der Trinkwasser-Reinigung positiv, geht die Ionenaustauscher-Anlage nach der Testphase ans Netz. Unklar ist derzeit noch, inwieweit Harz-Rückstände aus der Anlage mit dem Trinkwasser ausgespült werden und was das für Konsequenzen haben könnte.
Rastatt: 30 Prozent des Wasserpreises entfallen auf PFAS-Reinigung
Die möglichen Mehrkosten, die den Stadtwerken durch eine zukünftige Installation der aufwendigen Filteranlagen entstehen, haben Auswirkungen auf den Preis des Trinkwassers. Die Ionenaustauscher-Anlage ist nach Herstellerangaben im Betrieb ähnlich kostspielig wie die bereits bestehenden Aktivkohlefilter-Anlagen der Rastatter Stadtwerke.
Die Mehrkosten für die PFAS-freie Trinkwasseraufbereitung belasten die Verbraucher.
Etwa ein Drittel des Wasserpreises entfällt auf die Kosten, die das Umweltgift PFAS verursacht hat. Für die etwa 52.000 Verbraucher in Rastatt bedeutet das, dass jeder Kunde im Schnitt etwa 50 Euro an Mehrkosten pro Jahr hat.
Infos und Hintergründe PFC / PFAS: Der große Umweltskandal im Raum Rastatt
Seit Jahren beschäftigt der PFC-Umweltskandel die Menschen im Raum Rastatt. Information zum Entsorgungsstreit, der Trinkwasser-Problematik und mehr finden Sie hier.
In Deutschland mehr als 1.500 Orte mit PFAS kontaminiert
Der PFAS-Umweltskandal im Raum Rastatt betrifft die Verseuchung des Grundwassers durch PFAS, auch PFC genannt (per- und polyfluorierte Chemikalien). Das hat bereits zu erheblichen gesundheitlichen und ökologischen Schäden in Baden-Württemberg geführt. NDR, WDR und SZ haben erstmals für Deutschland mehr als 1.500 mit PFAS verschmutzte Orte gefunden, darunter mehr als 300 Hotspots. Das Problem mit den industriell produzierten Chemikalien ist damit viel größer als bisher bekannt.