Wie eine junge Firma neue Arbeitsplätze schafft

"Dem traditionellen Maschinenbau geht die Puste aus" - Ein neuer Ansatz aus Karlsruhe

In Karlsruhe hat sich die junge Firma Daedalus vom Start-up zum gefragten Hersteller von Präzisions-Bauteilen entwickelt. Das macht das Unternehmen anders als die Konkurrenz.

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Stand

Von Autor/in Susann Bühler

Im Jahr 2020 ging es los: Seitdem hat sich die Firma Daedalus in Karlsruhe von einem kleinen Start-up-Betrieb zu einem schnell wachsenden Industrieunternehmen im Bereich Digitalisierung gemausert. Heute ist die Firma in einer Fertigungshalle auf dem ehemaligen Siemens-Gelände ansässig.

Hightech aus Karlsruhe für Deutschland

Auf 4.000 Quadratmeter Fläche produziert das Unternehmen Präzisionsbauteile für die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie, die Medizintechnik und für namhafte Maschinenbauunternehmen in Deutschland. Aktuell beschäftigt die junge Firma 150 Mitarbeiter aus 30 Ländern - und setzt weiter stark auf Expansionskurs.

Firmengründer vom Maschinenbauunternehmen Daedalus aus Karlsruhe: Jonas Schneider (rechts) und Martin Lander (links)
Jonas Schneider (rechts) und Martin Lander (links): Firmengründer von Daedalus

Das Erfolgsrezept der beiden Firmengründer Jonas Schneider und Martin Lander, beide ehemalige Absolventen des KIT in Karlsruhe, lautet Künstliche Intelligenz. Das Besondere an Daedalus: Sämtliche Prozesse und Fertigungsschritte werden durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuert. Mit diesem neuen Ansatz will das junge Unternehmen den klassischen Maschinenbau revolutionieren und die Branche in die Zukunft führen.

Daedalus will Maschinenbau ganz neu denken

Maschinenbau ganz neu denken, so lautet die Mission der aufstrebenden Firma Daedalus. "Im Gegensatz zu herkömmlichen Maschinenbauern verlässt man sich bei uns nicht nur auf das Erfahrungswissen von Mitarbeitern", führt Geschäftsführer Jonas Schneider aus. "Sondern wir packen das sehr komplexe Wissen über Maschinen, Bauteile und Fertigung in eine intelligente Software, die den kompletten Geschäftsbetrieb steuert."

Unser Ziel ist es, den Maschinenbau ins 21. Jahrhundert zu führen. Wir kombinieren das große Fachwissen mit einem intelligenten, in die Zukunft gerichteten Softwareansatz.

In der Praxis funktioniert das so: Das KI-gesteuerte System weiß immer, welcher Mitarbeiter gerade wo verfügbar ist - und was gerade an welcher Maschine gebraucht wird. Kommt ein neuer Auftrag rein, erhält ein Mitarbeiter eine Mitteilung auf seiner Smartwatch. Über das System erhält er genaue Anweisungen, welches Werkzeug für das gewünschte Produkt benötigt wird.

Ein Arm mit einer Smartwatch - jeder Mitarbeiter bei Daedalus trägt eine.
Aufträge per Smartwatch: Jeder Mitarbeiter trägt eine.

Mini-Roboter fahren durch die Fabrik

Ein autonom fahrender kleiner Roboter rollt sofort heran und bringt die richtigen Bauteile, kurz darauf öffnet sich automatisch der Werkzeugschrank. Der Arbeiter hat das richtige Werkzeug griffbereit und begibt sich damit an die entsprechende CNC-Maschine, wo das Bauteil bis auf einen Mikrometer genau gefertigt wird.

Dabei werden Echtzeitinformationen aus dem Produktionsprozess laufend erfasst. Diese Daten nutzt wiederum die KI, die selbstständig Entscheidungen trifft und die weitere Produktion optimiert.

Fachkräftemangel im Maschinenbau

"Auf diese Art und Weise senken wir die Fehlerquote enorm. Wir entlasten unsere Mitarbeiter ergonomisch und können unsere Produktionsprozesse effizient, individuell und flexibel steuern", bringt Martin Lander die Vorteile auf den Punkt. Eine Zukunft im Maschinenbau ohne Softwaresteuerung - für ihn ist das heute undenkbar. Arbeitsplätze würden durch KI nicht ersetzt - im Gegenteil. "Wir schaffen Arbeitsplätze mithilfe von KI, die sonst woanders abgebaut werden", so Martin Lander.

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Eine Zukunft ohne KI-Einsatz erscheint den Daedalus-Gründern schon alleine deshalb unmöglich, weil es die meisten traditionellen Betriebe immer schwerer haben, überhaupt noch geeignete Fachkräfte zu finden. Das zeige sich auch bei vielen kleinen Betrieben im Schwarzwald, den sogenannten "Hidden Champions". Diese herkömmlichen Maschinenbaufirmen leisteten zwar tolle Arbeit, so Martin Lander. Aber die meisten gelernten Zerspaner seien heute zwischen 55 und 65 Jahre alt und würden sich langsam in den Ruhestand verabschieden - und dabei ihr Erfahrungswissen mitnehmen.

Dem traditionellen Maschinenbau geht langsam die Puste aus. Da kommt kein Nachwuchs mehr. Uns wird es in 30 Jahren noch geben.

Mini-Roboter versorgen Mitarbeiter bei Daedalus in Karlsruhe mit Maschinenbauteilen.
Mini-Roboter versorgen Mitarbeiter bei Daedalus mit Maschinenbauteilen.

Unternehmen will Produktionsfläche verdoppeln

Die Chefs von Daedalus zeigen sich angesichts guter Auftragslage selbstbewusst. Bis 2027 wolle man die Produktionsfläche verdoppeln. In den kommenden zwei Jahren wolle man auch beginnen, Fachkräfte selbst auszubilden. Schon heute können die Mitarbeiter an rund 30 Werkzeugmaschinen Produkte in beliebiger Stückzahl herstellen. Je nach Kundenwunsch in individueller Ausfertigung - unter anderem gehören Bosch, Siemens oder Zeiss zu den Kunden.

Martin Lander und Jonas Schneider teilen eine Vision: "Wir wollen effiziente, flexible und verlässliche Produktionskapazitäten am Standort Deutschland schaffen, damit die Industrieunternehmen hier weiterhin montieren können und Bestand haben können."

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Susann Bühler
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