Bundesweiter Pilotversuch in Rastatt

Gegen Umweltgift PFAS im Trinkwasser: Hoffnung dank neuer Ionenaustauscher-Anlage

Ein Ionenaustauscher soll das Umweltgift PFAS aus dem Trinkwasser filtern. Was in den USA schon Praxis ist, wird nun in Deutschland getestet.

Teilen

Stand

Von Autor/in Patrick Neumann

Im Wasserwerk Rauental (Kreis Rastatt) hat der Testbetrieb der neuen Ionenaustauscher-Anlage begonnen, die die Umweltchemikalie PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) aus dem Trinkwasser filtern soll. Ähnliche Anlagen sind bereits in Deutschland im Einsatz. Die Verwendung im Zusammenhang mit der Reinigung von Trinkwasser ist allerdings neu. Was in den USA schon seit längerer Zeit praktiziert wird, wird nun bundesweit erstmalig in Rastatt getestet.

Blick auf die neue Ionenaustauscher-Anlage im Wasserwerk Rauental
So sieht die neue Ionen-Tauscher-Anlage im Wasserwerk Rauental aus.

So befreien Aktivkohlefilter und Ionenaustauscher Trinkwasser von PFAS

Im Wasserwerk in Rauental wird das Trinkwasser, wie auch im Zweitwerk in Ottersdorf, derzeit durch Aktivkohlefilter von der Chemikalie PFAS befreit. Zusätzlich zu der bereits bestehenden Aktivkohle-Anlage wird in Rauental nun der Ionenaustauscher zugeschaltet. Dabei handelt es sich um eine Art Silo, in dem sich Harz-Kügelchen befinden. Das Trinkwasser wird über diese Kügelchen geleitet. Die PFAS-Moleküle bleiben dann am Harz haften.

Die Ionenaustauscher-Anlage wird mit Polymer-Harz zur Trinkwasserreinigung befüllt
Die Ionen-Tauscher-Anlage wird mit Polymer-Harz zur Trinkwasserreinigung befüllt

Der gravierende Unterschied zu den Aktivkohlefiltern: Das Harz der Ionenaustauscher kann bisher nicht gereinigt werden. Es muss in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und verbrannt werden. Die Hersteller der Harz-Partikel arbeiten aber schon jetzt an wiederverwertbaren Versionen des Stoffs.

Die Ionenaustauscher-Anlage ist besonders gut geeignet, kurzkettige PFAS-Moleküle, die im Boden nicht zurückgehalten werden, herauszufiltern.

Umweltbundesamt interessiert an Pilotversuch in Rastatt

Das Umweltbundesamt beobachtet den Pilotversuch der Rastatter Stadtwerke sehr genau. Sind die Ergebnisse der Trinkwasser-Reinigung positiv, geht die Ionenaustauscher-Anlage nach der Testphase ans Netz. Unklar ist derzeit noch, inwieweit Harz-Rückstände aus der Anlage mit dem Trinkwasser ausgespült werden und was das für Konsequenzen haben könnte.

Blick auf die Rohrleitungen der Ionenaustauscher-Anlage
Blick auf die Rohrleitungen der Ionen-Tauscher-Anlage

Rastatt: 30 Prozent des Wasserpreises entfallen auf PFAS-Reinigung

Die möglichen Mehrkosten, die den Stadtwerken durch eine zukünftige Installation der aufwendigen Filteranlagen entstehen, haben Auswirkungen auf den Preis des Trinkwassers. Die Ionenaustauscher-Anlage ist nach Herstellerangaben im Betrieb ähnlich kostspielig wie die bereits bestehenden Aktivkohlefilter-Anlagen der Rastatter Stadtwerke.

Die Mehrkosten für die PFAS-freie Trinkwasseraufbereitung belasten die Verbraucher.

Etwa ein Drittel des Wasserpreises entfällt auf die Kosten, die das Umweltgift PFAS verursacht hat. Für die etwa 52.000 Verbraucher in Rastatt bedeutet das, dass jeder Kunde im Schnitt etwa 50 Euro an Mehrkosten pro Jahr hat.

Rastatt

Infos und Hintergründe PFC / PFAS: Der große Umweltskandal im Raum Rastatt

Seit Jahren beschäftigt der PFC-Umweltskandel die Menschen im Raum Rastatt. Information zum Entsorgungsstreit, der Trinkwasser-Problematik und mehr finden Sie hier.

In Deutschland mehr als 1.500 Orte mit PFAS kontaminiert

Der PFAS-Umweltskandal im Raum Rastatt betrifft die Verseuchung des Grundwassers durch PFAS, auch PFC genannt (per- und polyfluorierte Chemikalien). Das hat bereits zu erheblichen gesundheitlichen und ökologischen Schäden in Baden-Württemberg geführt. NDR, WDR und SZ haben erstmals für Deutschland mehr als 1.500 mit PFAS verschmutzte Orte gefunden, darunter mehr als 300 Hotspots. Das Problem mit den industriell produzierten Chemikalien ist damit viel größer als bisher bekannt.

Rastatt

Wichtiger Schritt für die Region Für Trinkwasser ohne PFAS: Stadtwerke Rastatt weihen drei neue Tiefbrunnen ein

Um die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ohne PFAS sicherzustellen, wird in Rastatt-Ottersdorf Wasser aus der Tiefe gepumpt. Die neuen Brunnen kosten rund sechs Millionen Euro.

Rastatt

Kunden zahlen teure Investitionen Verseuchung mit PFAS lässt Wasserpreis in Rastatt und Umgebung steigen

Die Grundwasser-Belastung mit PFAS verteuert den Wasserpreis in Rastatt und Umgebung. Die hohen Investitionen in Filteranlagen und neue Brunnen tragen bislang die Kunden der Wasserwerke.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Patrick Neumann
Patrick Neumann

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!