Weniger Aufträge, weniger Umsatz: Dem Maschinenbau in Baden-Württemberg geht es derzeit schlecht. Das ist das Ergebnis der alljährlichen Mitgliederbefragung des Verbands der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Baden-Württemberg. Nur rund ein Drittel der Unternehmen blickt demnach positiv auf die verbleibenden Monate des Jahres – und erwartet eine Umsatzsteigerung im niedrigen einstelligen Bereich. Aufgrund der Umfrage geht der VDMA davon aus, dass der Umsatz der Maschinenbauer in Baden-Württemberg 2025 zum zweiten Mal in Folge sinkt. Der Verband rechnet mit einem Umsatz von 80 Milliarden Euro, dies würde einem Minus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprechen.
US-Zölle belasten Auslandsgeschäft
Vor allem die Aufträge aus dem Ausland sind zuletzt eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2025 ging das Exportgeschäft der baden-württembergischen Maschinen- und Anlagenbauer um sechs Prozent auf 22,8 Milliarden Euro zurück. Dabei ist das Auslandsgeschäft extrem wichtig für die Branche: Knapp 80 Prozent der Umsätze werden laut VDMA im Export erwirtschaftet. So sei es nicht verwunderlich, dass die unberechenbare Zollpolitik der USA als wichtigstem Handelspartner deutliche Spuren im Absatz hinterlasse und damit die Wirtschaft bremse, erklärt der Vorsitzende des VDMA Baden-Württemberg, Mathias Kammüller. "Die Kunden warten weiter ab, insbesondere im Neumaschinengeschäft. Projekte werden immer wieder geschoben."
Zölle verursachen hohen bürokratischen Aufwand
Trotz des Zoll-Deals zwischen der EU und den USA gilt für Stahl- und Aluminiumprodukte derzeit immer noch ein Zollsatz von 50 Prozent. Das sei für die Unternehmen nicht nur teuer, sondern auch mit viel Bürokratie verbunden, so Kammüller. Für jede Maschine müssten von allen Stahl- und Aluminiumteilen Angaben wie Gewicht, Herkunft und Zusammensetzung erfasst werden – kleinste Fehler könnten zu hohen Strafzahlungen führen. Der VDMA fordert deshalb, dass die EU-Kommission dringend nachverhandeln und den USA klar machen müsse, wie wichtig europäische Maschinen für die amerikanische Produktion seien. Daher müssten sie von Strafzöllen ausgenommen werden, so Kammüller.
Mehr als 1.500 Jobs in Bühl bald weg Stellenabbau bei Bosch: "Mit Gewitterwolken gerechnet, aber nicht mit einem Orkan"
Der Standort Bühl/Bühlertal ist massiv vom Stellenabbau beim Autozulieferer Bosch betroffen. Etwa jeder zweite Arbeitsplatz könnte wegfallen. Betriebsrat und OB zeigen sich schockiert, Mitarbeiter sind verunsichert.
Maschinenbau-Krise kostet Tausende Jobs
Die angespannte Lage zeigt sich laut VDMA auch beim Personal. Während die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr noch stabil bei 330.000 blieb, ging sie im laufenden Jahr um knapp drei Prozent zurück, also um fast 7.600 Stellen. "Inzwischen hilft den Unternehmen der Abbau der Arbeitszeitenkonten oder das Instrument der Kurzarbeit häufig nicht mehr weiter", sagte der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) im Land, Dietrich Birk. Nun müssten Maßnahmen zur Personaleinsparung durchgeführt werden.
Man stelle sich darauf ein, dass der Stellenabbau bis zum Jahreswechsel eher anhalten werde, so Birk. Für das Gesamtjahr rechne er mit einem Abbau von "weniger als 10.000 Stellen". Jedes dritte Unternehmen in Baden-Württemberg befürchtet laut der VDMA-Konjunkturumfrage inzwischen, selbst die Stammbelegschaft in den kommenden Monaten nicht mehr vollständig halten zu können. Ein Fünftel ging von einer steigenden Stammbelegschaft aus.
Mehr Optimismus für 2026
Immerhin gibt es laut VDMA erste Anzeichen dafür, dass die Geschäfte im kommenden Jahr wieder besser laufen könnten. Dafür spreche, dass das Minus im Inlandsgeschäft nur noch bei einem Prozent liege. Dies deute darauf hin, dass die Talsohle erreicht sei, so Kammüller. Für 2026 rechnet die Mehrheit der Betriebe im Land wieder mit einem Umsatzplus. Auch Frühindikatoren deuten demnach darauf hin, dass sich der Markt nach dem Jahreswechsel langsam erholen könnte.
Maschinen- und Anlagenbau einer der wichtigsten Industriezweige in BW
Der exportorientierte Maschinen- und Anlagenbau ist einer der wichtigsten Industriezweige in Baden-Württemberg. Zu den bekannteren Unternehmen zählen zum Beispiel Trumpf, Voith, Dürr, Festo und Hermle. Auch der Technologiekonzern Bosch produziert Maschinen. Die Branche ist aber eher mittelständisch geprägt.