Zu wenige bezahlbare Wohnungen in Karlsruhe

Wohnungsnot bei Studierenden: Feldbett statt Studentenbude in der Stadt

Zum Studienbeginn suchen viele Studierende immer noch nach einer Bleibe. Auch in Karlsruhe ist günstiger Wohnraum knapp. Am KIT gibt es wieder Notunterkünfte mit Feldbetten.

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Von Autor/in Johannes Stier

Zum Semesterbeginn im Land hat der Allgemeine Studierendenausschuss (ASTA) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) insgesamt 30 Betten in drei Notunterkünften vorbereitet. Wer in Karlsruhe am KIT oder an einer anderen Hochschule studieren will, hat häufig das Problem, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Weil die Situation zu Semesterbeginn dramatisch ist, ziehen zu Wochenbeginn erste Studierende des KIT in eine Notunterkunft auf dem KIT-Gelände ein.

Es sind drei Abstellräume, in denen die Feldbetten stehen, in den Farben olivgrün und schwarz. Jeweils zehn Betten stehen nebeneinander, dazwischen dunkle Stoffe, minimale Privatsphäre auf knapp drei Quadratmetern. Es ähnelt den Unterkünften für geflüchtete Menschen. Und auch hier ist es eine Hilfe für die, die nicht wissen, wo sie sonst unterkommen könnten, die einfach keine Bleibe finden konnten.

Wohnungsnot zum Semester-Start: Bis zu vier Wochen können Studenten unterkommen

Bis zu vier Wochen dürfen die Studentinnen und Studenten in den Gemeinschaftsunterkünften bleiben. In dieser Zeit wird ihnen geholfen ein WG-Zimmer oder eine eigene Studentenbude zu finden. Sozialreferent Sascha Gruber vom ASTA erklärt, es werden Jahr für Jahr mehr Studierende, die in Karlsruhe keinen Wohnraum finden.

Nach einer Auswertung des Deutschen Studierendenwerkes lebten zuletzt nur rund 12 Prozent der Studierenden in sozial gefördertem Wohnraum oder einem Studentenwohnheim. Damit liegt Karlsruhe unter dem Soll-Wert von 15 Prozent, den das Studierendenwerk anpeilt.

Die, die sich um ein Feldbett in der Notunterkunft bemühen, haben schon verzweifelt versucht, eine Bleibe zu finden. Sie können sich entweder die Miete nicht leisten, haben trotz intensiver Suche nichts gefunden oder hatten einfach keine Chance zu suchen. Zum Beispiel, weil sie aus dem Ausland kommen und ihr Visum erst kurz vor Studienbeginn erteilt wurde. Das bedeutet, dass diese Studierenden oft erst wenige Tage vor Semesterbeginn in Karlsruhe ankommen.

Wir rechnen damit, dass wir dieses Jahr 30 Studierende hier haben werden. Das ist ein Anstieg im Vergleich zum letzten Jahr. Ein Trend, der sich über die letzten Jahre abgezeichnet hat.

Notunterkunft für Studierende: Der Asta des KIT hat für Studierende, die keine Wohnung finden, eine Notunterkunft eingerichtet.
Sascha Gruber ist Sozialreferent beim ASTA. Der Physikstudent hilft ehrenamtlich mit, die Notunterkünfte am KIT zu organisieren. Johannes Stier

Auf dem angespannten Wohnungsmarkt zählt auch Schnelligkeit

Mauritz Wimberd, 19 Jahre jung, erstes Semester Maschinenbau, hat spät begonnen, sich um eine Unterkunft zu kümmern. "Ich hab eben nicht direkt angefangen, sondern erst, als es in trockenen Tüchern war. Das war ein Fehler. Man hat am Ende nur noch die Krümel übrig und muss sich dann den schönsten aussuchen."

Wohnung für zwei Personen, das heißt, zweieinhalb Zimmer, zwei Schlafzimmer, Küche, Bad, wollten die dann Beträge im Ballpark 1.500 Euro kalt für. Und das ist dann einfach schwer machbar als Student. Und deshalb sind wir jetzt hier gelandet.

Sören Finn vom ASta hilft seit etlichen Jahren mit, wenn es um die Notunterkünfte für Studierende geht. Er weiß aus Erfahrung, dass es hauptsächlich Menschen sind, die sich eine andere Unterkunft zu Semesterbeginn nicht leisten können. Gerade viele junge Menschen aus dem Ausland haben generell Probleme, eine Unterkunft zu finden. Die Leute, die in die Notunterkunft kommen, haben kein Geld, um sich kurzfristig ein Hotel oder eine andere Bleibe leisten zu können.

Der Weg zu den Abstellräumen, die zu drei Notunterkünften auf Zeit umgenutzt wurden.
Der Weg zu den Abstellräumen, die zu drei Notunterkünften auf Zeit umgenutzt wurden. Johannes Stier

Helfen macht Freude, aber für Wohnraum sollten eigentlich andere sorgen

"Den Leuten unbürokratisch helfen zu können, ist eine große Freude", erklärt Sascha Gruber vom ASTA. Auf der anderen Seite ärgert es einen auch, sagt er. Eigentlich sei das nicht die Aufgabe von Ehrenamtlichen im ASTA, dass Studierende nicht obdachlos sind. Das sollten andere tun.

Das wäre die Aufgabe des Studierendenwerks, der Universität, beziehungsweise des Landes und des Bundes, dafür zu sorgen, dass die Leute nicht obdachlos sind.

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Johannes Stier
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